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Die Bayer Story | Die Carls und die Friedrichs | 1

Shownotes

Folge 1/4: Bayer beginnt als Hersteller von bunten Textilfarben im heutigen Wuppertal und entwächst schnell seinem ersten Standort. Nach dem Tod der Gründerväter erschließt Chemiker Carl Duisberg den Markt für Medikamente und Pflanzenschutzmittel. Die Aspirintablette sorgt für ungeahnte Umsätze und wird zum weltweiten Bayer-Symbol. Duisberg reagiert auf das schnelle Wachstum und lässt eine ganze Industriestadt aufbauen. Nach dem Ersten Weltkrieg brechen die wichtigen Exportmärkte weg. Duisberg steht vor einer schicksalhaften Entscheidung.

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Transkript anzeigen

00:00:01: Jörg.

00:00:26: und greift zu einer Aspirin-Tablette.

00:00:37: Ich brauche ein Glas Wasser, hätte nie gedacht das es soweit kommt!

00:00:46: Mir sagt man nach ich sei zu risikobereit für ein deutsches Unternehmen.

00:00:50: aber ihr!

00:00:51: Seid ja größenwahnsinnig!

00:00:53: Werner Wenning neunundsechzig Jahre lehnt sich nach vorne.

00:00:57: Er hat volles Haar und trägt eine raamenlose Brille.

00:01:00: Seine Stimme ist ruhig.

00:01:02: Mal rein Wir haben dich ins Unternehmen geholt weil du die internationalen Märkte kennst.

00:01:07: Davon wollen wir jetzt profitieren.

00:01:10: Jetzt erst!

00:01:11: Ich habe fünf Jahre in Folge Rekordergebnisse eingefahren.

00:01:15: Vier Komma Eins Milliarden Nettogwenn letztes Jahr, ich habe auch Firmen gekauft mit Bedacht aber Monsanto!

00:01:23: Chefstrategie.

00:01:24: Baumann, dreinfünfzig Jahre geht am Laptop durch seine Unterlagen.

00:01:28: Er ist schmächtig und trägt eine runde Brille.

00:01:31: Seine Zahlen hat er fest im Blick.

00:01:33: Du hast gut gewirtschaftet.

00:01:34: mal rein Und genau das ist der Grund dass wir jetzt Monsantokaufen können.

00:01:39: Decker steht auf.

00:01:40: Unruhig läuft er hin und her.

00:01:43: Für zweiundsechzig Milliarden US-Dollar?

00:01:46: Das sind fast sechsundfünfzig Milliarden Euro!

00:01:49: Dafür müssten wir gewaltige Schulden machen, was ist mit unserer Farmersparte?

00:01:54: Baumann runzelt die Stirn und wirft einen erneuten Blick auf den Bildschirm.

00:01:58: Unsere Farmersparte geht es finanziell hervorragend Und wie lange

00:02:02: noch?!

00:02:03: Die wichtigsten Patente laufen aus.

00:02:05: Wir brauchen neue Produkte und dafür müssen wir investieren Aber doch nicht in einem amerikanischen Agrarkonzern Der seit über vierzig Jahren dasselbe umstrittene Pflanzenschutzmittel verkauft.

00:02:17: Wenning sitzt sich auf und schaut deckersfest an!

00:02:21: Du sagst es doch selbst, nur mit anderen Worten.

00:02:24: Glyphosat ist ein Erfolgsprodukt auf der ganzen Welt.

00:02:28: GLYPHOSAT wurde bei der Weltgesundheitsorganisation letztes Jahr als krebserregend eingestuft.

00:02:34: Monsanto gilt in den USA als bad boy.

00:02:38: Wisst ihr was passiert wenn dort auch nur eine Person erfolgreich klagt?

00:02:43: Wenning lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

00:02:46: Um das zu verhindern, haben wir unsere Anwälte.

00:02:49: Wenn wir Monsanto nicht kaufen wird es jemand anderes tun Pfizer zum Beispiel.

00:02:55: Dann erreichen sie was wir wollen Eine marktbeherrschende Stellung bei Farmer und Pflanzenschutz.

00:03:02: Deckers schließt seine Augen Und massiert sich die Schlefen.

00:03:06: Wenning liegt nach Und außerdem hat Monsantu noch mehr zu bieten.

00:03:11: Sie haben von überall her Daten Die können wir verwenden, um unsere Produkte passgenau auf den Markt zu bringen.

00:03:18: Die digitale Landwirtschaft ist die

00:03:20: Zukunft.".

00:03:22: Deckers öffnet seine Augen wieder.

00:03:25: Ja und dann haben wir die nächste Debatte – Bayer-Die-Datenkrake!

00:03:29: Nein ich werde dieses Unternehmen diesem Risiko nicht aussetzen.

00:03:34: Noch haben wir eine Chance das Ganze abzublasen.

00:03:37: Deckers schaut erst zur Baumann herüber?

00:03:39: Dann zu Wenning?

00:03:40: Keine Reaktion….

00:03:42: Deckers ist überstimmt.

00:03:45: Gut, dann müsst ihr euch einen neuen Vorstandsvorsitzenden suchen.

00:03:50: Ich gehe!

00:03:54: Marein Deckers macht seine Ankündigung wahr und übergibt die Konzernleitung an Werner Baumann.

00:04:00: Der bietet noch im selben Jahr für eine Übernahme von Monsanto – nicht die geplanten zweiundsechzig sondern sechsundsechs Milliarden US-Dollar heute etwa siebundseipzig Milliarden Euro.

00:04:11: Am siebten Juni Zwei-Tausendachzehn ist die Übernahme vom Monsantto durch die Bayer AG abgeschlossen.

00:04:17: Es ist die größte Übernahme, die jemals ein deutsches Unternehmen gewagt hat.

00:05:10: Eine davon ist die Bayer Crop Science AG.

00:05:17: Das weltweit größte Unternehmen für Agrarchemie, es verkauft Saatgut- und Pflanzenschutzmittel gegen Unkraut und Insekten.

00:05:25: Die beiden anderen Divisionen stehen für Rezeptpflichtige und rezeptfreie Arzneimittel.

