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Die H&M Story | Supermodels und Skandale | 2

Shownotes

Folge 2/4: Unter Gründersohn Stefan Persson entwickelt sich H&M in den 1980er- und 1990er-Jahren vom europäischen Händler zum internationalen Modekonzern. Mit mutigen Werbekampagnen, Supermodels und einem immer schnelleren Produktionssystem wird die Marke global sichtbar und prägt eine neue Ära der Mode.

Doch der rasante Aufstieg bringt auch Spannungen mit sich: interne Konflikte, Kritik an der Führung und ein Geschäftsmodell, das zunehmend hinterfragt wird. Als Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit bei Zulieferern ans Licht kommen, gerät H&M in die bis dato größte Krise seiner Geschichte – und muss sich der Frage stellen, welchen Preis sein Erfolg hat.

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Transkript anzeigen

00:00:01: Jörg.

00:00:04: September, Nineteinundachtzig.

00:00:07: Ein wohlhabender Vorort von Stockholm.

00:00:09: Stefan Persson und sein Vater Erling sitzen im Kaminzimmer einer Stadtlichen Villa in Jossholm.

00:00:16: Hier führen Stefan Perssohn und seine Frau Pamela mit ihren zwei Kindern ein behütetes Leben zwischen großen Gärten ruhigen Straßen- und Nachbarn aus der schwedischen Wirtschaftselite.

00:00:26: Mit einem Drink in der Hand verfolgen Erling und Stefan Perssoon die Nachrichten im Fernsehen.

00:00:32: Guck dir das an, Vater.

00:00:34: Das müssen tausende Menschen sein!

00:00:36: Warte mal ich drehe etwas lauter... Ich

00:00:38: befinde mich hier auf dem großen Marktplatz im südschwedischen

00:00:41: Boros,

00:00:42: circa sechzig Kilometer östlich von Göteborg entfernt.

00:00:46: Neben mir

00:00:46: stehen

00:00:47: Mitarbeiter der Textilbranche.

00:00:49: Sie halten Transparenze in die Höhe.

00:00:52: Unsere Arbeit bleibt hier und stoppt die Verlagerung.

00:00:56: Die Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiter hat zu dem Großstreik aufgerufen.

00:01:01: Mehr als fünftausend Menschen haben ihren Ruf gehört.

00:01:04: Sie alle hoffen hier, dass die schwedische Regierung ihre Arbeitsplätze retten wird.

00:01:09: Die Stimmung ist angespannt, die Wut spürbar.

00:01:13: Immer mehr Unternehmen lassen ihre Kleidung im Ausland produzieren.

00:01:17: Die schwedisch Textilindustrie und mit ihr Tausende von Arbeitsplätzen schrumpf zunehmend!

00:01:32: Natürlich hatten wir keine bösen Absichten.

00:01:34: Der Anspruch an das Geschäft hat sich verändert und wir mussten nachziehen.

00:01:39: Wir hatten gar keine andere Wahl, dass deswegen Arbeitsplätze wegfallen ist bedauerlich.

00:01:45: Viele von ihnen haben Jahrzehnte in der gleichen Fabrik gearbeitet.

00:01:49: Manche werden sagen sie hätten einen anderen Weg finden müssen.

00:01:54: Nachvollziehbar aber unser Unternehmen muss nicht bewegen sonst bewegt es der Markt für uns.

00:01:59: Wenn wir hier zu den alten Kosten produzieren, kaufen die Kunden irgendwann woanders.

00:02:03: Dann verschwindet nicht nur die Fabrik dann verschwinden auch wir und alle Arbeitsplätze unserer Firma.

00:02:09: Also kaufen wir dort ein, wo die Lohnkosten niedriger sind.

00:02:13: Du meinst Risiken- und Kollateralschäden gehören zum Geschäft dazu?

00:02:18: Leider ja.

00:02:19: Der Angst hat wird niemals Erfolg haben.

00:02:22: Wandel ist das Schloß des Lebens.

00:02:26: Na gut genug davon.

00:02:29: Lass uns nach nebenan gehen.

00:02:30: Ich habe Pamela gesagt, dass wir um sieben essen wollen.

