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Die Bayer Story | Verschluckt | 4

Shownotes

Folge 4/4: Pharma und Pflanzenschutz stehen im Fokus des neuen Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning. Für hohe Beträge kauft er Konkurrenzunternehmen in diesen Sparten auf. Unter Wennings Nachfolger Marjin Dekkers trennt sich Bayer endgültig vom klassischen Chemiegeschäft mit Farben und Kunststoffen. Schließlich drängt Bayer auf die Übernahme des US-Agrarriesen Monsanto. Doch Monsantos wichtigstes Produkt “Glyphosat” sorgt für eine Klagewelle unvorstellbaren Ausmaßes.

Kontakt: imperium@studio-jot.de Folge IMPERIUM: https://www.instagram.com/imperium.podcast/

Transkript anzeigen

00:00:01: San Francisco, zehnte August zwei tausend achtzehn.

00:00:11: Eine Richterin verließ die letzten Punkte eines Juryurteils im Saal des obersten Provinzgerichts in Kalifornien.

00:00:18: Ihr Gegenübersitz der Kläger Dwayne Lee Johnson, sechsundvierzig Jahre im Beisein seiner Anwälte.

00:00:25: Der an Lymphdrüsenkrebs erkrankte Schulgelände ward bleibt während der Urteilsverkündung ruhig.

00:00:32: Die Jury hört festgestellt, dass der Konzern Monsanto die gesundheitlichen Gefahren seiner Produkte Roundup Pro und Ranger Pro mit dem Inhaltsstoff Glyphosat nicht ausreichend kommuniziert hat.

00:00:45: Die Jüri schreibt den Produkten einen direkten Einfluss auf den Gesundheitszustand des Klägers zu.

00:00:51: Der zu zahlende Schadensersatz an Herrn Johnson beträgt ...

00:00:58: Ein Journalist, der den Prozess beibohnt, wendet sich an seine Kolleginnen.

00:01:03: Schuldig in allen Punkten!

00:01:05: Sie haben nicht genügend Warnenweise angebracht und jetzt bekommt er Kläger auch noch neununddreißig Millionen Dollar.

00:01:12: Ja... Und das ist erst

00:01:14: der Schadensesser.

00:01:16: Die Vorsitzende fährt fort

00:01:19: In Bezug auf Strafzahlungen.

00:01:22: die Jury stellt fest dass klare und überzeugende Beweise dafür vorliegen dass Monsanto außerdem mit boshaften oder unterdrückendem Verhalten gehandelt hat.

00:01:34: Sie unterstellen Monsantu auch noch besondere Boshaftigkeit, das ist ein echter

00:01:38: Knüller!

00:01:40: Die Jury stellt außerdem fest, dass dieses boshafte oder unterdrückende Verhalten von einem oder mehreren Leitenden angestellten, Direktoren oder bevollmächtigten Vertretern von Monsantto begangen, genehmigt oder autorisiert wurde.

00:01:58: Die Schlagzeilen schreiben sich ja jetzt schon von ganz alleine.

00:02:01: Die Jury spricht Herrn Johnson deshalb folgendem Betrag an Strafschadensersatz zu, der von Monsanto zu bezahlen ist.

00:02:10: Zweihundertfünfzig Millionen Dollar unterschrieben vom Vorsitzenden Juror datiert auf den Zehnten August zwei Tausend Achtzehn.

00:02:20: Einer der Anwälte legt Johnson seine Hand auf den Rücken.

00:02:24: Sein Klient ist erleichtert bleibt aber weiter ruhig.

00:02:27: Der Journalist dagegen kann sich nur mit Mühe beherrschen.

00:02:31: Das sind insgesamt zweihundertneunundachtzig Millionen Dollar an einen einzigen Kläger!

00:02:38: Und das ist nur das erste Urteil?

00:02:40: Ja, es gibt schon viertausend weitere Klagen.

00:02:43: Damit müssen sich jetzt die Deutschen von Bayern rumschlagen.

00:02:46: Die haben Monsanto doch gerade

00:02:48: erst gekauft.

00:02:52: Monsantom muss dem Kläga Dwayne Johnson umgerechnet etwa dreihundertfünfzig Millionen Euro zahlen.

00:02:59: Vier Jahre später wird die zuzahlende Summe von einem Berufungsgericht zwar auf etwa zweiundzwanzig Millionen Euro reduziert, doch Johnsons Erfolg vor Gericht ist ein Dammbruch.

00:03:09: Die folgende Flut an Klagen summiert sich bis Ende zweitausendfünfundzwantzig auf fast zweihunderttausend.

00:03:15: Dabei geht es in vielen Einzelfällen um hohe Millionenbeträge – in einigen sogar um Milliarden!

00:03:21: Dafür gerade stehen muss nun die Bayer AG.

00:03:24: Die hat den umstrittenen US-Konzern Monsanto erst zwei Monate vor dem Johnson Urteil endgültig übernommen, als Höhepunkt einer aggressiven Wachstumsstrategie.

00:03:35: Die Rechtsstreitigkeiten werden für Bayer so teuer, dass jetzt die Zukunft des gesamten Unternehmens auf dem Spiel steht!

00:03:53: Ich bin Marc Benpoch und das ist Imperium – The Bayer Story von Studio J. In der letzten Folge setzte die Bayer AG unter Herbert Grünewald und Hermann Strenger auf Forschung für den Umweltschutz, die mit einem zusätzlichen Konzernlogo mit grünem Lindenblatt symbolisiert wurde.

00:04:30: Doch mehrere Störfälle in Bayer Werken sorgten Ende der Neunzehnhundertsiebtiger für die Formierung einer kritischen Bürgerinitiative.

00:04:37: Heute heißt die Initiative Coordination gegen Bayer Gefahren.

00:04:42: Grüne Wald und Strenger reagierten auf deren Proteste unter anderem mit verbesserten Methoden zur Beseitigung ihrer Industrieabwässer, und investierten Milliarden in den Umweltschutz.