00:05:31: Ihr bekanntestes Produkt ist die Asperintablette, die seit rund hundertundzwanzig Jahren in fast unveränderter Form auf dem Markt ist.

00:05:38: Die heutige Struktur des Konzerns ist geprägt durch aggressives Wachstum sowie Zugkäufe von Unternehmen.

00:05:45: Und auch durch den Verkauf ganzer Sparten, die Bayer einst groß gemacht haben.

00:05:49: Denn die Geburtsstunde des Unternehmens liegt über hundertsechzig Jahre zurück!

00:05:54: Als Pionier der deutschen Chemiebranche erschafft sich Bayern mit Leverkusen eine ganze Stadt.

00:06:00: Der firbeneigene Sportverein bringt einen der erfolgreichsten Fußballclubs Europas hervor – aber die Erfolge haben auch Schattenseiten.

00:06:08: Giftige Abfallprodukte und unerwünschte Nebenwirkungen sorgen für Schlagzeilen und Auseinandersetzungen mit Umweltschutzorganisationen.

00:06:16: Doch die Geschichte von Bayer zeigt auch, dass schnelles Wachstum und Fusionen schon früh eine entscheidende Rolle gespielt haben.

00:06:24: Dabei beginnt alles ganz bescheiden – nicht mit Pflanzenschutzmitteln oder weißen Tabletten sondern mit bunten Farben.

00:06:32: Das ist Folge eins von vier Die Karls Und die Friedrichs.

00:06:50: In einer gemütlichen Gaststätte mit urigen Holzverkleidungen wartet ein allein sitzender Stammgast auf seine Bestellung.

00:06:57: Es ist der Kaufmann Friedrich Bayer, siebenunddreißig Jahre, hohe Stirn und Vollbart in einem schicken Anzug.

00:07:04: So Herr Bayer!

00:07:05: Einmal das Tagesgericht... ...und ein trockener Rotwein.

00:07:10: Vielen Dank!

00:07:12: Ein Mann betritt die Gaststädte.

00:07:14: Bayer schaut zu ihm auf.

00:07:16: Er kennt ihn gut.

00:07:17: Noch mal das gleiche bitte!

00:07:20: Und noch Platz?

00:07:22: Der Mann liegt beiher zu.

00:07:24: Es ist Johann Friedrich Weskott, ein leicht untersetzter Herr von vierzig Jahren mit rundlichem Gesicht und einem modischen von Ohr-zu-Ohr verlaufenden Kindbart.

00:07:34: Der andere Friedrich, da lass ich mich nicht zweimal bitten!

00:07:37: Ich habe schon für dich bestellt.

00:07:38: Geht auf mich.

00:07:40: So großzügig heute du willst doch über geschäftliche Dinge sprechen.

00:07:44: Schuldig im Sinne der Anklage... ...ich habe nachgedacht.

00:07:49: Du bist Baumwohlfärber und Chemiker.

00:07:51: Ich bin Kaufmann für Textilfarben.

00:07:53: Es gibt da diese neuen Teer-Farbstoffe in Frankreich und England, die Anilinfarben.

00:07:59: Das sind gute Farben!

00:08:00: Habe selbst einige Tests gemacht.

00:08:02: Leider müssen sie importiert werden.

00:08:04: Genau das ist unsere Chance.

00:08:06: Was isst?

00:08:08: Wenn wir diese Farben selbst produzieren... ich handle schon seit über fünfzehn Jahren mit Farben.

00:08:12: Ich habe Kontakte in ganz Europa und den USA.

00:08:15: Teerfarbstoffe werden der Durchbruch.

00:08:18: Nur versteht das hier noch niemand.

00:08:20: Einmal für den Herrn Veskot.

00:08:22: Wohlbekommt's?

00:08:23: Vielen Dank!

00:08:25: Hm, das riecht gut... Bayer ist voller Tatendrang.

00:08:28: Er kann die Antwort seines potenziellen Geschäftspartners kaum abwarten.

00:08:33: und was sagst du?

00:08:36: Lecker!

00:08:38: Also sind die Farben denn nicht patentiert?

00:08:40: Nicht hier in Preußen.

00:08:42: Es gibt ja gar keine landesweite Patentregelung.

00:08:45: Wir müssen nur bessere und schnellere Verfahren für die Herstellung entwickeln.

00:08:49: Da lohnt sich der Import nicht mehr, um wir profitieren.

00:08:52: Wescott lehnt sich nachdenklich zurück.

00:08:55: Dafür wären zunächst einmal aber eine Menge Versuche notwendig die Kostenzeit und Geld Und niemand garantiert dass wir auch wirklich bessere Verfahren finden.

00:09:04: Risiko gehört zum Geschäft.

00:09:06: Wir fangen das ganz klein an einfach bei uns in der Küche und dann gründen wir ein gemeinsames Unternehmen.

00:09:13: also Wenn du glaubst, dass du mich mit einem Abendessen bestechen kannst damit ich wochenlang den Herd mit dir Teile und Farben mische.

00:09:21: Bayer schaut enttäuscht rein und sinkt in sich zusammen.

00:09:24: Dann hast Du verdammt noch mal recht!

00:09:27: Lass es uns angehen.

00:09:28: Ich wusste ich kann auf dich zählen.

00:09:30: Stoßen wir alle auf unsere Partnerschaft.

00:09:36: Friedrich-Bayer wird... Die Familie Bayer ist dort seit Generationen in der Textilindustrie tätig.

00:09:50: Seine Lehre absolviert Bayr in einer Chemikalienhandlung.

00:09:53: Bereits mit zwanzig Jahren macht er sich als Händler für Textilfarben selbstständig.

00:09:58: Er ist so ehrgeizig, dass er sogar seinen Namen ändern lässt... ...als sich in der Gegend ein Betrüger gleichen Namen zerrumtreibt!

00:10:06: Aus Bayr mit E wird Bayr Mit A. Der Händler mit neuer Schreibweise ist schon bald ein angesehener Kaufmann.

00:10:15: Sein Geschäftspartner Johann Friedrich Wesskott wird in den letzten Jahren geboren.

00:10:21: Er ist das dritte Kind unter dreizehn Geschwistern und kann ebenfalls auf eine lange Familientradition in der Textilverarbeitung zurückblicken.