00:02:36: Während die Arbeiterinnen und Arbeiter um ihre Jobs kämpfen beginnt bei H&M eine neue Ära.

00:02:42: Anfang der Neunzehnundachtziger verlagert die schwedische Textilbranche ihre Produktion endgültig ins Ausland vorrangig nach Hongkong und China.

00:02:51: In der heimischen Region verstummen die Nähmaschinen nach und nach.

00:02:56: Mit dem Off-Shoring wird das Unternehmen zum Vorreiter eines neuen Systems schnell produzierte Mode zu niedrigen Preisen Das, was später als Fast-Fashion die Branche prägen wird.

00:03:08: Doch dieses System kennt nicht nur Gewinner!

00:03:11: Während Preise fallen und Wachstum explodiert entsteht eine unsichtbare Kehrseite des Erfolgs... ...und sie wird H&M teuer zu stehen

00:03:21: kommen.".

00:03:35: Ich bin Marc-Ben-Puch und das ist Imperium – Die H&N Story von Studio J. In der letzten Folge hat Gründer Ehrling Persson sein schwedisches Damenmode-Geschäft Hannes in das Börsennotierte Unternehmen H&M verwandelt, getragen von einer einfachen Idee.

00:04:05: Mode schnell und günstig für alle verfügbar zu machen.

00:04:10: Dieses Modell treibt das Unternehmen zur rasantem Wachstum und immer größeren Risiken.

00:04:15: Doch Erling Persson wird älter und möchte sich zunehmend aus dem operativen Geschäft zurückziehen.

00:04:21: Schon bald stellt sich die alles entscheidende Frage – wer soll H&N dann führen?

00:04:28: In dieser Folge bringt ein Strategiewechsel weitreichende Konsequenzen mit sich.

00:04:33: Aggressive Expansion, Produktionsverlagerung ins Ausland und der Aufbau eines hochgradig effizienten globalen Beschaffungssystems.

00:04:42: In den Neunzehntinundneunzigern setzt H&M zu einem beispiellosen Höhenflug an bis der Erfolg an seine Grenzen stößt und beinahe das Lebenswerk der Familie Persson ruiniert.

00:04:54: Das ist Folge zwei von vier Supermodels und Skandale.

00:05:11: In einem kleinen Laden mit knapp hundertfünfzig Quadratmetern Verkaufsfläche stehen halbfertige Regale schief im Raum, überall liegen Kartons.

00:05:21: Seit Stunden bauen die mitarbeitenden Regalsysteme zusammen.

00:05:25: Ein junger Verkäufer wendet sich erschöpft der Filialeiterin neben ihm zu.

00:05:29: Die Unterwäscheabteilung ist noch nicht mit Etiketten versehen, die Preistöder fehlen komplett.

00:05:34: Was machen wir denn jetzt?

00:05:35: So können wir doch nicht den ersten H&M-Sto an Großbritannien eröffnen!

00:05:39: Und das ist nicht alles... Wir kommen nicht durch den Stapelkartons im Lager.

00:05:44: Irgendwo müssen die gestreiften Sweatshirts drin sein aber ich finde sie nicht.

00:05:48: Auch die kleinen Beistelltische fehlen noch.

00:05:51: Wieso muss der dann alles so kurzfristig ankommen?

00:05:56: Die Filialeiterin wirft einen nervösen Blick zur Tür.

00:05:59: Stefan Persson kommt herein.

00:06:01: Jacke über dem Arm, Handkragen offen.

00:06:04: Als Countrymanager trägt er die Verantwortung für die morgige Eröffnung.

00:06:08: Es schaut sich im Laden um.

00:06:10: Da nickt er ruhig.

00:06:12: Ja es konnte niemand ahnen dass die Möbel und Kleidung erst eine Abend vor der Eröffnungen ankommen.

00:06:17: Trotzdem hätte ich es besser wissen müssen.

00:06:19: Aber wir müssen Ruhe bewahren.

00:06:21: Erst schaffen wir freie Wege Dann kümmern wir uns um die Ware

00:06:25: Aber damit verlieren wird Zeit.

00:06:28: Wir haben mehr zu verlieren, wenn die Kundinnen nicht durch den Laden laufen können.

00:06:32: Bei der morgigen Eröffnung geht es um mehr als nur einen neuen Standort für H&M.