00:04:52: Dann jedoch erinnerte der Skandal um eine ehemalige Müllkippe in Leverkusen sowie eine Explosion im Werk Wuppertal an die Gefahren, die von dem Chemiekonzern ausgehen können.

00:05:04: Finanziell bleibt Bayer allerdings weiterhin gut aufgestellt.

00:05:07: Ein neues und modernes Forschungszentrum in Monheim markiert das Bekenntnis zum Agrarsektor.

00:05:13: Pflanzenschutzmittel sollen für Bayer die Zukunft sein, im Gleichschritt mit den erfolgreichen Abteilungen für Medikamente und Kunststoffe.

00:05:21: Der Börsenkurs der Bayer AG schießt in den Neunzigerjahren bis einschließlich zweitausend umfasst als fünffache in die Höhe.

00:05:29: Der Vorstandsvorsitzende Manfred Schneider führt den Konzern in eine vermeintlich glänzende Zukunft Doch dann sorgt ein Handfester-Skandal dafür, dass bei Bayer alles in Frage gestellt wird.

00:05:41: Er stellt die Weichen für einen radikalen Kurswechsel, dessen Folgen bis heute zu spüren sind.

00:05:47: Das ist Folge vier – verschluckt!

00:06:01: Werner Wenning, fifty Jahre volles Haar und schmale Brille sitzt im Büro im Bayer Hochhaus.

00:06:08: Der Finanzchef der Bayer AG hält den Telefonhörer ans Ohr und drückt die Taste für Wahlwiederholung.

00:06:17: Das ist die Mailbox von...

00:06:20: Manfred Schneider!

00:06:23: Wozu hat denn heute jeder ein Handy, wenn er es nie benutzt?

00:06:27: Herein eine Mitarbeiterin Wennings tritt ein.

00:06:31: Sie hat eine Zeitung in der Hand.

00:06:34: Es ist die Bildzeitung mit einer Schlagzeile

00:06:37: Herr Wenning.

00:06:38: ich habe hier nun ja sehen sie selbst es geht um Lipo B.

00:06:43: Was soll das denn?

00:06:45: Skandalpille Bayer Manager verhöhnt Opfer.

00:06:49: Also das ist doch!

00:06:50: Ich habe gestern im Interview mit dem ZDF lediglich gesagt, dass es bei Medikamenten eben als so Nebenwirkungen und Todesfällen kommen kann.

00:06:58: Soeben auch bei diesem Cholesterinsänker... Das ist doch nichts Neues!

00:07:02: Naja… Sie wissen doch wie diese Zeitungen arbeiten?

00:07:06: LipoBei war unser wichtigstes Pharma-Produkt Und trotzdem haben die es gerade erst vom Markt genommen.

00:07:12: Klingt das etwa nach Hon?

00:07:13: Ich weiß ja, wie sie's gemeint haben Aber sie sind für die Finanzen zuständig und mit den Medien vielleicht noch nicht so vertraut, wie man Fred Schneider als Konzernchef.

00:07:25: Sie haben ja recht!

00:07:27: Ich versuche jetzt noch einmal ihn zu erreichen.

00:07:29: Sonst fahre ich ihnen persönlich nach Sylt... ...ich stelle mal für sie auf Lautsprecher.

00:07:40: Werner?

00:07:40: Ich habe doch gesagt dass ich im Urlaub nicht gestört werden will.

00:07:43: Aber hier brennt der Baum.

00:07:45: Hast du die Schlagzeilen gesehen?

00:07:47: Nein?!

00:07:48: Ich liege mit einem Krimi am Strand und muss auch mal abschalten….

00:07:51: Die Schlagzeilen schreiben sich auch ohne mich.

00:07:53: Aber Manfred, du bist der Chef und Du bist der nächste Chef!

00:07:57: Du machst das schon.

00:08:01: Aufgelegt?

00:08:02: Das glaube ich jetzt nicht...

00:08:04: ...aber mit einem hat er recht.

00:08:05: Er soll sich in Abwesenheit auf uns verlassen können.

00:08:08: Soll ich eine Sondersitzung einberufen?

00:08:11: Gute Idee.

00:08:13: Sagen wir in einer Stunde und danke für ihre Unterstützung.

00:08:20: Werner Wenning muss die ganze Last der Krise zunächst ohne Konzernchef Schneider bewältigen.

00:08:26: Der umsatzstarke Cholesterinsenker Lipobay steht im Verdacht Muskelschwund und sogar Todesfälle in den USA ausgelöst zu haben, wenn er in Kombination mit einem anderen Medikament eingenommen wurde.

00:08:38: Die Lipobail-Krise wird schnell bedrohlich für den Konzern – sie lässt den Aktienwert der Bayer AG zwischenzeitlich um über sechzig Prozent fallen und sorgt für fast fünfzehntausend Klagen.

00:08:50: Bis zu Jahrzehntausende zahlt Bayer in heutigen Zahlen etwa eins Komma sieben Milliarden Euro für außergerichtliche Vergleiche und Entschädigungen.

00:08:58: Für einen Großteil davon greift der Versicherungsschutz des Unternehmens.

00:09:06: Auch im Konzern selbst kommt es zu einem radikalen Umbau.

00:09:09: Als Manfred Schneider im April Zwei-Tausend zwei auf den Posten des Aufsichtsrats Vorsitzenden wechselt, wird Werner Wenning neuer Vorstandsvorsitzender.

00:09:18: Aufgrund der Lippo-Bail-Krise steht Wenning nun unter Druck, den Unterschneider geplanten Konzern um Bauschnell umzusetzen.

00:09:25: Ein weiterer Grund dafür ist die im Herbst-I.

00:09:28: abgeschlossene Übernahme der Agrarsparte CropScience des französischen Konzerts Aventis für über sieben Komma zwei fünf Milliarden Euro nach heutigem Wert elf Milliarden Euro.

00:09:39: Wenning macht aus der Bayer AG nun eine Holding.

00:09:43: Unter dieser Muttergesellschaft werden die Produktionssparten formal zu eigenständigen Unternehmen.