00:10:29: Seinen Großvater hat er eine Bleiche im Barmen, sein Vater ist ebenfalls färber.

00:10:35: Weskott tritt in dessen Fußstapfen und beliefert mit seiner Baumwollstrang-Färberei exklusive Großkunden.

00:10:47: Die Versuche der beiden Männer, mit den neuen Anilinfarben aus Steinkolentheer führen zum Erfolg.

00:10:54: Nach einigen Monaten Arbeit entdecken sie ein verbessertes Verfahren zur Herstellung des sogenannten Fuxinrotzs – ein bläuliches Rot das seinen Namen von den Blütenblättern der Fuxier hat!

00:11:06: Heute kennen wir den Farbton unter dem Namen Magenta.

00:11:09: Um diese und andere Farben selbst herstellen und vertreiben zu können, beginnen Bayer & Vestkot noch in der eigenen Fabrikation.

00:11:18: Im folgenden Jahr gründen sie eine offene Handelsgesellschaft unter dem Namen Friedrich-Bayer E'Compagnon.

00:11:25: Noch im ersten Jahr steigt die Zahl der Mitarbeiter von einem auf zwölf an.

00:11:30: Die Fuxinproduktion steigt bis in den letzten Jahren von rund elf Kilogramm täglich auf das Vierfache.

00:11:37: Friedrich Bayer hat als Kaufmann gute Kontakte.

00:11:40: Er denkt früh international und investiert im selben Jahr in eine Farbenfabrik, in den USA.

00:11:46: Doch das Herz des Unternehmens liegt in Barmen – vorerst!

00:11:57: Barmen früher, aus dem Jahr von der letzten Zeit.

00:12:01: Friedrich bayern überquert das äußere Gelände seiner Farben-Fabrik.

00:12:05: Er trägt eine kleine Tasche in der Hand, die er eng an seinen Körper drückt.

00:12:10: Ein Arbeiter bemerkt seinem Chef.

00:12:12: Guten Tag Herr Bayer.

00:12:14: Ist heute schon wieder Lohntag?

00:12:16: Natürlich, der gut arbeitet soll pünktlich seinen Lohn erhalten.

00:12:20: Und gleich gibt es was zu essen!

00:12:23: Wunderbar, mir knurrt schon der Magen... Was war

00:12:28: das?!

00:12:30: Bayer läuft mit einigen Arbeitern um die Ecke des Hauses.

00:12:33: Dort erblicken sie die Quelle des Lärms, gleich neben einem großen gedeckten Tisch An einem Karren ist die Achse gebrochen.

00:12:41: Ein Teil der Ladung hat sich über den Boden verteilt.

00:12:44: mitten bei den Aufräumarbeiten hilft Sein Geschäftspartner Friedrich Wescott.

00:12:50: So, Leute!

00:12:51: Zack, zack!

00:12:52: Die schneller wir sind, desto früher können wir

00:12:54: essen.".

00:12:55: Sie sind gar nicht sauer und helfen auch noch mit?

00:12:59: Sauer?!

00:13:00: Wo gehobelt wird der feinen Späne?

00:13:02: Außerdem hab ich Hunger!

00:13:03: Na bitte schon geschafft!

00:13:08: Bayer, Wescott und die Arbeiter setzen sich an den gedeckten Tisch wo Bayers Frau Juliana gerade dampfende Pfannkuchen aufträgt.

00:13:16: Lang zu lasst es euch schmecken.

00:13:19: Ich muss sagen, Frau Bayer.

00:13:21: Ihre Pfannkuchen sind die allerbesten!

00:13:24: Sie können es ruhig zugeben auf Dauer immer.

00:13:27: Pfannkochen wird schnell eintönig.

00:13:29: Wir brauchen eben das Eiweiß für die Farben und das Eigelb bleibt übrig.

00:13:34: eine ganze Menge davon eigentlich.

00:13:37: Friedrich bayer hört dem Arbeiter aufmerksam zu.

00:13:41: eigentlich was?

00:13:42: naja ich habe ein Cousin der arbeitet in einer Konditorei.

00:13:47: Die haben bestimmt Verwendung dafür.

00:13:50: Bayer schaut erst seinem Arbeiter in die Augen, dann seinem Partner Veskot.

00:13:55: Ein stummes Nicken?

00:13:57: Dann springt Bayer auf!

00:14:00: Meine Herren ... Solche Ideen wollen wir hier hören.

00:14:05: Wenn wir unser Eigelb verkaufen können, leg ich die Summe am nächsten Zahltag oben drauf.

00:14:12: Aber den Lohn für heute bekommen sie trotzdem noch oder?

00:14:16: Bayer öffnet seine mitgebrachte Tasche.

00:14:19: Es ist die Lohntüte.

00:14:20: Selbstverständlich so.

00:14:22: Das ist für Sie.

00:14:23: Gute Arbeit!

00:14:25: Das ist for Sie, das is'for

00:14:27: sie!".

00:14:31: Die Anfänge der Farbenherstellung bei Bayer in Barmen sind geprägt von einer kleinen aber eingeschworenen Gemeinschaft.

00:14:39: Bayers Ehefrau Juliane arbeitet im Büro und kompletiert das Bild des bescheidenen, aber stetig wachsenden Familienunternehmens.

00:14:48: Gutes Stimmung ist auch nötig – denn die Herstellungsverfahren der Farbe sind schweißtreibend.

00:14:54: Die Arbeiter müssen die Farbgemische in Schmelzkesseln ansetzen und mit einer Eisenstange rühren.

00:14:59: Die Masse wird bis auf Hundertfünfzig Grad erhitzt, schließlich filtriert und abgegossen – so entsteht eine sogenannte Schmelze!

00:15:08: Bei der Herstellung eines besonders klaren Blautons werden dem Gemisch Eiweiße hinzugefügt.

00:15:14: Die übrig gebliebenen Eidotter werden schließlich an eine örtliche Konditorei verkauft.

00:15:20: Es ist einer der ersten Fälle in denen Nebenprodukte der industriellen Farbherstellung eine völlig andere Verwendung finden.

00:15:28: Erst später stellt sich heraus, dass das Eiweiß zur Herstellung der Farbe gar nicht benötigt wird.