00:06:37: Zum ersten Mal gibt's uns außerhalb von Skandinavien und dann direkt in London In einem der dynamischsten Mode merkte Europas.

00:06:45: Morgen muss alles klappen.

00:06:48: Passt auf!

00:06:48: Die Hälfte der Ware bleibt erst mal im Lager.

00:06:51: wir zeigen lieber weniger dafür aufgeräumt.

00:06:55: Okay Ich mache mir Sorgen.

00:07:00: Was, wenn nicht genug Kunden kommen?

00:07:02: Wir haben zwar Anzeigen geschaltet und Plakate aufgehängt.

00:07:06: Mehr Aufmerksamkeit konnten wir so kurzfristig nicht erzeugen.

00:07:09: Trotzdem...

00:07:10: Ein Ass haben wir noch im Ärmel!

00:07:13: Darüber wird man sprechen – ich hab's im Gefühl.

00:07:16: Hab' ich was nicht

00:07:16: mitbekommen?!

00:07:18: Geht es um eine Preissaktion oder ein

00:07:20: Rabatt!?

00:07:21: Nein… Wir machen etwas das uns sofort von den anderen abhebt.

00:07:25: Etwas eindeutig Schwedisches….

00:07:28: Aber

00:07:29: Was?

00:07:31: Willst du Anifried Linkstart persönlich einfliegen lassen?

00:07:35: Ich kann mir vorstellen, dass deine Familie seit der H&M-Werbekampagne einen guten Draht zu ihr hat.

00:07:40: Aber...

00:07:41: Nicht ganz!

00:07:42: Wir verschenken Schallplatten oder besser gesagt wir tauschen sie gegen Aufmerksamkeit.

00:07:48: Die Kunden kommen wegen der Musik und gehen mit einer Tüte Kleidung.

00:07:53: Ihr werdet es schon sehen.

00:07:55: Okay

00:08:02: Stefan Persson betrachtet Aufmerksamkeit als zentralen Erfolgsfaktor beim Aufbau neuer Marken.

00:08:08: Die Idee mit den Abarscheiplatten ist ein cleverer Schachzug und eine liebevolle Erinnerung an die Eröffnung des ersten Hennes-Geschäfts, bei der sein Vater jeder Kunden eine Rose geschenkt hat.

00:08:20: Die schwedische Popgruppe ABBA ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein weltweiter Erfolg.

00:08:26: Zwei Jahre zuvor hat sie den Eurovision Songkontest gewonnen.

00:08:30: Die Rechnung geht auf!

00:08:32: Am nächsten Morgen bilden sich Schlangen vor dem Laden.

00:08:35: Es ist ein großer Erfolg in einem hart umkämpften Markt.

00:08:38: London dient für H&M als Testmarkt mit kalkuliertem Risiko.

00:08:44: Die Stadt steht, mit ihren Designern, Subkulturen und der ausgeprägten Musikszene des neunzehnten Jahrhunderts für die neuesten Trends.

00:08:52: Trotzdem gelingt es dem jungen Countrymanager mit auffälligen Kampagnen und mutiger Produktauswahl in nur wenigen Jahren, H&m-als erschwingliche Marke im britischen Markt zu etablieren.

00:09:04: Mit gerade einmal neunundzwanzig Jahren spielt Stefan Persson eine Schlüsselrolle in der ersten internationalen Expansion des Unternehmens.

00:09:16: In den folgenden Jahren läuft es für R&M besser denn je, inzwischen betreibt das Unternehmen rund sechzig Filialen.

00:09:22: Es kommen immer neue dazu – die Nachfrage steigt und die Produktion kommt bald kaum noch hinterher.

00:09:29: Anfang der Neunzehnhundertachtiger verlagert das Unternehmen deshalb immer größere Teile der Fertigung ins Ausland vor allem nach Asien wo die Produktionskosten um ein Vielfaches niedriger sind.

00:09:40: Eine Entscheidung, die in Schweden unter Textilarbeitern für Unmut sorgt – für H&M jedoch die Verkaufspreise sichert!

00:09:48: Für Firmengründer Erling Perssonn der trotz wachsender Verantwortung seines Zones weiterhin die Richtung vorgibt wird zunehmend klarer.