00:09:49: Bayers Labore in Monheim am Rhein bleiben Mittelpunkt des Agrargeschäfts nun als Hauptsitz der Bayer Crop Science AG.

00:09:57: Neben der Agrarsparte stärkt Wenning vor allem die Farmersparte Bayer Healthcare AG, dafür übernimmt er für rund siebzehn Milliarden Euro den Pharmakonzern Schering AG heute etwa fünfundzwanzig Milliarden Euro.

00:10:11: Die Geschäfte mit Kunststoffen bündelt Wending unter dem Namen Bayer Material Science AG.

00:10:17: Große Teile des klassischen Chemiegeschäfts stößt er ab, darunter auch die traditionsreiche Farbensparte.

00:10:24: Mit dieser Zäsur ist das ehemalige Familienunternehmen Bayer nun endgültig ein internationaler Großkonzern der sich besonders auf die Bereiche Pharma und Pflanzenschutz spezialisiert.

00:10:35: Das zeigt sich auch an der Wahl des nächsten Konzernchefs.

00:10:48: Dreißigster April, zwei tausendzehn.

00:10:51: In Köln.

00:10:52: Werner Wenning steht hinter der Bühne der gut besuchten Messehalle.

00:10:56: Dort findet die Jahreshauptversammlung der Bayer AG statt.

00:11:00: Auf der Büne bewegt sich eine Tänzerin im Rhythmus eines Saxophonisten.

00:11:05: Sie präsentiert an einer Videowand verschiedene Fotos aus der Geschichte des Bayern-Konzerns und endet auf einem Porträt von Wenning.

00:11:14: Der betritt die Bühnen und geht zu einem Rednerpult.

00:11:18: In seiner Hand hat er einen bläsernen Stab.

00:11:21: Danke, vielen Dank!

00:11:24: Vielen herzlichen Dank.

00:11:30: Ich habe mich vor acht Jahren der Aufgabe gestellt diesen Konzern zu stabilisieren und fit für die Zukunft zu machen Und ich denke das ist mir auch gelungen.

00:11:42: Dieser Prozess konnte nicht ohne ein weinendes Auge geschehen.

00:11:46: Das traditionsreiche Farbengeschäft gibt es unter dem Namen Bayern nicht mehr.

00:11:52: Viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren!

00:11:57: Die wichtigste Frage ist nun, wer kann das Unternehmen in die Zukunft führen wenn ich es mir im Aufsichtsrat und bei unserem Fußballclub gemütlich mache?

00:12:09: Wenning hebt den gläsernen Stab in die Höhe.

00:12:12: Ich werde nun im wahrsten Sinne des Wortes den Stab übergeben.

00:12:18: Empfangen wird Ihnen ein erfahrener Manager.

00:12:22: Er stammt aus der Niederlanden, hat aber einen großen Erfahrungsschatz auf dem amerikanischen Markt vorzuweisen.

00:12:29: Vor allem aber ist er Chemiker!

00:12:32: Das hat bei Bayer ja eine gewisse Tradition.

00:12:35: Begrüßen Sie mit mir Marijn Deckers!

00:12:41: Marijn dekkers – zweiundfünfzig Jahre blond und schlank betritt die Bühne.

00:12:46: Im Blitzlichtgewitter der Fotokameras überreicht Wenning ihm den gläsernen Stab während er seinem Nachfolger fest die Hand schüttelt.

00:12:54: Einen Moment später entreist er ihm den Stab wieder, um dessen Übergabe für die Fotokameras erneut nachzustellen.

00:13:02: Schließlich tritt Deckers an das Rednerpult.

00:13:04: Vielen Dank!

00:13:05: So ein freudlicher Empfang.

00:13:07: Danke!

00:13:08: Ich werde oft gefragt was mich an diesem Unternehmen besonders reizt?

00:13:13: Zuallererst muss ich die über hunderttausend Menschen erwähnen, die hier arbeiten.

00:13:20: Außerdem ist es das neue Motto.

00:13:23: Science for a better life, Wissenschaft für ein besseres Leben!

00:13:28: Das ist es was ich mit Bayer anstrebe der Schutz unserer Nutzpflanzen und bessere Erträge für die Landwirtschaft Und natürlich der Schutz des eigenen Körpers dank unserer zahlreichen Medikamente.

00:13:43: Aber – das weiß ich auch Wir sind hier ja bei einer Aktionärsversammlung.

00:13:49: Mein wichtigstes Ziel ist es die Vorarbeit von Werner Wenning fortzuführen und die Bayer AG noch profitabler zu machen.

00:13:59: Dafür werde ich alles tun!

00:14:10: Marein Deckers wird der erste Vorstandsvorsitzende, der vorher nicht im Unternehmen tätig war – und er hat eine große Aufgabe vor sich.

00:14:18: Denn Wenning konnte das Unternehmen zwar neu ausrichten und den Aktienwert stabilisieren Aber nach dem milliardenschweren Ausbau der sparten Farmer und Pflanzenschutz soll Deckers nun endlich satte Gewinne einfahren.

00:14:31: Der neue Bayer-Chef ist geprägt durch den US-amerikanischen Markt, in dem große und riskante Übernahmen keine Seltenheit sind.

00:14:39: Um die Farmersparte noch weiter zu stärken übernimmt er aus den norwegischen Krebsmittelspezialisten Algeta sowie die Sparte für rezeptfreie Medikamente und Gesundheitspräparate des US-Konzerns Merck & Co.

00:14:53: Die Übernahmen kosten – umgerechnet auf heute – zwei Komma drei und vierzehn Milliarden Euro.

00:14:58: Darüber hinaus gibt sich Decker sehr besonnen, was für viele Branchenkenner überraschend kommt.

00:15:04: Er sitzt auf Stabilität- und strategisches Wachstum.

00:15:07: Damit hatte er Erfolg, was auch an der Börse niederschlägt.

00:15:11: Im Frühjahr zweitausendfünfzehn erreicht die Bayer Aktie zwischenzeitlich den höchsten Stand ihrer Geschichte.

