https://ad.doubleclick.net/ddm/trackimp/N1335164.5847379SOUNDSGOOD/B34787504.435903133;dc_trk_aid=629280205;dc_trk_cid=247192626;ord=[timestamp];dc_lat=;dc_rdid=;tag_for_child_directed_treatment=;tfua=;gdpr=${GDPR};gdpr_consent=${GDPR_CONSENT_755};ltd=;dc_tdv=1?" attributionsrc BORDER="0" HEIGHT="1" WIDTH="1"

Die Paulaner Story | Gut, besser, Paulaner Spezi? | 4

Shownotes

Folge 4/4: Sinkender Bierkonsum, steigende Kosten und ein umkämpfter Exportmarkt setzen Paulaner unter Druck. Nach dem Rückzug aus Russland nutzt die Konkurrenz die entstehende Lücke – während in Deutschland sich ein neuer Machtfaktor etabliert: Paulaner Spezi. Der Cola-Mix wird zum Wachstumsstar, zum Auslöser von Markenstreits und zum Schlüssel für globale Expansion. In dieser Folge entscheidet sich, wie Paulaner zwischen Tradition, Krise und Spezi-Boom seinen Platz in der Zukunft behauptet.

Kontakt: imperium@studio-jot.de Folge IMPERIUM: https://www.instagram.com/imperium.podcast/

Transkript anzeigen

00:00:01: Jörg.

00:00:10: Singapur im Oktober.

00:00:11: im Oktober am Marina Bay.

00:00:14: Mitten im Geschäfts- und Tourismuszentrum der Stadt.

00:00:17: Ein junges Urlaubspaar aus Deutschland betritt den Haupteingang eines großen Glasgebäudes.

00:00:22: Sie bleiben stehen und schauen sich staunend

00:00:24: um.

00:00:26: Schatz, siehst du das?

00:00:29: Ein Oktoberfest in Singapur.

00:00:32: Bei dreißig Grad und neunzig Prozent Luftfeuchtigkeit.

00:00:37: Ich habe dir doch gesagt, ich höre deutschen Schlager.

00:00:40: Da fliegt man zehntausend Kilometer und fühlt sich plötzlich doch wieder wie zu Hause.

00:00:44: Faszinierend.

00:00:46: Das Paar sieht einige hundert Personen enttrachten.

00:00:50: Chinesinnen und Chinesen, aber auch Leute aus Deutschland, Indien oder den USA.

00:00:55: Alle inmitten eines festlich geschmückten Saals voller Bierbänke, weißblauer Fahnen, Lichterketten und Brezentürme.

00:01:03: Sie lachen, singen und trinken bayerisches weiß Bier.

00:01:07: Eine einheimische Kellnerin im Dirndl mit Zehmars Bier in der Hand läuft an dem Paar vorbei und spricht sie auf Deutsch an.

00:01:14: Willkommen beim Oktoberfest im Paulaner Bräuhaus Singapur.

00:01:18: Haben Sie reserviert?

00:01:19: Ähm, Bräuer wissen Sie, dass wir Deutsche sind?

00:01:22: An den Tennissocken und den Sandalen.

00:01:26: Nur Spaß.

00:01:27: Ich hab Sie reden hören.

00:01:29: Ich selbst bin in München aufgewachsen.

00:01:31: Ach so.

00:01:32: Können Sie uns verraten, was hier gespielt wird?

00:01:36: Also aktuell spielt DJ Jürgen die besten Wiesen-Hits zum Mitsingen.

00:01:40: Nee, ich mein das alles hier.

00:01:43: Auf mich wirkt das wenig überzeugend irgendwie fake.

00:01:47: Von wegen.

00:01:48: Sie sehen hier ein echtes Paulana Oktoberfest auf drei Etagen.

00:01:52: Mit rund siebenhundert Sitzplätzen und echtem Paulana-Weißbier.

00:01:56: Das Festbier wird sogar hier vor Ort gebraut, nach Originalrezept.

00:02:01: Nichts für ungut, aber irgendwie wirkt es etwas künstlich.

00:02:05: Klar, die Stimmung passt, das Bier bestimmt auch, aber ich weiß ja nicht.

00:02:11: Die Kellnerin stellt die Maßgrücke auf den Tisch.

00:02:14: Das Paulana Bräuhaus hier ist Teil eines weltweiten Franchise.

00:02:18: Ein bisschen Bayern zum Mitnehmen sozusagen.

00:02:20: Vieles ist vorgegeben.

00:02:21: Speisekarte, Musik, Deko.

00:02:25: Und ja, das kommt tatsächlich gut an.

00:02:28: Die Leute hier stehen total auf dieses typisch Deutsch.

00:02:32: Naja, am Ende sind das alles eher Bayern-Klischees.

00:02:35: Dass auch wir im Saarland oder in Ostfriesland alle nur in Lederhosen rumlaufen würden.

00:02:40: Oder zum Frühstück Weißwürste mit Weißbier verdrücken.

00:02:43: Stimmt, ich komme ja selbst aus München.

00:02:46: Und da läuft auch keiner rund um die Uhr so rum.

00:02:49: Aber so ist das mit Kultur, sobald sie kommerzialisiert wird.

00:02:53: Sie rutscht schnell in Richtung Karikatur.

00:02:56: Denken Sie an italienische oder chinesische Restaurants in Deutschland.

00:03:00: Vieles davon ist so authentisch wie eine Lederhose in der Sauna.

00:03:12: Was für ein klösterliches Fasten wir begannen, ist heute ein globales Konzept deutscher Gemütlichkeit.

00:03:20: Ob in Singapur, Beijing, Jakarta oder Azerbaijan.