00:09:56: Die internationale Expansion verlangt eine völlig neue Infrastruktur und langfristig eine neue Führungskraft.

00:10:10: Winter in Frankreich.

00:10:15: Auf der Restaurant-Tarasse eines nobeln Hotels sitzt Erling Parson.

00:10:19: Vor ihm ein Glas Martini, neben ihm seine neue Ehefrau Magareta.

00:10:25: Das Paar verbringt die Wintermonate häufig an der französischen Küste.

00:10:29: Trotz der malerischen Kulisse wirkt Parson nachdenklich.

00:10:34: Du bist wieder mit deinen Gedanken ganz woanders, Erling?

00:10:38: Reine Gewohnheit!

00:10:39: Es ist schwer, nicht in Gedanken durch die Stockholmer Filiale zu wandern.

00:10:44: Die Kunden zu beobachten, Schaufenster zu inspizieren... ...die Kontrolle zu haben!

00:10:51: Das kannst du doch immer noch tun wenn wir zurück sind aber überlassen solltest du es langsam jemand anderem?

00:10:58: Nicht wahr?

00:11:02: Stefan hat sich doch in London gut geschlagen

00:11:06: das hat er.

00:11:08: den Aufbau des britischen Marktes hat er wirklich mit bravur gemeistert.

00:11:12: Er ist sogar mit Pamela und den Kindern nach London gezogen um die Mentalität der Leute besser zu verstehen.

00:11:17: Er treibt das Geschäft mit Tempo voran, er denkt groß mehr Werbung mehr Risiko.

00:11:24: Du klingst stolz

00:11:28: Sagen wir.

00:11:29: ich bin vorsichtig zufrieden.

00:11:32: Schleffern hat mir einmal gesagt du weißt dass sich vieles anders machen werde.

00:11:37: Mit mir soll H&M international werden.

00:11:40: Er spricht sogar öffentlich davon eines Tages in Amerika zu eröffnen.

00:11:45: Und was denkst du darüber?

00:11:47: Na ja, grundsätzlich gefällt mir die Idee aber ich bin vorsichtiger als Stefan.

00:11:54: Amerika ist ein schwieriger Markt groß unübersichtlich voller Konkurrenz.

00:12:00: viele europäische Händler sind dort schon gescheitert.

00:12:03: Wir müssen zuerst Europa wirklich verstehen.

00:12:06: einfach wird es nicht.

00:12:08: Als sich die Firma aufgebaut habe habe ich mir jede Zahl selbst angeschaut.

00:12:13: Stefan wird sich führen müssen, ohne jeder einzelne Liste jede Nummer auf dem Papier gesehen zu haben.

00:12:19: Dafür ist H&M inzwischen zu groß.

00:12:23: Und traust du es ihm zu?

00:12:26: Wenn ich es nicht täte säßen wir nicht hier.

00:12:36: Während Erling Persson sich zunehmend aus dem Tagesgeschäft zurückzieht übernehmen zunächst erfahrene Manager die operative Führung.

00:12:44: Doch intern gilt das nur als Übergangslösungen.

00:12:47: Je stärker H&M wächst, desto drängender wird die Frage ob die nächste Generation Persson schon für eine Ablösung bereit ist.

00:12:55: Die Expansion bleibt zunächst kontrolliert.

00:12:58: H&m eröffnet nur wenige Filialen pro Land und setzt auf kontrolliertes Wachstum statt schneller Massenexpansion.

00:13:06: International wagt das Unternehmen die nächsten Schritte.

00:13:09: Nach London eröffnen neue Filialens zunächst in der Schweiz.

00:13:15: das erste H&M-Geschäft in Deutschland.

00:13:18: Das Sortiment wird schrittweise um Unterwäsche, Teenager Mode und Kosmetik erweitert.

00:13:24: Mit diesem Schritt diversifiziert H&Ms sein Geschäft gezielt.

00:13:29: Neue Kundengruppen, höhere Flächenproduktivität, ein breiteres Angebot.

00:13:33: kurz, Kunden kaufen mehr auf einmal – und das generiert mehr Umsatz!