00:15:34: Für die Produktion des wichtigen Fuxinrotz braucht man allerdings einen anderen weit aus gefährlicheren Stoff.

00:15:46: Kaufmann Friedrich Bayer und Ferber Friedrich Weskott haben Erfolg!

00:15:51: Ihre Farben sind gefragt.

00:15:53: um die Nachfrage zu befriedigen läuft die Fabrik schon bald am Rande ihrer Kapazität.

00:15:58: Sie wird zu klein, doch der Platzmangel geht für die Pioniere der Farbenherstellung mit einem ganz anderen Problem einher.

00:16:06: Dieses wird den Bayer-Konzern bis in die Gegenwart begleiten.

00:16:10: Denn viele Stoffe in der Chemieindustrie sind vor allem eins – giftig!

00:16:33: Warmen im Sommer, eighteenhundertsechzig.

00:16:36: In einem großen aber kargen Gebäude aus Roten Backsteinen hat Friedrich Bayer sein zweckmäßiges Büro.

00:16:44: Hier schreibt der Unternehmer Briefe an seine zahlreiche Kundschaft im In- und Ausland, dann horcht er auf!

00:16:55: Das ist das Feinlärm?

00:16:57: Bayer erhebt sich von seinem Platz und läuft durch den Flur zur Haustür.

00:17:01: Als er sie öffnet sieht er sich einen Pulk von aufgebrachten Menschen gegenüber die in Fabriknähe wohnen.

00:17:07: Sie werden von seiner Frau Juliane und seinem Geschäftspartner Veskot beschwichtigt Ganz langsam, einer nach dem anderen.

00:17:16: Ah Friedrich da bist du ja!

00:17:19: Wenn die Damen und Herren mir verraten mögen was hier los ist... Ihre Fabrik hat unseren Brunnen versäucht.

00:17:26: das es los mit Arseneck.

00:17:28: Das kommt doch aus ihrer Fabrik Herr Bayer!

00:17:31: Friedrich Bayer wendet sich an Veskot der für die Herstellungsprozesse verantwortlich isst.

00:17:36: Er zieht ihn zur Seite.

00:17:38: Stimmt dass?

00:17:39: Könnte das aus unserer Fabrik sein?

00:17:41: Ja leider Du weißt doch, dass letztens die Auffangen bei Helter für das ASNIC durchgerostet sind.

00:17:47: Oh nein... Das hab ich total vergessen!

00:17:50: Ich war auf Reisen.

00:17:52: Es ist so viel zu tun, so viel Kundschaft Herr Bayer!

00:17:55: Haben Sie uns gehört?

00:17:57: Wir verlangen eine Entschädigung Eine

00:17:59: Entschädigung?!

00:18:01: Schauen sie sich doch mal an!

00:18:02: Sie tragen doch selbst unsere Farben Steht Ihnen übrigens ganz hervorragend!

00:18:07: Bayer schließt kurz die Augen und atmet durch.

00:18:10: Dann wendet er sich an die Menge und legt Daumen-und Zeigefinger an den Mund.

00:18:17: Meine Damen und Herren, Sie sollen Ihre Entschädigung bekommen!

00:18:22: Wir werden das Wasser selbst untersuchen.

00:18:25: Geben sie uns eine Woche Zeit?

00:18:28: Dann reden wir – wenn sie mich nun entschuldigen

00:18:31: würden!".

00:18:35: Bayer wendet sich wieder zur Tür.

00:18:37: Was hast du vor

00:18:38: Friedrich?!

00:18:39: Wir meine Liebe, wir brauchen einen neuen Standort.

00:18:47: Für die Herstellung des erfolgreichen Fuxinrots wird zunächst Asensäure benötigt.

00:18:53: Im Herstellungsprozess bleibt hochgiftiges Arsenik übrig, es ist das Gift, dass man heute v.a.

00:18:59: aus Kriminalfilmen kennt als Mordwerkzeug.

00:19:03: Bayer und Veskorz zahlen den Anwohnern Entschädigungen für das verseuchte Grundwasser noch.

00:19:09: Noch abtzehnhundertsechzig wird ein Grundstück im benachbarten Elberfeld erworben.

00:19:13: Ein Jahr später entsteht dort eine neue Farbenfabrik.

00:19:17: Die Arbeiterschaft bei Bayer erhöht sich auf Fünfzig.

00:19:19: Achtzehnhundertundsiebzig wird Preußen Teil des vereinten Deutschen Reiches.

00:19:25: Es ergeben sich neue Märkte für ansässige Unternehmen.

00:19:28: Doch die Firmengründer Friedrich Weskott und Friedrich Bayer erleben den neuen Staat nur kurz.

00:19:35: Sie versterben bereits achtzehnthundertsechsundsechzig und achtenhundertachtzig mit jeweils fünfundfünfzig Jahren Ihre Hinterbliebenen sowie wichtige Führungskräfte des Unternehmens sind an vielen Stellen verwandschaftlich verbunden.

00:19:48: Gemeinsam gründen sie am ersten Juli, eine Aktiengesellschaft.

00:19:53: Das Startkapital?

00:19:55: Fünf Komma vier Millionen Mark!

00:19:57: Das wären heute etwa siebenundvierzig Millionen Euro.

00:20:01: Bayer hat zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als dreihundert Mitarbeitende.

00:20:10: Sommer-Achzehnhundertsechsundachzig in Elberfeld.

00:20:14: Seit acht Jahren sind die neuen Fabriken an der Wuppah Hauptsitz von Bayern.

00:20:18: Der twenty-fünfjährige Chemiker Karl Duisberg mit dünnem Schnauzbord ist erst wenige Jahre im Unternehmen.

00:20:25: Trotzdem ist er bei Bayer bereits Leiter einer Fabrik, die von ihm erfundene Farbstoffe herstellt.

00:20:31: Er führt seinen kaum älteren Kollegen Dr.

00:20:34: Oskar Hinsberg über das Fabriegelände.

00:20:37: Und Herr Dr.

00:20:37: Hinsberg?

00:20:38: Wie gefällt Ihnen unsere Fabrik?