00:15:16: Mit einem Börsenwert von rund hundertzwanzig Milliarden Euro ist Bayer das wertvollste Unternehmen im deutschen Aktienindex DAX.

00:15:24: Das wären heute etwa Hundertfünfzig Milliarden Euro!

00:15:27: Der Nettogewinn in diesem Jahr beträgt rund vier Komma eins Milliarden Euro, umgerechnet etwa fünf Komma zwei Milliarden Euro.

00:15:35: Damit fährt Deckers das fünfte Jahr in Folge Rekordergebnisse ein.

00:15:42: Werner Wenning konnte den Bayern-Konzern nach einer Krise stabilisieren.

00:15:46: Unter Marian Deckers werden jahrelang Rekordgewinne erwirtschaftet.

00:15:50: Doch das einstige Familienunternehmen Bayer ist längst ein internationaler Großkonzern, dass Motto lautet – weiter kaufen aber auch strategisch abstoßen!

00:16:01: Die eingeschworene Gemeinschaft am Standort Leverkusen löst sich nach und nach auf.

00:16:06: Das Ende einer Ära ist eingeleitet bis sich Bayer an seinem bisher größten Zugkauf verschluckt Januar, in Leverkusen.

00:16:34: Ein Herr im Rentenalter steht mit warmer Winterkleidung an einer der Einfahrten zu den Fabrik- und Verwaltungsgebäuden.

00:16:41: Der Mann blickt auf ein großes Schild mit der Überschrift Campark Leverkusen und unzähligen Firmenlogos – überfordert kratzt er sich am Kopf.

00:16:51: Was ist das denn?

00:16:53: Das sind ja dreißig oder vierzig verschiedene Firmen!

00:16:58: Eine jüngere Frau im Businessmantel und mit Aktenkoffer erblickt den Mann.

00:17:02: Entschuldigen Sie, kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein?

00:17:05: Oh!

00:17:06: Guten Tag.

00:17:07: Ja wissen sie... Mein Sohn hat heute Geburtstag und ich möchte ihn gern überraschen.

00:17:14: Er arbeitet bei Bayer.

00:17:16: Jetzt stehe ich vor diesem Schild und bin mir gar nicht mehr so sicher.

00:17:21: Ich versteh' sie gut.

00:17:22: Auch ich musste mich schon mehrfach umgewöhnen.

00:17:25: Äh dieser Name hier Covestro Das habe ich doch vor kurzem mal irgendwo gelesen.

00:17:32: Bayer hat über die Jahre fast alles ausgegliedert, was nicht Pharma oder Agrar ist.

00:17:37: Die Kunststoffsparte läuft seit letztem Jahr unter dem Namen Corvestro und das Farbengeschäft ist längst verstreut.

00:17:44: Vieles davon ist bei Langsays gelandet.

00:17:46: Das Logo sehen Sie hier.

00:17:50: Seien sie mir nicht böse aber ich komme da nicht mehr mit.

00:17:53: Früher war das ja alles Bayer.

00:17:55: es war fast wie eine große Familie.

00:17:58: Ja!

00:17:58: Die Zeiten ändern sich Aber vielleicht kann ich Ihnen ja trotzdem helfen, Ihren Sohn zu finden.

00:18:03: Ach richtig!

00:18:04: Warten Sie... Das ist seine Visitenkarte schon etwas älter.

00:18:10: Na die Abteilung ist im Hauptgebäude.

00:18:12: kommen sie ich begleite sie.

00:18:21: Die Ära der Farben und Kunststoffe bei Bayer isst vorbei.

00:18:25: Mit Beginn des Jahres zwei tausendsechzehn führt Konzernchef Marein Deckers die drei zentralen Geschäftsfelder wieder unter dem Dach des Konzernen zusammen Die Pflanzenschutzdivision Bayer CropScience mit Sitz in Monheim am Rhein sowie die beiden Pharma-Divisionen in Leverkusen.

00:18:42: Pharmaceuticals steht dabei für Rezeptpflichtige Medikamente, Consumer Health – für rezeptfreie Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel.

00:18:51: Zudem rückt erstmals seit Gründung des Unternehmens im Jahr eighteenhundertsechzig eine Frau in den Vorstand auf.

00:18:58: Aus privaten Gründen verlängert Deckerscheinenvertrag nur bis Jahresende zwei Tausendsechzehn.

00:19:03: Doch bereits im Februar, Jahrzehnte, vermeldet die Bayer AG sein vorzeitiges Ausscheiden für Ende April.

00:19:10: Als Grund wird angegeben, dass der ideale Zeitpunkt für eine saubere Übergabe seines Postens gekommen sei.

00:19:18: Sein Nachfolger wird der bisherige Chef-Strategie Werner Baumann.

00:19:22: Im Juni tauchen schließlich Presseberichte auf nach denen Deckers auch deshalb frühzeitig ging weil er die Übernahme des US Agrarkonzerns Monsanto ablehnte jenes Unternehmen mit dem Bayer in den nineteenhundertfünfziger bis neunzehnhundertsiebziger Jahren die gemeinsame Firma Mow-Bay betrieb, bevor sie komplett von Bayer übernommen wurde.

00:19:45: Kurz nach seinem Amtsantritt verkündet Baumann dass die Bayer AG nun den Kauf von Monsanto selbst plant.

00:19:52: Der Kauf soll Bayers Platz an der Weltspitze der Unternehmen für Agrar Chemie zementieren.

00:19:57: Außerdem besitzt Monsando eine umfangreiche digitale Infrastruktur in den USA.

00:20:03: Die Kosten betragen sixundsechzig Milliarden US-Dollar, heute etwa siebenundsiebzig Milliarden Euro.

00:20:09: Im Juni Zwei-Tausendachzehn schließt Bayer damit die größte Übernahme ab, die jemals ein deutsches Unternehmen gewagt hat.

00:20:17: Ein beträchtlicher Teil wird durch Kredite finanziert – die Nettoverschuldung von Bayern steigt damit erheblich!