00:13:43: Erling Persson hat das Unternehmen als Selfmadeunternehmer aufgebaut nach einfachen Regeln Klamotten verkaufen, schnell, günstig und viel davon.

00:13:51: Sein Alltag war lange überschaubar strukturiert – vormittags im Büro, regelmäßig eine Runde Golf das nahegelegene Motorboot stets bereit und gelegentlich ein Glas Brandy.

00:14:02: nach einem erfolgreichen Geschäftsabschluss Jetzt ist das Unternehmen viel größer komplexer und zunehmend international.

00:14:10: Trotzdem wächst in Erling-Person die Überzeugung dass sein Sohn bereit ist dieses Erbe anzudreten.

00:14:17: Der Zeitpunkt scheint günstig, denn H&M schreibt stabile Gewinne.

00:14:21: Wächst kontinuierlich und verfügt über ein Geschäftsmodell das sich gut auf neue Märkte übertragen lässt.

00:14:32: Er muss nicht nur das Vertrauen tausender Mitarbeiter gewinnen, sondern auch den Mut aufbringen mit den richtigen Entscheidungen H&M zu einem globalen Unternehmen zu machen.

00:15:18: Wie jedes Jahr findet sie in einem großen Konferenzsaal statt.

00:15:21: In einem kleinen Nebenraum steht Stefan Persson.

00:15:29: Prüfen blickt er in einen Spiegel und richtet den Knoten.

00:15:33: Im Saal nebenan wartet bereits ein gemischtes Publikum aus Investoren, erfahrenen Analysten und Wirtschaftsjournalisten.

00:15:42: In wenigen Minuten wird Stefan Persson seine erste Rede als neuer Vorstandsvorsitzender von H&M halten.

00:15:48: Neben ihm steht Erling Persson ... und klopft seinem Sohn auf die Schulter.

00:15:58: Ich weiß, dass Sie mich beobachten.

00:16:00: Nicht nur die Zahlen... ...mich!

00:16:02: Ob ich es kann oder ob ich nur hier stehe weil ich Dein Sohn bin.

00:16:06: Ich habe nie Management studiert.

00:16:07: was bringt mir mein Studium in Kunstgeschichte?

00:16:12: Es wird immer Menschen geben, die so denken also verschwende keinen Gedanken daran.

00:16:17: Ich kenne mich nicht besonders gut mit Konfektionsgrößen oder mit Stoffqualitäten aus und sobald es um Schnitte geht finde ich überfragt.

00:16:26: Mode ist nicht der Punkt Sie ist nur das Produkt.

00:16:30: Verkaufen... ...ist der Punkt, Wettbewerb ist der Punkt und DAS liegt ihr im Blut.

00:16:38: Das stimmt!

00:16:40: So gesehen bin ich mit deinen Preislisten am Küchentisch aufgewachsen.

00:16:44: Wie oft ging es am Abend pro Tisch um Preise Margen und Warenumschlag?

00:16:50: Eben Du hast früh verstanden warum ein Artikel ankommt und ein anderer liegen bleibt.

00:16:56: Du musst kein Designer sein.

00:16:58: Du musst entscheiden können und den Ledbewerb verstehen.

00:17:02: Allerdings habe ich viel aus dem Bauch geführt, du wirst systematischer sein müssen.

00:17:08: Genau das besorgt mich!

00:17:10: Die Leute sind an deinen Stil gewöhnt.

00:17:13: Sie gewöhnen sich an Ergebnisse.

00:17:15: Aber behalte im Hinterkopf Eine Führungskraft darf keine Unsicherheit zeigen.

00:17:23: Zweifel gehören niemals auf die Bühne.

00:17:26: Wenn du Fehler machst Korrigierst du sie eben und zwar schneller als alle anderen.

00:17:30: Du bist nicht allein, mein Sohn!

00:17:32: Ich sitze nach wie vor in der ersten Reihe.

00:17:34: Ich werde dir zuschauen... ...wie du das Unternehmen zum Erfolg führst und dir helfen.

00:17:39: Wenn du nicht weiter weißt.

00:17:42: Herr Person und Herr Person?

00:17:45: Wir sind bereit.

00:17:47: Stefan Persson richtet noch einmal seine Krawatte.