00:20:40: Ich bin beeindruckt, Herr Duisburg Sie ist auf dem modernsten Stand.

00:20:44: sie scheinen hier alles im Griff zu haben.

00:20:46: Dr.

00:20:46: Oskar Hinsberg trägt Anzug und einen stattlichen Vollbart.

00:20:51: Er ist Chemiker, der für Bayer an der Universität Freiburg forscht.

00:20:54: Nun soll er das Werk kennenlernen.

00:20:57: Zwischen den verstreuten Gebäuden lagern auf dem Gelände vor allem Unmengen von Holzfässern.

00:21:03: Hinsberg bemerkt Duisbergs besorgten Blick.

00:21:07: Naja... alles habe ich nicht im Griff.

00:21:10: Schauen Sie sich mal die ganzen Fässer an.

00:21:12: Was is mit denen?

00:21:14: Nichts!

00:21:14: Das ißt es ja eben.

00:21:16: Sie liegen hier herum.

00:21:17: Dreißigtausend Kilogramm Paranidrophinol, so viel!

00:21:22: Das bleibt bei der Herstellung ihrer blauen Benzofarbe übrig oder?

00:21:26: Korrekt!

00:21:27: Natürlich die blaue Farbe wird sich prächtig verkaufen genau wie die rote aber das Zeug in den Fässern bleibt übrig.

00:21:34: wenn ich nur wüsste was man damit... Friedrich!

00:21:36: Beifuß!

00:21:38: Na wer bist du denn?

00:21:40: Du bist ein guter Junge.

00:21:42: Wer ist ein gutter

00:21:43: Junge?!

00:21:45: Hallo Herr Duisberg, entschuldigen Sie.

00:21:48: Wenn er doch nur hören würde... Gar kein Problem!

00:21:52: Sie wollen sicher Ihren Garten abholen?

00:21:54: Grüßen sie Ihnen von mir!

00:21:55: Mach ich!

00:21:56: Komm Friedrich!

00:21:59: Duisburg muss schmunzeln.

00:22:00: und dann was nur wenige wissen, seine erste Vorname lautet ebenfalls Friedrich.

00:22:06: Doch dann wird er nachdenklich.

00:22:08: Er greift sich ans Kinn und wendet sich an Oskar Hinsberg.

00:22:12: Sie wissen doch, dass ich vor zwei Jahren in Straßburg geforscht habe im Auftrag der Firma.

00:22:16: Ich habe da eine interessante Geschichte gehört.

00:22:19: Jetzt bin ich aber gespannt!

00:22:21: Zwei Ärzte wollten einem kranken Hund helfen – die Hundesäuche.

00:22:25: Sie haben jemanden zur Apotheke geschickt um Naphtalinpulver zu kaufen und das hat ihm sofort geholfen.

00:22:30: Fast zugut.

00:22:31: Denn das Mittel war gar kein Naphtalin.

00:22:35: Nein?

00:22:36: Was denn

00:22:36: dann?!

00:22:37: Acetanilit Also acetyliertes Anilin.

00:22:41: Der Apotheker hat ins falsche Gefäß gegriffen.

00:22:44: Unsere Konkurrenz von Carlo und Co bringt diesen Stoff bald als Medikament heraus.

00:22:49: In diesen Fässern hier ist zwar kein Anilin, aber... Hinsbergs Gesicht erhält sich!

00:22:56: Das ist schlau.

00:22:57: Sie nutzen einen Rohstoff aus der Farbenherstellung.

00:23:00: Aus dem Zeug in diesem Fässer könnte man etwas ganz Ähnliches machen Vielleicht ein neues Medikament Ein besseres ...Medikament Ein Medikament von Bayer.

00:23:14: Warum eigentlich nicht?

00:23:17: Kalle und Co ist ein Konkurrenzunternehmen aus Biberich am Rhein, das ebenfalls Farben herstellt.

00:23:24: Dort wird der Rohstoff aus der Straßburger Apotheke durch Acetylierung des Farben-Rohstoffs an Elin gewonnen.

00:23:31: Dadurch entsteht das Fiebersenkende Schmerzmittel Antifibrin.

00:23:36: Es kommt in den Markt.

00:23:40: Dr.

00:23:40: Oskar Hinsberg entdeckt durch Arzithilierung einen Stoff, der sogar noch besser wirkt als das Antifibrin der Konkurrenz.

00:23:47: Dafür nutzt er den Rohstoff Paranidrophenol, der vorher unbeachtet in den Fässern vor Duisbergs Farbenfabrik liegt.

00:23:56: Bayers erstes Arzneimittel entsteht und erscheint... ...Achzehnhundertachtundachzig auf dem Markt!

00:24:02: Es trägt den Namen Phenazethin und wirkt gegen Schmerzen und Fieber.

00:24:08: Eine dreijährige Grippewelle in den USA führt zu reißendem Absatz des neuen Medikaments.

00:24:21: Duisberg lernt etwas ganz Entscheidendes, es ist möglich aus Nebenprodukten der Farbenherstellung Medikamente herzustellen und diese können problemlos international vertrieben werden.

00:24:34: ein völlig neues Geschäftsfeld das ab Aspirin, ein Medikament das ebenfalls auf dem chemischen Prinzip der Acetylierung beruht.

00:24:51: Der so gewonnene Wirkstoff, Acetylsalicylsäure hilft zuverlässig gegen Fieber, Schmerzen und wirkt Entzündungshänden.

00:25:00: Aspirín feiert seinen Erfolg aber vor allem wegen seiner praktischen Darreichungsform als Tablette und den kaum vorhandenen Nebenwirkungen.

00:25:08: Deshalb kann es sich auch bis in die Gegenwart am Markt halten Für das Unternehmen nicht nur ein Dauerbrenner, sondern ein Aushängeschild.

00:25:17: Bayer's zeitgleich entwickeltes Medikament Heroin wird gegen Husten und Schmerzen eingesetzt und weltweit ohne Rezept vertrieben.

00:25:26: Erst Jahrzehnte später wird sein hohes Suchtpotenzial erkannt und zum Verbot von Heroin führen.

00:25:32: Die chemischen Laborin Elberfeld werden zum Mittelpunkt der Pharmaforschung bei Bayern.