00:20:23: Nur zwei Monate nach Abschluss der Übernahme fällt in den USA das erste Urteil im Zusammenhang mit Mons Santos wichtigstem Produkt.

00:20:31: Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat soll die gesundheitlichen Probleme des Schulgeländewards Dwayne Lee Johnson mit verursacht haben.

00:20:39: Baumann sieht sich nun mit einer Klagewelle unvorstellbaren Ausmaßes konfrontiert und hat auch in Deutschland beispiellose Folgen.

00:21:00: Der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann, fifty-six Jahre und Rundebrille sowie der Aufsichtsratsvorsitzer Werner Wenning sitzen mit etwa dreißig anderen Personen an einem großen Tisch im Saal ihres Tagungshotels.

00:21:14: Die beiden haben eine Krisensitzung einberufen, direkt am Anschluss an die Jahreshauptversammlung der Bayer AG.

00:21:20: Eine Aufsichtsräte ergreift das Wort.

00:21:23: Herr Baumann, ich habe noch einmal nachgesehen.

00:21:26: Noch nie zuvor in der Geschichte des deutschen Aktienindex wurde einem Konzernvorstand von den Aktionären das Misstrauen ausgesprochen.

00:21:35: Die Aktionäre denken auch nicht logisch.

00:21:38: Wir verfolgen mit der Übernahme von Monsanto einen langfristigen Plan!

00:21:42: Diese Panikmache ist ja nicht auszuhalten.

00:21:47: Andererseits sehen wir uns bereits mit über dreizehntausend Klagen wegen Glyphosat konfrontiert.

00:21:53: Das Johnson-Urteil konnten wir bisher von zweihundertneunundachtzig Millionen auf rund achtzig Millionen Dollar drücken.

00:21:59: Ein zweites Urteil fällt in eine ähnliche Größenordnung.

00:22:03: Werner Wenning meldet sich zu Wort.

00:22:05: Wir haben die Klagewelle wegen Lipopay überstanden, wir werden auch das hier überstehen.

00:22:10: Die angeblichen Gesundheitsgefahren von Lyphosat werden durch die US-Umweltbehörde keinesfalls bestätigt – insbesondere was Krebserkrankungen betrifft!

00:22:20: Es gibt nur ein einziges Gremium in der Weltgesundheitsorganisation, das zu diesem Schluss gekommen

00:22:25: ist.".

00:22:26: Unsere Anleger reagieren aber auf die Gerichtsurteile.

00:22:35: Zudem hat Monsanto einen schlechten Ruf, insbesondere in Umweltfragen.

00:22:40: Einige Aktionäre bemängeln, dass unser CO-Zwei-Ausstoß durch die Übernahme um fünfzig Prozent gestiegen ist.

00:22:47: Baumann schüttelt vehement den Kopf!

00:22:50: Das ist doch wieder so ein populistischer Quatsch?

00:22:53: Natürlich steigen unsere Emissionen wenn der Konzern größer wird.

00:22:58: Was bei den Leuten vielleicht dazu kommt, In einigen Medien wird behauptet, er sei gegen den Monsanto-Diel gewesen.

00:23:09: Marijn Deckers hat öffentlich kein einziges schlechtes Wort darüber verloren.

00:23:14: Natürlich haben wir emotional diskutiert aber er wollte ohnehin wieder in die USA.

00:23:17: Dann ist der halt ein paar Monate früher gegangen.

00:23:20: das können die Medien jetzt interpretieren wie sie wollen Aber Sie alle als Aufsichtsrat standen von Anfang an hinter dem Deal.

00:23:28: Das erwarte ich auch weiterhin!

00:23:30: Das ist richtig.

00:23:31: vor allem Herr Wenning hat sich immer für die Übernahme stark gemacht.

00:23:36: So ist es.

00:23:38: Entschuldigung, ich denke wir müssen jetzt vor allem ruhig bleiben!

00:23:43: Am besten geben wir sofort eine Pressemeldung heraus die besagt dass der Aufsichtsrat geschlossen hinter dem Vorstand steht.

00:23:50: oder höre ich irgendwelche Gegenstimmen?

00:23:58: Noch am selben Tag betont Wenning in einer Pressemitteilung das der Aufssichtsrat die Unternehmensstrategie befürwortet und der Konzern sich gegen die zahlreichen Klagen zur Wehr setzen will.

00:24:08: Damit sollen vor allem die Aktionäre des Konzerns angesprochen werden.

00:24:13: Baumann bleibt weiterhin im Amt, insbesondere durch die Rückendeckung des Aufsichtsrates rund um Werner Wenning.

00:24:19: Doch Wenning verlässt das Unternehmen in den Jahren und behält lediglich einen Posten beim Fußballclub Bayer Nullvier-Levakusen.

00:24:27: Hauptaufgabe Baumans bleibt die Klärung der über Hundertfünfzigtausend Klagen wegen des Pflanzenschutzmittels Glyphosat, die sich bis Anfang Jahrzehntausend zweiundzwanzig ansammeln.

00:24:38: Bei einem Vergleich im Jahr-Zweitausendzwanzig kann er knapp neunzehntausend davon beilegen.

00:24:43: Das kostet den Konzern in heutigen Zahlen rund zehn Milliarden Euro!

00:24:48: Der von Baumann einkalkulierte Puffer zur Beilegung weiterer Rechtsstreitigkeiten wächst in den Folgejahren auf rund sechs Milliarden Euro an.

00:25:00: Seit der verweigerten Entlastung vom Baumann auf der Jahreshauptversammlung, Gibt die Bayer Aktie bis Ende Jahrzehntezweiundzwanzig, noch einmal rund zwanzig Prozent nach.

00:25:12: Tendenz sinkend.

00:25:13: Dafür fährt Baumann in diesem Jahr einen hohen Netto-Gewinn ein – vier Komma eins fünf Milliarden Euro heute etwa Vier Komma acht Milliarden Euro.

00:25:22: Ein entscheidender Grund dafür ist ausgerechnet das Agrargeschäft.

00:25:25: Liefer.