00:03:24: Insbesondere im asiatischen Raum boomt das Paulana Franchise.

00:03:28: Oder in den USA, wo das Oktoberfest Bier gerne getrunken wird.

00:03:33: Vom Zapfahren bis zur Zielleiste Von der Speisekarte bis zur Schlagermusik, alles folgt dem zentralen Markenkonzept aus München.

00:03:41: Weißbier als Botschafter bayerischer Trinkultur.

00:03:45: Nicht frei von Klischees, aber kalkuliert gemütlich.

00:03:49: Doch zu Hause, in der Heimat des Reinheitsgebots, kämpft der deutsche Biermarkt ums Überleben.

00:03:56: Craft-Bier-Hype, Preiskrieg und Kulturwandel setzen Traditionshäuser unter Druck.

00:04:02: Und Paulana.

00:04:03: findet sich plötzlich zwischen erloschenen Sudkesseln und stillgelegten Apfelanlagen wieder.

00:04:17: Ich bin Marc-Ben Poch und das ist Imperium.

00:04:22: Die Paulana Story von Studio J. Wenn euch Imperium gefällt, gebt uns jetzt fünf Sterne und folgt uns, um die nächste Staffel nicht zu verprassen.

00:04:36: Danke!

00:04:44: In der letzten Folge hat Paulana den Biergarten neu erfunden und daraus mehr als nur einen Ort des Trinkens gemacht.

00:04:51: Der Paulanagarten wurde zum modernen Aushängeschild bayerischer Lebensart und legte zugleich den Grundstein für eine Legende der digitalen Meme Culture.

00:05:00: Währenddessen reifte im Hintergrund ein neuer Absatzmarkt.

00:05:05: Spezi, eine der am schnellsten wachsenden Marken im Paulanaportfolio.

00:05:10: Der Kohlamix wird sogar Heimwaffe auf einem heiß umkämpften Getränkemarkt.

00:05:15: und Alexandra Schörkuba zur Befehlshaberin eines Konzerns, der in mehreren Männerklubs gleichzeitig agiert.

00:05:22: Diese Folge führt uns nach fast vierhundert Jahren in die Gegenwart von Paulana und in die Realität einer Bierbranche, die kaum wieder zu erkennen ist, sinkender Bierkonsum und explodierende Energiepreise, außerdem Traditionsbrauereien, die sich erstmals vorstellen können, mehr Umsatz mit Softdrinks als mit Bier zu machen.

00:05:43: Das Oktoberfest ist längst nicht mehr nur Volksfest, sondern die Bühne für globale Vermarktung und kulturelle Verwertung.

00:05:51: Das Aushängeschild der Big Six der Münchner Biere, deren Oktoberfest Marktdominanz zu Kippen droht.

00:05:58: Und mittendrin die Paulana-Brau-Reiholding, Gefangen zwischen Heimatgefühl und Weltmarkt, zwischen Maas Krug und Moderne.

00:06:07: Das ist Folge vier.

00:06:09: Gut, besser, Paulana Spezi?

00:06:19: Bayern im Sommer.

00:06:23: In einem stillgelegten Sudhaus läuft ein Bierbrauer zwischen leeren blank polierten Tanks hindurch.

00:06:29: Er führt die Journalistin einer Regionalzeitung durch seine insolvente Brauerei.

00:06:35: Eine wirklich schöne Brauerei, die Sie hier haben.

00:06:39: Sie hätten Sie mal im laufenden Betrieb erleben sollen.

00:06:42: Ich habe hier meine halbe Kindheit verbracht, seit ihrer Gründung vor über fünfzig Jahren.

00:06:48: Und nun wollen Sie sie verkaufen.

00:06:50: Von wollen können keine Rede sein.

00:06:53: Was ist passiert?

00:06:54: Corona ist passiert.

00:06:57: Immer mehr Gastronomien sind eingegangen.

00:07:00: Dazu die explodierenden Energie- und Rohstoffpreise.

00:07:03: Und dann trinken die Deutschen auch noch so wenig Bier wie seit über fünfzig Jahren nicht mehr.

00:07:08: Der Markt ist gesättigt und mein Familienbetrieb insolvent.

00:07:14: Wie fühlt sich das an?

00:07:16: Beschissen.

00:07:18: Das kann ich Ihnen sagen.

00:07:19: Du führst einen Betrieb seit Generationen.

00:07:22: Modernisierst, investierst, kämpfst.

00:07:25: Und dann überräute ich eine Krise nach der anderen.

00:07:29: Und was machen Sie nun?

00:07:31: Auf dem Tisch liegen zwei Angebote.

00:07:34: Von Paulana und Krombacher.

00:07:37: Einerseits die größte Brauerei Münchens in der Hand einer Milliardärsfamilie und einem Milliardenkonzern.

00:07:44: Auf der anderen Seite die größte Privatbrauerei Deutschlands.

00:07:49: Test und Cola, wenn Sie mich fragen.

00:07:51: Für die Großen ist es ein gefundenes Fressen.

00:07:53: Wenn kleine Bierbrauer wie ich einknicken.

00:07:56: Marken, Braustetten, Rezepturen und die angeschlossenen Gaststätten.

00:08:00: Alles günstig in der Grabbelkiste zu haben.

00:08:04: Der Chef von Krombacher hat vor Kurzem in der Presse gesagt, man sei entschlossen, die Chancen des sich verändernden Marktes zu nutzen.

00:08:12: Die haben auch gut lachen.

00:08:14: Aber um fair zu bleiben, auch die Großen haben es aktuell nicht leicht.