00:25:37: Doch die Farbenfabriken sind auch ihrem zweiten Standort entwachsen.

00:25:42: soll am Rhein liegen.

00:25:49: Wiesdorf, ein weitläufiges Fabrikgelände am Rhein mit Gebäuden aus Backstein.

00:25:58: Karl Duisberg lässt sich über das Gelände führen.

00:26:01: Er ist Leiter der wissenschaftlichen Versuche bei Bayer und Prokorist.

00:26:06: Er hat eine Vollmacht seinen Arbeitgeber in geschäftlichen Angelegenheiten zu vertreten.

00:26:12: Sein Gastgeber ist ebenfalls Prokorst.

00:26:14: Er vertritt die Vereinigten Ultramarinenwerke ehemals Leverkus-Zeltner und Konsorten.

00:26:21: Hier sehen Sie das Herzstück, unser Fabrikationsgebäude für das Alizarinrot.

00:26:26: Mit Rot hat bei Ihnen ja auch alles begonnen – das berühmte Foxien!

00:26:30: Das war noch vor meiner Zeit aber es stimmt.

00:26:33: Leider werden in Barmen und Elberfeld unsere Fabriken zu klein….

00:26:37: der Preis des Erfolgs.

00:26:39: Ich verstehe... Auch die Söhne von Kalevacusstreben Veränderungen anseit.

00:26:43: ihr Vater verstorben ist.

00:26:45: Deshalb können wir diesen Teil unserer Fabrik auch an sie verkaufen, falls Sie interessiert sind.

00:26:52: Es ist recht vielversprechend.

00:26:53: Anbindung an die Schiene und natürlich an den Rhein?

00:26:57: Sagen Sie hier wohnen doch Arbeiter!

00:26:59: Wie ist das Trinkwasser aus dem Brunnen?

00:27:02: Der Prokorist schaut sich um.

00:27:04: Schließlich wendet er sich an einen der wenigen Arbeiter, die anwesend sind.

00:27:08: Hey Kollege, komm mal her Du wohnst doch hier in Leverkusen.

00:27:14: Wie ist bei euch das Brunenwasser?

00:27:16: Der hat Duisberg von den Elberfelder-Farbenfabriken fragt.

00:27:20: Das Brunnenwasser?

00:27:22: Kann ich klagen!

00:27:23: Unser Abwasser geht sowieso in den Rhein, der ist groß genug.

00:27:27: Duisburg sieht erfreut aus – das höre ich gerne.

00:27:31: Aber sagen Sie wie haben sie Ihre Siedlung eben genannt?

00:27:35: Leverkusen?

00:27:37: Der Prokorist lächelt.

00:27:39: Ganz genau, Levercusen so hieß schon der Familiensitz.

00:27:44: Die Siedlung hier, Fabrik und Arbeiterquartiere.

00:27:47: Das hat der Senior auch immer Leverkusen genannt.

00:27:51: Duesberg kommt ins Grübeln und fasst sich wieder einmal ans Kinn.

00:27:55: Wohnen und arbeiten in einer Siedelung – Leverkusen!

00:28:01: Ich glaube ... wir kommen ins Geschäft.

00:28:07: Die Gegend um das beschauliche Wiesdorf wird von den Bayer-Angestellten zunächst spöttisch das End der Welt genannt als immer mehr Fabriken Bajas dort hin verlagert werden.

00:28:18: Doch die Lager am Rhein ist ideal.

00:28:20: Für Transportschiffe und für Abwässer!

00:28:27: In der er den systematischen Ausbau des neuen Standorts skizziert, verfasst Duisberg eine Denkschrift.

00:28:32: Denn er hat eine Vision – und die setzt er um Schritt für Schritt.

00:28:36: Das Gelände am Rhein wird in den Folgejahren nicht nur zur Heimat der wichtigsten Fabriken.

00:28:43: Duisberg denkt auch an großzügige Wohnhäuser und an Einkaufszentren, Kunst- und Kulturhalteneinzug.

00:28:51: Der Begriff Bayer-Familie bekommt eine völlig neue Bedeutung!

00:28:55: Es entwickelt sich ein Zusammenhalt der Menschen weit über den Arbeitsplatz hinaus.

00:28:59: Schon in den letzten Jahren kommt es zur Gründung eines eigenen Sportvereins.

00:29:04: Die daraus entstandene Fußballabteilung ist heute europaweit bekannt.

00:29:21: indem ein neues Logo eingeführt wird, das berühmte Bayerkreuz.

00:29:26: Es wird auf die Aspirintablette geprägt.

00:29:28: Damit setzt es sich als weltweites Markenzeichen durch – besonders in den USA!

00:29:34: Dort hat Bayer ein Jahr zuvor die Farbenfabriken in Albany übernommen und in die Firmengründer Friedrich-Bayern bereits in den letzten Jahren investiert hatte.

00:29:43: In den ersten Jahren wurde Karl Duisberg Generaldirektor und die von ihm geplante Siedlung zum Firmensitz Bayerns aus dem eine ganze Stadt erwächst.

00:29:53: Diese wird durch die Zusammenlegung mehrerer Gemeinden offiziell gegründet und erhält den Namen Leverkusen.

00:30:02: Im Jahr hier ist Bayer das drittgrößte Chemieunternehmen in Deutschland, nach der Deutschen Solvay in Hannover und BASF in Ludwigshafen am Rhein.

00:30:13: Bayer beschäftigt Zehntausend Sechshundert Mitarbeitende – siebentausendneinhundert von ihnen in Levercusen.

00:30:19: Der Reingewinn in diesem Jahr beträgt, er sechzehn Komma acht Millionen Mark.

00:30:23: Heute etwa hundertzehn Millionen Euro!

00:30:31: Die Einführung von Aspirin, achtenhundertneunundneunzig leitet goldene Jahre für das Unternehmen ein.

00:30:37: Bis neunzehnhunderteizien verfierfacht sich der Bilanzgewinn.

00:30:41: Generaldirektor Karl Duisberg schafft Bayer mit Leverkusen einen einzigartigen neuen Standort.

00:30:48: Es scheint als könnte nichts die deutsche Chemieindustrie stoppen Die fast neunzig Prozent der weltweit verwendeten Textilfarben produziert.