00:25:26: Schwierigkeiten der internationalen Konkurrenz lassen die Preise steigen und damit Bajas Umsätze mit Pflanzenschutzmitteln Darunter auch Glyphosat.

00:25:35: Doch für twenty-dreiundzwanzig muss Baumann seine Gewinnerwartung deutlich nach unten korrigieren.

00:25:42: Die Glyphosatklagen sind weiter das bestimmende Thema.

00:25:45: Die hohen Kosten sind dabei nur ein Teil der Einschnitte, die der Monsanto Deal mit sich bringt.

00:25:56: Anfang zwei-tausend dreiundzwantzig in Leverkusen Eine Mitarbeiterin und ihr Kollege räumen die Schreibtische ihres Büros im gläsernen Hauptgebäude der Bayer AG.

00:26:08: Sie legen persönliche Gegenstände in Pappkartons.

00:26:12: Das war's also für uns.

00:26:14: Wir gehören zu den Letzten, die freiwillig gehen...

00:26:17: Ich hatte es befürchtet!

00:26:19: Seit dem Kauf von Monsanto sind fast zwölf tausend Stellen weggefallen.

00:26:23: Obwohl es bis zwei Tausend fünfundzwanzig keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll.

00:26:28: Wenn wir die Abfindung nicht nehmen dann verlieren wir unseren Job halt später.

00:26:32: Mit uns Kleinen kann man's ja machen Wenn

00:26:34: ich daran denke dass es hier früher fast nur Wachstum gab.

00:26:38: Die Gewinne wachsen ja auch Und weniger Personal bedeutet weniger Ausgaben.

00:26:44: Dein Mehlprogramm meldet sich, du arbeitest wirklich bis zur letzten Sekunde!

00:26:50: Du hast ja recht, lass mich mal eben schauen... Hey was ist das denn?

00:26:56: Ein internes Memo?

00:26:58: Vorstandsvorsitzender Baumann verlässt die Bayer AG zum einunddreißigsten Mai und dann geht er in Rente.

00:27:06: Wie alt is der doch gleich?

00:27:08: Moment, sechzig Jahre Ganz schön jung für den Ruhestand.

00:27:15: Aber mit fünf Komma vier Millionen Euro Jahresgehalt lässt sich bestimmt etwas anfangen!

00:27:19: Ich kann's ihm nicht verübeln!

00:27:21: Tja, der Monsanto-Deal ging auch auf seine Kappe... ...aber seit Werner Wenning in den Aufsichtsrat verlassen hat, fehlt ihm sein wichtigster Fürsprecher.

00:27:30: Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass wir auch gehen.

00:27:33: Dauerkrise isst nichts von meinen Nerven.

00:27:36: So ich glaube ich bin hier fertig.

00:27:39: Du auch?

00:27:41: Ich auch Los, fahr den Rechner runter.

00:27:45: Ich lade dich auf ein letztes kollegiales Essen in unserem Restaurant

00:27:48: ein.".

00:27:55: Werner Baumann verlässt Bayer mitten in der Monsanto-Krise.

00:27:59: Als einer seiner letzten Amtshandlungen trifft er eine schwierige Entscheidung.

00:28:03: Mit Beginn des Jahres im Jahr ist Bayern den Verkauf von Glyphosat an Privatkunden in den USA ein.

00:28:11: Für den professionellen und landwirtschaftlichen Einsatz ist der umstrittene Unkrautvernichter weiterhin weltweit erhältlich.

00:28:18: Außerdem wird die Zulassung für Glyphosat in der Europäischen Union um weitere zehn Jahre verlängert.

00:28:24: Doch der hohe Gewinn von twenty-zweiundzwanzig bleibt einer Ausnahme!

00:28:28: Mit Abschluss des Geschäftsjahres zwei-tausenddreiundzwantig muss der Konzern schließlich einen Nettoverlust von rund zweikommer neun Milliarden Euro hinnehmen, heute etwa dreikommmer zwei Milliarden Euro.

00:28:40: Die Gesamtzahl der Glythosatklagen steigt derweil weiter Und der Aktienwert der Bayer AG ist bereits deutlich niedriger, als es die Kaufsumme für Monsanto war.

00:28:50: Die Folgen der Monsantö-Übernahme belasten die Konzernbilanz Jahr für Jahr erheblich.

00:28:55: Bayer befindet sich in seiner größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.

00:28:59: Baumanns Nachfolger muss nun gleichzeitig die Flutwelle an Glyphosatklagen in den Griff bekommen und den Börsenwert des Konzertens wieder steigern – eine beinahe unlösbare Aufgabe!

00:29:11: Doch dann?

00:29:12: Gibt es für ihn plötzlich gute Nachrichten?

00:29:38: Der US-Amerikaner Bill Anderson, siebenundfünfzig Jahre volles Haar und Brille ist einer von ihnen.

00:29:49: Und hat vom Sofa seiner VIP-Loge beste Sicht auf das Spielfeld.

00:29:54: Er ist der neue Vorstandsvorsitzende der Bayer AG und verfügt über viel Erfahrung als Manager im Pharma-Bereich.

00:30:02: Obwohl es vier zu null für Leverkusen steht, blickt Anderson nur mit finsterer Mine auf sein Smartphone.

00:30:08: Dann öffnet jemand von außen die Tür zu den Stadionrängen.

00:30:13: Es ist Werner Wenning seit Jahrzehnten Vorsitzender des Gesellschafterausschusses bei seinem Herzensverein.

00:30:20: Will!

00:30:21: Du bist ja immer noch am Handy.

00:30:23: Deine ganze Familie sitzt hier draußen.

00:30:25: Noch nicht mal auf dem Fernseher schaust du?

00:30:28: Wie soll ich das Spiel genießen?

00:30:29: Unsere Anleger interessieren sich nicht für Fußball.

00:30:34: Bill, heute werden wir zum ersten Mal deutscher Fußballmeister!

00:30:38: Davon habe ich fast mein ganzes Leben geträumt... Ja danke dass du mich aufmuttern willst aber Wir haben immer noch eine Nettoverschuldung von über dreißig Milliarden Euro.