00:08:18: Paulaner und Kromber haben es in ihrer Hausbiere zu Tiefspreisen verschleudern, weil der Handel den Kastenbier auf zehn bis zwölf Euro drückt.

00:08:26: Da wird lieber verramscht, bevor das Bier der Konkurrenz getrunken wird.

00:08:30: Gibt es viele kleine bis mittlere Brauereien in ihrer Lage?

00:08:34: Mehr als man denkt.

00:08:36: Wir Mittelständler sind die Letzten, die getrunken werden und die Ersten, die fallen.

00:08:46: Die Krise der kleinen mittelständischen Brauerei ist kein Einzelfall.

00:08:50: Sie erfasst die gesamte deutsche Bierlandschaft.

00:08:53: Die Bierbranche entwickelt sich zu einem Konsolidierungsschlachtfeld.

00:08:57: Ein Strukturwandel setzt ein, der auch Alexandra Schörkuba und ihre Paulana Brauereigruppe erreicht.

00:09:03: In den letzten Jahren fällte der Bier-Konsum in Deutschland auf zweiundneinzig Liter pro Kopf.

00:09:10: Ein historischer Tiefstand.

00:09:12: Verstärkt durch die Maßnahmen in Zuge der Corona-Pandemie, die der Gastronomie tiefer wundenschlägt.

00:09:18: Monatelange Schließungen führten zu einem Gastrokollaps historischen Ausmaßes.

00:09:24: Gleichzeitig gehen die Energie- und Rohstoffpreise durch die Decke.

00:09:27: Glas, Malz, Kohlendioxid, alles wird teurer.

00:09:31: Alexandra Schörkuba spürt den Druck und die Verantwortung.

00:09:35: So auch die Paulana-Gruppe.

00:09:37: Ihr Gewinn schrumpft im Jahr-Zweitausend-Zweiundzwanzig um neunzig Prozent auf gerade einmal drei Millionen Euro.

00:09:44: Noch schlimmer steht es um das Kerngeschäft der Schörkuba-Gruppe.

00:09:48: Dieses rutscht unter der Last in die roten Zahlen.

00:09:51: Der Umsatz fällt im Hotel- und Immobilienbereich auf fünfhundertfünfzig Millionen Euro.

00:10:01: Die Pandemie hat für die Marke Paulana noch eine zweite, unerwartete Nebenwirkung.

00:10:07: Während echte Biergärten leer bleiben, entsteht im Netz ein digitaler.

00:10:12: Der Spruch, Geschichten aus dem Paulanagarten, wird in Kommentarspalten immer häufiger genutzt, um Aussagen pauschal als Erfindung abzutun, oder Personen zu diskreditieren.

00:10:25: Besonders sichtbar in neu rechten Milieus.

00:10:28: In dieser Phase emanzipiert sich der Slogan endgültig von seinen humorvoll harmlosen Weißbierwurzeln.

00:10:34: Er existiert nun sowohl als ironisches Internet-Meme, als auch als politisch aufgeladener Kampfbegriff.

00:10:41: Ein digitaler Zwilling, weit entfernt vom gemütlichen Nockerberg Original.

00:10:46: Als während Pandemie und sinkender Prokopverbrauch nicht Herausforderung genug, bricht Alexandra Schörkuber der sechstgrößte Biermarkt der Welt weg.

00:10:55: Plötzlich steht sie da, wie viele kleine Brauereien.

00:10:59: Unverschuldet in eine Krise geschleudert, einer übermächtigen Konkurrenz ausgeliefert, die jedes Anzeichen von Schwäche, Eiskalt zu nutzen weiß.

00:11:16: München im Herbst, in der Paulana-Zentrale sitzt Dr.

00:11:21: Jörg Lehmann, der CEO der Paulana-Brauereigruppe, seiner Chefin Alexandra Schörkuber gegenüber.

00:11:28: Der Bericht über alle Geschäftsaktivitäten in Russland, seit russische Streitkräfte in die Ukraine einmarschiert sind.

00:11:36: Also Herr Lehmann, legen Sie los.

00:11:39: Wie sieht's aus in Russland?

00:11:42: Düster.

00:11:43: Wir haben auf dem russischen Markt alle Tätigkeiten gestoppt.

00:11:46: Export, Support für die Brauerhäuser, Franchise, Leitfäden, Marketing, alles.

00:11:52: Weiter?

00:11:54: Nun, Sie wissen ja, wie wichtig Russland für uns war.

00:11:58: Immerhin sprechen wir hier vom sechstgrößten Biermarkt der Welt.

00:12:01: Paulana ist nach Spaten die bedeutendste Bier im Portemark Russlands.

00:12:05: Knapp zweihundertfünfzigtausend Hektoliter im Jahr.

00:12:08: Nun liegen wir bei Null.

00:12:10: Das ist bitter.

00:12:12: Aber bei den anderen deutschen Brauereien sieht es nicht besser aus.

00:12:15: Bitburger, Feltins, Warsteiner, Radeberger, Kronbacher, alle sind raus aus Russland.

00:12:21: Übrigens auch Heineken, wie mir die Zentrale in den Niederlanden mitgeteilt hat.

00:12:26: Dasselbe in Grün bei Karlsberg in Dänemark.

00:12:29: Immerhin die Nummer drei der Welt hinter Heineken.

00:12:32: Wissen wir eigentlich, was die Nummer eins macht?

00:12:36: Nun ja, aber das wird Ihnen nicht gefallen.

00:12:38: Der belgisch-prasilianische Weltmarktführer Anhäuser Busch in Beff zeigt sich weniger solidarisch mit der Ukraine als gedacht.