00:30:56: Doch die flogierenden Exporte lenken davon ab, wie sehr sich die politischen Spannungen in Europa zuspitzen.

00:31:03: Karl-Düsberg ahnt nicht, dass der Sommer-Ninzehundert vierzehn die deutsche Industrie von Grund auf verändern wird und Bayer befindet sich mitten im Auge des Sturms – Juni-Neunzehundvierzien in Leverkusen.

00:31:35: Karl Düsberg sitzt im neuen Bayer Hauptgebäude.

00:31:38: Er ist inzwischen Generaldirektor und hat ein prunkvoll ausgestattetes Büro aus Edlemholz & Marmor.

00:31:45: Ihm gegenüber sitzt Rudolf Mann, der einzige Kaufmann im Vorstand.

00:31:50: Beide Männer sind dreinfünfzig Jahre alt Sie tragen teure Anzüge und voluminöse Schnauzbärte.

00:31:57: Fertig!

00:31:58: Herr Mann die neuesten Zahlen sind hervorragend.

00:32:01: Stimmt seit Aspirin auf dem Markt erst geht das Steilberg auf Und da kommt noch mehr.

00:32:06: Wir haben schon über acht tausend Patente.

00:32:09: Zum Glück haben wir unsere Patentabteilung.

00:32:12: Ich kann mich ja nicht um alles selbst kümmern, aber das hier ... Das ist es was unterm Strich steht.

00:32:19: Erfolg!

00:32:20: Und den werde ich jetzt in der Schweiz genießen im wohlverdienten Urlaub.

00:32:26: Herr Rhein?

00:32:29: Herr Duisberg, ich habe hier eine etwas ungewöhnliche Lieferung für Sie von einem Doktor Lepetit aus Mailand.

00:32:37: Duisbergs Blick fällt auf das, was seine Sekretärin in den Händen trägt Eine volle Glasflasche und einen Briefumschlag.

00:32:45: Dr.

00:32:45: Lypetit, bitte!

00:32:50: Ach ja, Lypetite, den habe ich... ...Achzehnhundertseixundneinzig in New York getroffen.

00:32:55: Das ist Champagner.

00:32:57: Wie viel hat er geliefert?

00:32:58: Zweizwanzig Flaschen.

00:32:59: Ganz richtig Sie stehen nebenan.

00:33:03: Rudolf Mann schaut seinen Chef Neugierig an Der den Umschlag mit einem Brieföffner bearbeitet.

00:33:09: Lieber Dr.

00:33:09: Duisberg hiermit.

00:33:15: Dr.

00:33:15: Lüpezit hat mit mir gewettet, dass es in den nächsten zwanzig Jahren Krieg zwischen Deutschland und Großbritannien geben werde, weil wir wirtschaftlich zu mächtig werden!

00:33:23: Ich habe dagegen gewettelt... Aber die Zwanzig Jahre sind ja noch gar nicht vorüber!

00:33:27: Und trotzdem kommt der Champagner gerade recht!

00:33:30: Meine teuerste Reichen Sie uns doch bitte mal zwei ... nein!

00:33:33: Drei Gläser aus der Vitrine Mit Vergnügen.

00:33:39: So, jetzt kann's in den Urlaub gehen.

00:33:47: Dr.

00:33:47: Lüpetit hat seine Wetschschuld zu früh eingelöst, noch im selben Monat am achtundzwanzigsten Juni wird der österreichische Thronfolger in Sarajevo erschossen.

00:33:58: Der erste Weltkrieg bricht aus.

00:34:00: Er trifft die nicht vorbereiteten Chemieindustrie in Deutschland mit voller Härte Denn diese hat bis dahin etwa eighty-fünf Prozent ihrer Produktion ins Ausland verkauft.

00:34:11: Durch den Krieg kommt die Farbstoffproduktion fast zum erliegen.

00:34:15: Medikamente Munition und Ausrüstung für die Deutsche Armesen gefragt.

00:34:20: Ende Jahrzehnte beginnt Bayer in der Nähe von Köln mit der Produktion von TNT.

00:34:26: Mit zwei Hundert bis dreihundert Tonnen im Monat wird Bayer zum größten deutschen Sprengstoffproduzenten.

00:34:33: Kritiker werfen Bayer vorsicht in dieser Zeit auch an der Produkion von chemischen Kampfstoffen wie den tödlichen Chlorgas- und Senfgas beteiligt zu haben.

00:34:42: Das Unternehmen soll zudem von der Deportation zehntausender belgischer Zwangsarbeiter zur Arbeit in die deutschen Fabriken profitiert haben.

00:34:58: Doch abseits vom Kampf und Sprengstoffen werden bei Bayer auch andere Produkte entwickelt.

00:35:03: Unter dem Namen USPOLUN bringt das Unternehmen, Ninzehundertfünfzehn, sein erstes Schutzmittel für langwirtschaftliches Saatgut auf den Markt.

00:35:11: Dieses Produkt bedeutet bei Bayern den Durchbruch die mit einem Insektenvernichtungsmittel begonnen hat.

00:35:21: Uspouloun sichert Deutschland wichtige Ernten in Kriegszeiten, aber Deutschland verliert den Krieg.

00:35:27: Im Dezember, im September, wird das Bayer-Werk in Leverkusen von britischen Truppen besetzt.

00:35:33: Die Nachkriegsjahre sind geprägt durch den Vertrag von Versailles, der Deutschland zu hohen Reparationszahlungen verpflichtet.

00:35:41: Die deutsche Währung verliert Rasant an Wert.

00:35:43: Es ist die Zeit der Hyperinflation und politischer Unruhen.

00:35:47: Die deutsche Industrie muss sich etwas einfallen lassen, um wieder konkurrenzfähig zu sein... ...und dann lädt Karl Duisberg zu einem legendären Treffen!

00:36:09: Die haben es sich auf Bänken und Stühlen gemütlich gemacht, inmitten von Bildern und Plastiken die Duisberg leidenschaftlich sammelt.

00:36:28: Meine Herren!

00:36:49: Unsere Bilanzsumme von letztem Jahr.