00:30:50: Unser Aktienwert liegt aber nur bei siebenundzwanzig Milliarden und wir machen hohe Verluste.

00:30:55: Das ist alles eine Katastrophe.

00:30:57: Ich weiß Aber ich bleibe dabei.

00:31:00: Wir müssen langfristig denken, genau wie unser Fußballklub!

00:31:03: Was wir heute erleben ist das Ergebnis von Jahrzehnten guter Arbeit.

00:31:08: Wie langfristigt soll ich denn bitte noch denken?

00:31:11: Das Ganze geht seit sechs Jahren.

00:31:13: Außerdem fehlen uns noch Umsatzbringer im Pharma-Bereich.

00:31:16: Die Rufen nach einer Aufsplittung des Konzerns in Pharma und Agrar werden immer lauter.

00:31:21: Du weißt dass es Unsinn ist.

00:31:23: Beide Branchen stützen sich gegenseitig.

00:31:26: Außerdem bringt unsere Division für rezeptfreie Medikamente stabile Ergebnisse.

00:31:32: Oh, was ist da los?

00:31:34: Fünf zu null!

00:31:35: Florian wird der Gold-Junge.

00:31:38: Jetzt kommt raus, Bill.

00:31:39: Das muss gefeiert werden.

00:31:43: Und das ist

00:31:44: der Abpfiff.

00:31:45: Unsere Werkself ist deutscher Fußballmeister.

00:31:51: Bill Anderson schaut noch einmal kurz auf sein Smartphone.

00:31:54: Dann steckt er es ein im Blick zu Werner Wenning herüber, der vor der Loge jubelnd seinen Familienmitgliedern in die Arme fällt.

00:32:02: Also gut!

00:32:03: Man muss auch mal feiern können... Der Texaner William genannt Bill Anderson ist Chemie-Ingenieur und befindet sich seit seinem Amtsantritt im Juni, im Krisenmodus.

00:32:24: Schnell wird er seinem Ruf als radikalere Formagerecht.

00:32:27: Um wenigstens einen Teil der Kosten für Klagewelle zu schultern sollen Tausende Arbeitsplätze wegfallen.

00:32:34: Durch einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen.

00:32:37: bis Ende des Jahres sind erneut hohe Abfindungszahlungen notwendig.

00:32:42: Dabei geht es um bis zu über fünfzig Monatsgehälter pro Personen.

00:32:47: Um die nicht endenwollende Glyphosatkrise in den Griff zu bekommen, streckt Anderson seine Fühler auch in die US-Politik aus.

00:32:55: Er hofft auf eine Gesetzesänderung, die verhindert das Einzelklagen zu extrem hohen Strafzahlungen und Schadensersatz führen.

00:33:02: In den letzten Jahren fällt die Bayer-Aktie auf den tiefsten Stand seit über zwanzig Jahren.

00:33:08: Im Jahr im Jahr ist es schon laut über einen kompletten Vermarktungsstopp von Glyphosat nach.

00:33:21: Doch dann stellt sich eine Trendwende ein.

00:33:24: Im Jahresverlauf in den vergangenen Jahren steigt der Wert der Bayer Aktien um über neunzig Prozent.

00:33:30: Die Anleger reagieren vor allem auf das Gewinnpotenzial neuer Medikamente in der Pharmarsparte.

00:33:36: Hinzu kommt ein positives Signal aus den USA.

00:33:39: Der Generalanwalt des US Supreme Court empfiehlt dem obersten Gericht der Vereinigten Staaten die Überprüfung eines der vielen Glyphosat-Urteile.

00:33:49: Bayerchef Bill Anderson kann nun auf einen Grundsatzurteil hoffen, dass die weiterhin rund sixty-fünftausend offenen Fälle klärt.

00:33:57: Denn die bisherigen Urteile zu Glyphosat wurden auf Ebene der Bundesgerichte gefällt und bemängeln fehlende Warnhenweise auf glyphosaerthaltige Produkten.

00:34:06: Die wurden von der US-Umweltbehörde EPA jedoch nie gefordert.

00:34:11: Der Supreme Court soll nun entscheiden, ob die Haltung der nationalen Umweltbehörden Vorrang vor den Urteilen der Bundesgerechte hat.

00:34:18: Bayer wäre damit nicht verantwortlich für etwaige Gesundheitsschäden wie Krebserkrankungen, Noch allerdings hat der Supreme Court den Fall nicht angenommen.

00:34:30: ... in Leverkusen.

00:34:43: Bill Anderson macht mit seiner Ehefrau Casey einen Spaziergang ganz in der Nähe des Bayer Hauptgebäudes.

00:34:50: Dort liegt der Karl-Düsberg-Park, mit seinem japanischen Garten.

00:34:54: Er beherbergt Teiche, Brücken und asiatische Pflanzen.

00:34:58: Hand in Hand spaziert das Ehepaar in Richtung einer weiteren Sehenswürdigkeit.

00:35:04: Eines muss man Bayer lassen.

00:35:06: Sie hatten schon immer ein Auge für die schönen Dinge des Lebens.

00:35:11: Genau das Richtige, um das Warten auf den entscheidenden Anruf zu zerstreuen.

00:35:16: Der Park hier wurde doch vom früheren Bayer-Generaldirektor Karl Duisberg geplant oder nicht?

00:35:21: Ja!

00:35:23: Bei meiner Vorstellung haben die Porträts von Duisburg und den Gründern streng auf mich herabgeschaut.

00:35:30: Es ist schön dich wieder so fröhlich zu erleben.

00:35:33: Ist hier nicht auch das Grabmal von Karl Duisberg?

00:35:36: Ja,

00:35:37: da gehen wir gerade hin.

00:35:39: Schau!

00:35:40: Da vorne ist Herr Flora-Tempel.

00:35:43: Die beiden stehen vor dem kleinen Tempel in dessen Mitte sich die Startuhr einer weiblichen Figur mit nacktem Oberkörper befindet.