00:12:45: Dort stehen die Zeichen auf Expansion.

00:12:47: Warum wundert mich das nicht?

00:12:49: Mit Spatenbräu ist der Konzern unangefochtener Marktführer in Russland.

00:12:54: Was hat Anhäuser Busch vor?

00:12:56: Der Konzern will direkt in Russland produzieren, inklusive ihrer deutschen Biere, Spaten, Franziskana und Löwenbräu.

00:13:03: Alles made in Russia.

00:13:05: Verstehe.

00:13:07: Sie umgehen so nicht nur die internationalen Sanktionen, sondern füllen auch die Lücke, die wir hinterlassen.

00:13:14: Mehr als das.

00:13:16: An Häuser Busch in Beff will aus dem Stand heraus an sieben Standorten produzieren.

00:13:20: Sieben!

00:13:21: Damit übernehmen Sie den gesamten russischen Markt.

00:13:24: Hm.

00:13:26: Die Frage ist, ob sie ihre Biere in Russland in einer vergleichbaren Qualität gebraut bekommen wie in Deutschland.

00:13:33: Das dürfte aufgrund der Sanktionen nicht so einfach sein.

00:13:36: Es wurden angeblich Tests bei der TU München in Auftrag gegeben, um zu beweisen, dass das russische Spaten dem Deutschen in nichts nachsteht.

00:13:44: Was sagen die anderen Brauereien dazu?

00:13:47: Viel Empörung, einige Boykottaufrufe, ein paar wenige Bierhersteller nennen an Häuser Busch offen Boykottbrecher oder Kriegsgewinnler.

00:13:55: Und ich kann es Ihnen nicht mal verdenken.

00:14:01: Der Verlust des Russlandgeschäfts wiegt schwer.

00:14:04: Knapp fünf Prozent des gesamten Bier-Ausstoßes der Paulana Holding brechen Alexandra Schörkuber von heute auf morgen weg.

00:14:11: Paulana versucht, die empfindlichen Umsatzeinbußen des Russland-Exits durch Wachstum in anderen Absatzmärkten zu kompensieren.

00:14:20: Vor allem im ostasiatischen Raum.

00:14:23: So gelingt es der Brauereigruppe, einen Jahresumsatz von rund achthundert Millionen Euro zu erzielen.

00:14:30: Für Alexandra Schörkuba ist es ein Ergebnis auf Vorjahresniveau, das mehr als die Hälfte des gesamten Schörkuba-Konzerns ausmacht.

00:14:39: Die von ihr angestoßenen, effizienteren Strukturen innerhalb der Gruppe schaffen zusätzlichen Spielraum.

00:14:45: Das Absatzvolumen liegt bei rund neun Millionen Hektolitern.

00:14:49: Zwei Drittel davon Bier, ein Drittel, sonstige Getränke.

00:14:58: Den größten Anteil am alkoholfreien Ausstoß liefert ein Produkt, das im Konzern lange keine besondere betriebswirtschaftliche Rolle spielte und auch von Alexandra Schörkuber nicht erkannt wurde.

00:15:09: Paulana Spezi.

00:15:12: Erstmals überschreitet die Trendlimonade, die Marke von einer Million Hektolitern, und steht damit für rund ein Drittel aller alkoholfreien Getränke der Gruppe.

00:15:22: Ein Umsatz von über fünfzig Millionen Euro.

00:15:25: Tendenz schnell steigend.

00:15:28: Für die Konzernchefin wird der Kohlamix nach Bier zur zweiten Geschäftsäule.

00:15:34: Doch der Erfolg der eigenen Paulana Spezi verändert nicht nur die Verhältnisse intern, sondern auch bei der Konkurrenz.

00:15:41: Fünfzig Millionen Euro Umsatz pro Jahr ist eine Summe, die bei der originalen Spezibrauerei Riegele aus Augsburg Begehrlichkeiten weckt.

00:15:50: Und so einen Jahrzehnte alten Waffenstillstand in einen offenen Konflikt verwandelt.

00:16:07: Die beiden Brauereien Paulana und Riegele streiten über ein einziges Wort.

00:16:13: Spezi.

00:16:14: Im Saal sitzen die Anwälte beider Seiten.

00:16:17: Gegenüber die Richterbank mit der Vorsitzenden Richterin an der Spitze.

00:16:22: Der Anwalt von Riegele übernimmt das Wort.

00:16:26: Frau Vorsitzende.

00:16:28: Unsere Mandanten, die Brauerei Regeler, hat Spezie bereits in nineteenhundertsechsenfünfzig als Marke eintragen lassen.

00:16:35: Zunächst für Bier, später auch für alkoholfreie Mischgedränke.

00:16:39: Die Marke ist historisch wie wirtschaftlich von erheblichem Wert.

00:16:44: Paulana hingegen vertreibt seit Jahren ein Produkt unter der Bezeichnung Paulana Spezie und erwirtschaftet Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe, ohne hierfür eine angemessene Vergütung zu entrichten.

00:16:58: Dem widersprechen wir.

00:17:03: In

00:17:19: der Tat.

00:17:20: Abgrenzungsvereinbarungen sind grundsätzlich unkündbar.

00:17:24: Lizenzverträge hingegen schon.

00:17:26: Auffällig ist, dass im vorliegenden Dokument die Überschrift Lizenzvertrag handschriftlich durchgestrichen und durch Vereinbarung ersetzt wurde.

00:17:35: Und auch innerhalb des Textes wurde der Begriff Lizenz an mehreren Stellen gestrichen.

00:17:42: Das spricht gegen den Charakter eines Lizenzvertrags.

00:17:46: Aber an anderen Stellen nicht.