00:36:54: Und ihre wird ähnlich ausfallen!

00:36:57: Zum Glück ist die verrückte Inflation vorbei, Die Einführung der Rentenmark hat unsere Währung stabilisiert aber unser Besitz im Ausland wurde zum Großteil enteignet.

00:37:09: in den USA haben wir nicht einmal mehr das Recht am Namen Bayer.

00:37:13: Wir müssen wieder mehr exportieren.

00:37:16: schon vor acht Jahren Haben wir unsere Interessengemeinschaft Farben gegründet, um besser zusammenzuarbeiten.

00:37:25: Stattdessen machen wir uns weiter Konkurrenz!

00:37:30: Der wichtigste Gast thront mit seinem schwarzen Anzug in einem gemütlichen Ledersessel und hält ein Glas Whiskey in seiner Hand.

00:37:38: Es ist Karl Bosch, Vorstandsvorsitzender der BASF.

00:37:43: Damit ist er Chef von Deutschlands inzwischen größtem Chemiekonzern.

00:37:48: Bosch wendet sich an Duisberg.

00:37:51: Ich stimme Ihnen ja grundsätzlich zu!

00:37:54: Wir machen alle das gleiche, wir brauchen so viel Personal und drücken uns gegenseitig die Preise.

00:38:00: aber ich verstehe nicht warum Sie es plötzlich ablehnen direkt miteinander zu fusionieren.

00:38:06: Ganz einfach Damit können wir unsere Unabhängigkeit bewahren und viel flexibler Wirtschaften.

00:38:13: Deshalb bleibt mein Favorit die Holding.

00:38:16: Alle Wirtschaften unter einem Dach Aber mit den bewährten Strukturen.

00:38:21: Bosch lehnt sich nach vorne und wer garantiert uns das nicht irgendwann jemand ausschert?

00:38:29: Sie sagen selbst, dass unser größtes Problem das gegenseitige Bekenntnis ist Das Commitment wie die Amerikaner sagen.

00:38:39: Ja, das stimmt aber ich finde nach wie vor der Duisberg.

00:38:42: es ist doch schon längst beschlossen Wir fusionieren.

00:38:47: Es stellt sich nur eine Frage Ist Bayer dabei?

00:38:51: Duisberg bebt innerlich.

00:38:54: Er ist es nicht gewohnt unterbrochen zu werden.

00:38:57: Langsam lässt er seinen Blick durch die Reihen der Männer schweifen, dann säufzt er Na schön!

00:39:05: Im Interesse der deutschen Industrie.

00:39:08: Sie sollen ihre Fusion bekommen.

00:39:14: Obwohl Karl Duisburg schon in den Jahren zuvor selbst immer wieder eine Fusion mit den anderen großen Chemiefabrikanten angeregt hat Würde er jetzt die modernere und flexiblere Holding bevorzugen?

00:39:27: Doch Karl Bosch und die BASF sind der größere Fisch im Teich.

00:39:32: Die Debatte der Großindustriellen wird als Rat der Götter in die Geschichte eingehen.

00:39:37: Bisher hatte Duisberg den Vorsitz der vorher noch losen Interessengemeinschaft, die soll nun ein einzelnes Unternehmen werden mit Karl Bosche an der Spitze.

00:39:51: Sechs Einzelunternehmen schließen sich formal zusammen.

00:39:55: aus Ludwigshafen am Rhein, Bayer aus Leverkusen, Akfa aus Berlin, Höst aus Frankfurt am Main die chemische Fabrik aus Griesheim sowie die chemischen Fabrik Aus Irrdingen.

00:40:09: Die Unternehmen Cacella aus Frankfurt Am Main sowie Kalle und Co.

00:40:12: aus Biberich sind bereits so stark mit Höst- und anderen Firmen verbunden dass sie ebenfalls Teil des neuen Unternehmens werden.

00:40:20: Aus der Interessengemeinschaft entsteht die IG Farbenindustrie AG kurz IG-Farben.

00:40:27: Die sixhundert und vierzig, sechs Millionen Reichsmark Stammkapital wären heute um die dreißig Milliarden Euro.

00:40:35: Ein Gigant ist geschaffen, der nicht nur zu Deutschlands wichtigstem Unternehmen wird – es ist der größte Wirtschaftskonzern Europas und das größte Chemieunternehmen der Welt!

00:40:46: Die Firma Bayer als solche existiert nicht mehr.

00:40:56: Das ehemalige Familienunternehmen Bayer hat mit Farben begonnen und sich als Aktiengesellschaft eine ganze Stadt geschaffen.

00:41:04: Die Bayer-Familie ist dort neu definiert worden, ihre große Stärke der Zusammenhalt.

00:41:10: Nach dem Ersten Weltkrieg wird Bayer Teil der IG Farben – ein Gigant, der nicht zu stoppen scheint!

00:41:17: Der Drang zum Wachstum bleibt Bayern und der IG farbenansporn und Achillesfersen zugleich.

00:41:24: In Deutschland erhebt sich eine neue Macht die nicht nur den Konzern sondern ganz Europa beherrschen will.

00:41:32: Ein neuer Weltkrieg bricht aus und schon bald wird die IG-Farben sinnbildlich für die dunkelste Stunde der deutschen Industriegeschichte stehen.

00:41:47: Das war Folge eins von vier, von Imperium Die Bayer Story Von Studio J. Wenn du mehr erfahren willst über die Anfangszeit von Bayer empfehlen wir dir das Buch Meilensteine, hundertzwanzig Jahre Bayer, achtzehnhundertsechzig bis neunzehnundachtundachtzig von Erik Ferg.

00:42:06: Ein Hinweis zu den Dialogen, die du gehört hast!

00:42:09: Wir wissen natürlich nicht genau was gesprochen wurde – alle Dialoge basieren nach bestem Wissen auf unseren Recherchen.

00:42:15: Ich bin Marc-Ben Poch und ich bin Aline Staskowiak.

00:42:19: Daniel Jakob hat die Folge geschrieben für Studio J, Producerin Helene Feldmayer.

00:42:25: Executive Producer Janis Gebhardt.

00:42:28: Das Sounddesign hat Justin Göde gemacht Gemischt von Fabian Klinke.

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