00:35:51: Das muss Flora sein, griechische Göttin der Blüte und der Jugend.

00:35:55: Hier sind Karl Duiskberg und seine Frau begraben.

00:35:58: Soweit ich mich erinnere, wurde das hier nach Vorbild des Apollo-Tempels im französischen Versailles gebaut.

00:36:05: Beeindruckend!

00:36:06: Ich habe gehört, ohne Duisberg würde es Leverkusen gar nicht geben?

00:36:10: Das kann man so sagen... ...aber er war auch derjenige dabei, ja die Eigenständigkeit genommen hat.

00:36:16: Es wurde Teil der IG Farben und erst nach dem Krieg wieder selbstständig.

00:36:20: Sehst du?

00:36:21: Selbst die Großen sind nicht unumstritten

00:36:24: Weißt du...?

00:36:25: Viele sehen in mir nur den nächsten Manager der Arbeitsplätze abbaut und Milliarden an Euro vernichtet.

00:36:31: Dabei will ich Bayer einfach wieder in die Gewinnzone bringen, mit einer klaren Perspektive.

00:36:38: Aber die vielen Klagen machen es dir nicht einfach!

00:36:40: Ich weiß...

00:36:42: Oh, eine Sekunde?

00:36:46: Ja ... ja, verstehe.

00:36:52: Danke!

00:36:53: Casey?!

00:36:54: Sie nehmen den Fall an!

00:36:56: Der Supreme Court wird sich mit Glyphosat befassen.

00:36:59: Achtzehnhundertsechzig gründeten der Kaufmann Friedrich Bayer und der Chemiker Friedrich Weskott im heutigen Wuppertal ein gemeinsames Unternehmen für Textilfarben.

00:37:13: Nach dem frühen Tod der Gründerväter wurde Bayer eine Aktiengesellschaft, unter Chemiker Karl Duisberg wichtigster Mann im Unternehmen.

00:37:22: Er inspirierte den Aufbau der Sparten für Medikamente- und Pflanzenschutzmittel.

00:37:27: Das Achtzentundneinneunzig auf den Markt gebrachte Schmerzmittel Aspirin ließ die Umsätze steigen während Duisberg für das Unternehmen eine ganze Industriestadt aufbauen ließ, Leverkusen.

00:37:39: Nach dem Ersten Weltkrieg sorgte Duisburg sich um die wichtigen Exportmärkte und ging eine Fusion mit anderen Chemieunternehmen ein.

00:37:48: Die neu geschaffene IG-Farben wurde zum größten Chemiekonzern der Welt aber auch zum Kriegswichtigen Betrieb der Nazis.

00:37:56: Die alliierten Besatzungsmächte zerschlugen den Konzern daher.

00:38:00: Bayer wurde in den ersten Jahren wieder eigenständig und unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Ulrich Haberland auch profitabel, insbesondere in Deutschland und den USA.

00:38:11: In den Neunzehnhundersiebzigerjahren gab sich der Konzern unter Herbert Grünewald und Hermann Stränger ein grünes Gesicht.

00:38:18: Umweltschutz wurde offiziell großgeschrieben – doch eine resolute Bürgerbewegung wies immer wieder auf Versäumnisse in diesem Bereich hin!

00:38:26: Der Skandal, um eine ehemalige Müllkippe machte Bayer schwer zu schaffen.

00:38:31: Das neue Jahrtausend wurde von mehreren Umstrukturierungen geprägt.

00:38:35: Bayern verabschiedete sich unter Werner Wenning und seinem Nachfolger vom klassischen Geschäft mit Farben- und Kunststoffen.

00:38:42: Dafür wurden viele Milliarden investiert – und Konkurrenzunternehmen in den Bereichen Pharma und Agrarchemie aufgekauft.

00:38:50: Bayer wurde zum wertvollsten Unternehmen im Deutschen Aktienindex.

00:38:54: Nach mehreren Jahren mit Rekordgewinnen übernahm Bayer, das USA-GRA Unternehmen Monsanto und damit auch eine jahrelange Klagewelle wegen des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters Glyphosat.

00:39:07: Bayer verlor viele Milliarden Euro – der Aktienwert des Unternehmens erlebte einen beispiellosen Absturz!

00:39:14: In der Gegenwart gibt es für den aktuellen Vorstandsvorsitzenden Bill Anderson einen Hoffnungsschimmer.

00:39:21: Das oberste Gericht der USA will sich mit einem der fast zweihunderttausend Fälle beschäftigen und könnte für ein Grundsatzurteil sorgen, das Bayer endlich Rechtssicherheit bringt.

00:39:31: Für Bayer ein heller Farbklecks in der Dunkelheit!

00:39:40: Das war die vierte und letzte Folge von Imperium – Die Bayerstory von Studio J. Wenn du mehr erfahren willst über die Anfangszeit von Bayer empfehlen wir dir das Buch Meilensteine – Hundertfünfundzwanzig Jahre Bayer.

00:40:03: Wir wissen natürlich nicht genau, was gesprochen wurde.

00:40:06: Alle Dialoge basieren nach bestem Wissen auf unseren Recherchen.

00:40:09: In der nächsten Staffel von Imperium begeben wir uns auf die Reise eines der erfolgreichsten Tourismus-Unternehmen der Welt – Airbnb!

00:40:17: Wir erzählen wie ein Freund des Trio aus drei Luftmatratzen eine Plattform schafft, die das Reisen für immer revolutioniert.

00:40:25: Eine Geschichte von Marketinggenialität und Kontrollverlust.

00:40:28: Von einem idealistischen Versprechen, und einem Konzern der Städte auf der ganzen Welt gegen sich aufbringt!

00:40:35: Ich bin Marc-Ben Poch

00:40:37: Und ich bin Aline Staskowiak.

00:40:40: Daniel Jakob hat die Folge geschrieben für Studio J, Producerin Helene Feldmayer.

00:40:47: Executive Producer Janis Gebhardt.

00:40:50: Das Sounddesign hat Axenia Dorn gemacht Gemischt von Fabian Klinke.

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