00:17:49: Das lässt Raum für Auslegung und für die Frage, welche Intention damals tatsächlich vorlag.

00:17:57: Ich muss feststellen, es findet sich kein Enddatum im Vertrag.

00:18:01: Das könnte auf eine bewusste Dauerhaftigkeit hindeuten und damit auf eine gewollte Koexistenz beidermarken.

00:18:08: Unsere mandanten Riegele sieht dies anders.

00:18:11: Sie begehrt die Kündigung der bestehenden Vereinbarung sowie eine jährliche Vergütung in Höhe von fünf Millionen Euro.

00:18:18: Entsprechend dem Markterfolg von Paulana Spezi.

00:18:21: Paulana hat über Jahrzehnte erheblich in Marke Vertrieb und Bekanntheit investiert.

00:18:27: Eine Kündigung erscheint nicht gerechtfertigt.

00:18:30: Zudem ist Spezi im allgemeinen Sprachgebrauch weitgehend zum Gattungsbegriff geworden.

00:18:36: Ein Umstand, der gegen eine exklusive Nutzung spricht.

00:18:40: Die mögliche Gattungsbildung ist tatsächlich ein relevanter Aspekt.

00:18:44: Aber sie allein entscheidet diesen Fall nicht.

00:18:47: Nun gut.

00:18:48: Das Gericht hat einen ersten Eindruck gewonnen.

00:18:51: Den Termin zur Urteilsverkündung geben wir gesondert bekannt, sofern die Parteien nicht vorher eine außergerichtliche Einigung erzielen.

00:19:05: Als das Urteil wenige Wochen später fällt, setzt das Landgericht München ein deutliches Zeichen.

00:19:11: Paulana behält Recht.

00:19:14: Die Vereinbarung von nineteenhundertvierundsiebzig wird als unkündbare Abgrenzungsvereinbarung bestätigt.

00:19:20: Riegele scheitert sowohl mit Erkündigung als auch mit der Forderung nach einer jährlichen Lizenzzahlung.

00:19:27: Ein Vorstoß, der sich für die Augsburger als teures Lehrstück erweist.

00:19:32: Für Paulana bedeutet das Urteil die juristische Rückendeckung für einen der wichtigsten Wachstumstreiber.

00:19:39: Paulana Spezi setzt sich vor Gericht durch.

00:19:42: Doch dieser juristische Erfolg ist lediglich der Auftakt.

00:19:46: Denn der eigentliche Schlagabtausch findet längst anderswo statt.

00:19:50: In den deutschen Handelsregalen, wo eigene Gesetze gelten.

00:19:54: Aus dem Streit um fünf Buchstaben wird ein Wettbewerb um ein Milliardenvolumen.

00:20:00: Und die nächste Offensive des einst so friedfertigen Klosterbieres lässt nicht lange auf sich warten.

00:20:24: Sommer, twenty-fünfundzwanzig in einem Aachener Getränkemarkt.

00:20:28: Ein junges Paar steht vor einem Regal, das aussieht wie eine Regenbogenwand.

00:20:34: Wow,

00:20:35: also ich wollte eigentlich nur eine Spezi haben.

00:20:39: Seit wann gibt's denn ein ganzes Pokémon-Universum aus Cola-Mixen?

00:20:44: Das ist so irre.

00:20:45: Paulaner Spezi, Krohmbacher Spezi, die Originale Spezi.

00:20:50: Und dann diese Möchtegerns, Metzomix, Schwibschwapp, Fritzkola Mischmarsch, Kahlsberg, Brauerlimo, Flensburger Küstenmix, Feldschlösschen, Wieterkola, Afrikola.

00:21:03: Ah!

00:21:04: Ich schwöre, früher gab's einfach ne Spezi.

00:21:07: Punkt.

00:21:08: Schau mal hier.

00:21:09: Selbst Mio-Mio hat nur eine.

00:21:11: Nennt sich Cola-Orangen-Mische.

00:21:14: Kennst du die?

00:21:15: Nee.

00:21:17: Nur die Mio-Mio-Marte.

00:21:19: Hm.

00:21:20: Irgendwie erinnert mich das Etikett der Mio-Mio-Mische an das von Paulana.

00:21:24: Echt jetzt?

00:21:26: Sind doch ganz andere Farben und Muster.

00:21:29: Retrobund und Pseudo-Hip sind hier doch alle Flaschen.

00:21:32: Ich sag ja nicht, dass es gleich aussieht.

00:21:35: Nur ... Same Energy.

00:21:38: Verstehst du?

00:21:40: Ein Mitarbeiter des Getränkemarkts nähert sich den beiden.

00:21:44: Entschuldig, wenn ich einfach so reingrede.

00:21:46: Aber genau darüber haben die sich gestritten vor Gericht.

00:21:49: Wie bitte?

00:21:50: Paulana hat Mio Mio verklagt.

00:21:53: Also genau genommen die Brauerei hinter Mio Mio, Berenzen.

00:21:56: Wegen dem Design des Etikettes.

00:21:58: Paulana war der Meinung, dass das Wellendesign und die Farbe zu ähnlich sein und hat gewonnen.

00:22:04: Aha, was hab ich gesagt?

00:22:06: Das ist ja lächerlich.

00:22:07: Für Paulana nicht.

00:22:09: Die haben in den letzten Jahren gefühlt so ziemlich jeden Verklagt, der mit Cola und Orange rumspielt.

00:22:13: Erst Karlsberg und ihre offiziell lizenzierte Spezie, dann die Mio-Mio-Mische.

00:22:18: Bei beiden ging es ums Etikett.

00:22:20: Und vorher gab es natürlich noch den legendären Prozess gegen die originale Spezie von Riegele.

00:22:25: Paulana hat alles gewonnen.

00:22:27: Er fehlt nur noch eine Meisterfeier auf dem Marinenplatz.

00:22:31: Aber seit wann sind die Mönche so streitlustig?

00:22:34: Seit Spezie der reinste Goldesel ist.

00:22:36: Wir verkaufen hier neunmal so viel Paulana Spezi wie von den Originalen.

00:22:40: Dabei verkauft sich auch die echt gut.

00:22:43: Spezi boomt, selbst wenn was anderes draufsteht.

00:22:45: Mein Chef meinte kürzlich, wenn es so weiter geht, könnte Paulana bald mehr Umsatz mit Spezi machen als mit Bier.

00:22:52: Alles klar, wenn man so viel Asche macht, dann will man natürlich nicht, dass jemand anderes auf der eigenen Erfolgswelle mitsurft.

00:22:59: Dabei surft Paulana selbst auf einer fremden Welle.

00:23:02: Stimmt.

00:23:03: Hier.

00:23:04: Das ist die originale Spezi mit blauem Etikett, die ich noch aus meiner Kindheit kenne.

00:23:09: Einfach Beste.

00:23:11: Eben, das ist die Ironie dabei.

00:23:13: Riegel hat es zwar erfunden und bekannt gemacht, aber Paulana beherrscht das Marketing-Game einfach sehr viel besser und schreckt auch nicht davor zurück, gegen die Konkurrenz vorzugehen.

00:23:28: Während der Paulana-Vorstand in Deutschland die Spezi-Konkurrenz auf Abstand hält, treibt Alexander Schörkuba im Ausland einen konsequenten Wachstumskurs voran.

00:23:37: In den Jahren ist die Polaner-Gruppe erstmals die Umsatz-Milliarde überschreitet.

00:23:43: Damit rückt das Joint Venture mit Heineken auf Platz vier der größten deutschen Brauereigruppen hinter der Radeberger-Gruppe, Anhäuser Busch-Inbev-Deutschland und der Krombacher-Gruppe.

00:23:54: Getragen wird der Höhenflug vom Bier-Absatz, der gegen den Branchen-Trend um fast fünf Prozent auf rund sechs Millionen Hektoliter anwächst.

00:24:03: Und natürlich von Paulana Spezi, deren Absatz sich in den letzten acht Jahren verzehnfacht hat.

00:24:09: Mittlerweile wächst die Brause jährlich um bis zu dreißig Prozent und dominiert mit einem Marktanteil von vierzig Prozent den gesamten Cola-Mix-Markt.

00:24:19: Die originale Spezi, Schwibschwapp und Mezzomix hinken mit großem Abstand hinterher.

00:24:25: Um mit dem enormen Wachstum umzugehen, übernimmt Alexander Schörkuba von der Oettinger Brauerei den Standort in Gotha mit rund hundredseptzig Beschäftigten, um vor allem Speziprodukte abzufüllen.

00:24:37: In den Kauf des Standorts investiert sie zwölf, fünf Millionen Euro.

00:24:46: Besonders stark legt unter ihrer Führung auch das Auslandsgeschäft zu.

00:24:50: Plus achtzehn Prozent Volumenwachstum, getragen von Europa, China und den USA.

00:24:56: In den Vereinigten Staaten wag Paulana nun den nächsten Schritt.

00:24:59: und bringt seine Spezi-Variante in die Regale, allerdings nicht unter dem vertrauten Namen.

00:25:04: Die alte Vereinbarung mit Riegele gilt nur in Deutschland.

00:25:08: Weshalb der Konzern den Export unter dem Label Paulana Sunset startet, orange-rot etikettiert, kalifornisch aufgeladen und frei von deutschen Markenrestriktionen.

00:25:19: Der Launch an der Westküste bleibt zunächst ein Nischen-Thema.

00:25:23: Cola-Mix-Getränke gelten in den USA noch als geschmackliches Kuriosum.

00:25:27: Für Alexandra Schörkuba und ihren Biervorstand ist Sunset dennoch weit mehr als ein Experiment.

00:25:34: Es markiert den Eintritt an ein globales Wachstumsfeld, in dem keine historischen Vereinbarungen die Grenzen setzen, sondern jeder neue Markt Potenzial in Millionenhöhe eröffnet.

00:25:46: Während Paulana in Übersee neue Märkte erobert, entscheidet sich auf dem größten Volksfest der Welt, wer den bayerischen Biermarkt dominiert.

00:25:56: Dort Wo jährlich Millionen Mars über die Theke gehen, zeigt sich, wie viel Einfluss Paulana wirklich hat.

00:26:04: Und in Zukunft noch haben wird.

00:26:15: Oktoberfest, im Paulaner Zelt.

00:26:19: Ein Mann in der Arbeitshose und kaputzen Pullover sitzt zwischen Trachten und Marskrügen.

00:26:25: Es ist ein junger Bierbrauer, der sein Bier nicht auf der Wiesen verkaufen darf.

00:26:30: Noch nicht.

00:26:32: Neben ihm sitzt eine Journalistin, die auf den jungen Bierebellen aufmerksam geworden ist.

00:26:36: Hab ich das richtig verstanden, dass sie ihre Brauerei in einer Garage gegründet haben?

00:26:43: Ja, im Herzen von München.

00:26:45: Auf zwanzig Quadratmetern, mit einem alten Kupferkessel auf zweiter Hand und einem großen Traum.

00:26:51: Und trotzdem durften sie ihr Bier nicht Münchner Bier nennen.

00:26:54: Warum?

00:26:55: Weil nur Münchner Brauereien mit eigenem Tiefbrunnen ihr Bier Münchner Bier nennen dürfen.

00:27:01: Offiziell geht's um Wasserqualität und Herkunft.

00:27:03: Inoffiziell um territoriale Ansprüche.

00:27:07: Ein Schutz gegen unliebsame Konkurrenz.

00:27:09: Bis heute dürfen auch nur sechs Brauereien ihr Bier am Oktoberfest verkaufen.

00:27:14: Die Big Six.

00:27:16: Das klingt nach Kartellmethoden.

00:27:18: Die großen Brauereien nennen es Tradition.

00:27:21: Dabei sind manche ihrer Regeln quasi erst gestern erlassen worden.

00:27:25: Ich nenne es vor allem Unfair.

00:27:28: Und was haben sie gemacht?

00:27:29: Na was wohl, mein eigenen Tiefbrunnengeburt?

00:27:32: Hundertsechzig Meter tief.

00:27:34: Seither darf ich mein Bier auch Münchner Bier nennen.

00:27:37: Ob das aus mir endlich einen echten Münchner Bierbrauer macht?

00:27:41: Auf jeden Fall, echter als die Sherkubers und Heineken.

00:27:45: Apropos, gehört Paulana auch zu den Big Six?

00:27:49: Natürlich.

00:27:50: Paulana ist der dickste Kessel von allen.

00:27:52: Neben Hofbräu, Augustina, Spaten, Löwenbräu, Hack-Up-Shore.

00:27:56: Aber ich mache denen keinen Vorwurf.

00:27:58: Sie verteidigen, was Sie aufgebaut haben.

00:28:00: Die Wiesen ist mehr als Bier.

00:28:02: Es ist Bühne und Marke zugleich.

00:28:04: Eine Werbetafel, auf die die ganze Welt blickt.

00:28:07: Ist das Ihr großer Traum, Ihr eigenes Bier am Oktoberfest zu verkaufen?

00:28:12: Oh ja, ich will, dass mein Bier hier ausgeschenkt wird.

00:28:14: Irgendwann ist es soweit.

00:28:16: Vermutlich noch nicht nächstes Jahr, aber bald.

00:28:20: Eigentlich geht es Ihnen doch auch um Prestige und Geld.

00:28:23: Darum die Bekanntheit und den Werbewert ihres Bieres zu steigern.

00:28:28: Natürlich, dieselbe Tour, die die Big Six seit Jahrhunderten fahren.

00:28:32: Doch um in diesen Club zu kommen, bedarf es mehr als nur Wasser aus nem tiefen Loch.

00:28:37: Nämlich?

00:28:39: Politischen Einfluss und Beziehung.

00:28:41: Am Ende wacht das Rathaus über alles.

00:28:44: Jede Brezen, jedes Logo, jede Maß.

00:28:47: Aber die Braubranche verändert sich.

00:28:49: Der Bierverbrauch, das Image, das Sortiment, aber auch die Gesellschaft.

00:28:54: Schauen Sie mal rüber zum Nebentisch.

00:28:56: Was sehen Sie?

00:28:57: Einen Vater mit seinem Sohn, der vielleicht vierzehn ist.

00:29:01: Meine Güte, trinkt das Kind etwa ein Maß Bier?

00:29:04: Das nennt sich Begleitetes Trinken.

00:29:07: Ab vierzehn völlig legal, solange die Eltern dabei sind.

00:29:10: Deutschland in a nutshell.

00:29:12: Aber wehe, wenn ein Erwachsener hier auf der Wiesn einen Joint zückt, dann steht schneller eine Polizeieinheit da, als du Ursoft-Is sagen kannst.

00:29:21: Alles zum Schutz der Jugend natürlich.

00:29:30: liegen zwischen dem verbotenen Mönchsbier und den Paulaner Brauhäusern in Ostasien.

00:29:37: Da zwischen Feuer, Fortschritt, Familienimperien und eine Biokultur im Wandel der Zeit, die sich für unantastbarer hielt, als sie es vielleicht tatsächlich sein mag.

00:29:48: Und vergänglicher, als der Paulaner Markenmythos selbst.

00:29:53: Paulaner ist als Marke und Unternehmen immer dann gewachsen, wenn die Welt in Zwankengeriet.

00:29:59: Paulana Pionier-Zachal baute Dampfkessel, als München noch an Pferdekaren glaubte.

00:30:05: In der Nachkriegszeit wurde spät sie abgefüllt, als niemand wusste, dass Deutschland einmal Cola mit Orange lieben würde.

00:30:12: Die Schörkubers machten aus einer klösterlichen Brauerei ein Imperium aus Bier, Beton und Beiantum.

00:30:19: Und während draußen der Bierkonsum schrumpft, wächst drinnen der Wille, größer, mutiger, weltläufiger zu denken.

00:30:27: Heute zählt die Paulana Brauerei-Gruppe zur Top-III der größten Brauereien Deutschlands und rangiert zugleich in den Top-III-Weltweit.

00:30:37: Eigentumsseitig bleibt das Unternehmen zweigeteilt.

00:30:40: Heineken hält mittlerweile nur noch dreißig Prozent, während siebzig Prozent beim Sherkuba-Konzern liegen.

00:30:47: Eine Konstruktion, die Paulana Internationales Know-How sichert und zugleich die Kontrolle in Münchner Familienhand belässt.

00:31:00: Alexandra Schörk-Huber, seit Jahrzehnten die konstante Bezugsperson für die Brauerei, plant die schrittweise Übergabe an die nächste Generation.

00:31:09: Sie bleibt zwar Teil des Holding-Vorstands, doch die operative Verantwortung verschiebt sich sichtbar.

00:31:15: Alle ihre Kinder sind mittlerweile im Konzern tätig.

00:31:18: Ihr jüngster Sohn Florian, Jahrgang, nineteenundneinzig, tritt zwei tausend vierundzwanzig als Co-Geschäftsführer an und mit ihm verändert sich die

00:31:27: Taktung.

00:31:28: Früher stand die Mutter selbst auf den Vertriebstagungen, gab jedem das Gefühl, Teil der Familie zu sein.

00:31:35: Heute bleibt die neue Führung oft fern.

00:31:38: Der direkte Draht nach oben, auf den sich Paulana lange verlassen konnte, droht zu reißen.

00:31:44: Er setzt durch Hierarchie und Protokoll.

00:31:53: Die neue Generation betreibt eine strategische Neuausrichtung.

00:31:57: Statt auf kleine Regionalmarken setzt Paulana auf Dominanz.

00:32:01: Eine Marke pro Land.

00:32:02: Ein klares Ziel, weniger Vielfalt, mehr Kontrolle.

00:32:07: Im Geschäftsjahr, im Jahr ist die Biergruppe erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro überschritten.

00:32:13: Ein Triumph gegen den allgemeinen Rückgang in der Branche.

00:32:17: Der Bierabsatz stieg um knapp fünf Prozent auf sechs Millionen Hektoliter.

00:32:22: Zugleich entwickeln sich die alkoholfreien Getränke, allen voran Spezi, zu einem zweiten Rückgrat der Gruppe.

00:32:29: Mit einem Absatz plus von rund twenty-fünf Prozent und einem Marktanteil von forty Prozent.

00:32:35: Gerade noch rechtzeitig.

00:32:37: Der Bierkonsum pro Kopf in Deutschland lag zwei tausend vierundzwanzig bei nur noch achtundachtzig Litern.

00:32:44: Ein historischer Tiefstand.

00:32:46: Und der Absturz setzt sich fort.

00:32:53: In ersten Halbjahr zweitausendfünfundzwanzig sank der Bierabsatz noch einmal um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.

00:33:00: Ein Einschnitt, der zeigt, Wie tiefgreifend der Wandel ist.

00:33:04: Bier verliert seinen Platz als Alltagsgetränk und rutscht zunehmend in die Randzone einer sich entalkolisierenden Gesellschaft.

00:33:12: Die Schörkubers reagieren mit einem Lizenz-Deal, ausgerechnet mit der Brauerei Riegele, die sie einst vor Gericht bekämpften.

00:33:21: Ab im Jahr ist Paulana Spezi europaweit exportiert.

00:33:26: Riegele verdient nun endlich mit.

00:33:28: Und die Marke Spezi bekommt endlich internationales Gewicht.

00:33:32: Auch andere Brauereien generieren inzwischen bis zu ein Drittel ihres Umsatzes mit alkoholfreien Bieren, Limonaden und Mischgetränken.

00:33:40: Neben Paulana, auch Deutschlands größte Brauerei Kromberer.

00:33:45: Der dortige Geschäftsführer könnte sich vorstellen, perspektivisch vollständig auf alkoholfreie Getränke umzusteigen.

00:33:52: Eine Option, die für die Shirk Hubers nicht in Frage kommt.

00:33:56: Noch nicht.

00:33:58: Denn so ambitioniert die neue Ausrichtung der Paulana-Gruppe auch ist, der innere Spagat bleibt Teil der eigenen DNA.

00:34:06: Zwischen Bodenständigkeit und Globalisierung, zwischen Hopfen und Cola, zwischen dem Mythos eines festen Kulturguts und dem Wandel einer Welt, die Durst auf Neues hat.

00:34:25: Das war die vierte und letzte Folge von Imperium, die Paulana-Story von Studio J. Wenn du mehr über Paulana erfahren möchtest, empfehlen wir dir die Spiegelartikel, warum die Deutschen die Lust auf Bier verlieren, von Simon Burg und Christina Gnirke sowie das größte Volksfest der Welt, wer mitkassiert und wer nicht, von Maria Marquardt und Timo Schober.

00:34:47: Außerdem den Weltartikel, der bizarre Erfolg des Spezies von Philipp Fetter.

00:34:53: Ein Hinweis zu den Dialogen, wie du gehört hast.

00:34:55: Wir wissen natürlich nicht genau, was gesprochen wurde.

00:34:58: Alle Dialoge basieren nach bestem Wissen auf unseren Recherchen.

00:35:03: In der nächsten Staffel Imperium erzählen wir die außergewöhnliche Geschichte des ersten deutschen Privatsenders, RTL.

00:35:09: Wie aus einem Garagenstudio ein Mediengigant erwächst.

00:35:12: Und wie Ideenreichtum, Mut und Geschäft sind.

00:35:15: Die biederen Grenzen der deutschen TV-Landschaft sprengen.

00:35:19: Folge Imperium, jetzt in deiner Podcast-App, um die neue Staffel nicht zu verpassen.

00:35:24: Hörer Imperium überall, wo es Podcast gibt.

00:35:28: Ich bin Marc-Ben Poch.

00:35:30: Und ich bin Aline Staskowiak.

00:35:33: Orlando Frick hat die Folge geschrieben.

00:35:36: Für Studio J. Producerin Helena Feldmayer.

00:35:40: Executive Producer Janis Gebhardt.

00:35:44: Das Sounddesign hat Bibi Vongeer gemacht.

00:35:47: Gemischt von Fabian Klinkel.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.