00:17:50: Sein Vater nickt ihm zu.

00:17:52: Vergiss nie Es geht nicht um Mode.

00:17:56: Es geht darum wer sie am besten verkauft.

00:18:06: Mit dem Rückzug seines Vaters,

00:18:07: n.a.,

00:18:09: endet die Ära des charismatischen Gründers der das Unternehmen über Jahrzehnte geprägt hat.

00:18:15: Der Generationswechsel wird entsprechend aufmerksam verfolgt – intern wie extern.

00:18:21: Mitarbeitende, Investoren und Branchexperten fragen sich ob Person Junior dieselben Instinkte besitzt wie sein Vater und ob er das Unternehmen ebenso erfolgreich führen kann.

00:18:32: Gleichzeitig steht er vor einem Balanceakt Die Gründungswerte bewahren, ohne in der Vergangenheit stehen zu bleiben.

00:18:39: Weder darf Stefan Persson die Geschichte des Unternehmens auslöschen noch seinen Vater bloß kopieren.

00:18:46: Zum Zeitpunkt der Übernahme ist H&M ein gesundes Unternehmen.

00:18:50: Über dreitausend Mitarbeitende sind bereits für die Firma tätig, die Umsätze wachsen und die Expansion in Europa verläuft kontrolliert.

00:18:58: Die Ausgangslage scheint stabil – vielleicht sogar komfortabel!

00:19:03: Doch gerade in einen der strategisch wichtigsten Märkte zeichnen sich bereits die ersten Probleme ab.

00:19:16: Stockholm, aus dem Jahr fournster.

00:19:19: Im H&M-Hauptsitz im Zentrum der Stadt.

00:19:21: Morgenlicht fällt durch hohe Fenster.

00:19:24: Stefan Persson beugt sich über Berichte.

00:19:27: Zwischen Ohr und Schulter klent ein Telefonhörer.

00:19:30: Der CEO blickt auf.

00:19:32: Ein Mann steht im Türrahmen.

00:19:34: Du wolltest mich sprechen?

00:19:37: Hallo Thomas!

00:19:38: Schließt gern die Tür hinter dir und setz dich.

00:19:42: Thomas Enderstein arbeitet seit sechs Jahren bei H&M.

00:19:45: Seit kurzem ist er als Einkaufsleiter verantwortlich für Einkauf- und Sortimentplanung.

00:19:50: Er ist jung, aufgeweckt, ehrgeizig ... Ich komme gleich zum Punkt!

00:20:03: Der Markt in Deutschland macht mir Sorgen.

00:20:05: Er läuft nicht so wie er müsste.

00:20:07: Du weißt, dass wir vor ein paar Jahren erst die Filiale in Hamburg eröffnet haben.

00:20:11: Westdeutschland ist wichtig für uns!

00:20:14: Es ist der Schlüsselmarkt – das größte Land Europas.

00:20:17: Wirtschaftsstark, urban, wachsend.

00:20:19: Wenn wir es dort nicht schaffen, schaffen wir's nirgendwo.

00:20:23: Meinem Verständnis nach steigen die Umsätze dort zwar langsam aber sie steigen.

00:20:29: Langsam reicht nicht... Wir haben Fehler gemacht und geglaubt, wir könnten alles aus Schweden kopieren.

00:20:35: Gleiche Preise, ähnliche Flächen, gleiche Warenrotation Aber Deutschland ist kein größeres Schweden!

00:20:41: Wir haben den Markt unterschätzt.

00:20:42: Er ist größer gesättigter Und die Kundschaft tickt anders.

00:20:47: Sie achtet sehr auf den Preis und die Qualität.

00:20:50: Der Wettbewerb ist dort härter als anderswo.

00:20:52: C&A Kaufhof Karstadt.

00:20:54: Im Gegensatz zu uns sind diese Ketten längst etabliert.

00:20:58: Mode für alle heißt nicht überall dasselbe.

00:21:01: Was kann ich tun?

00:21:03: Ich möchte dich nach Deutschland schicken.

00:21:04: Ich möchte, dass du dazuhörst was die Kunden wollen.

00:21:08: Analysierst was wir anders machen müssen.

00:21:11: Strukturierst, was bisher ungeordnet läuft.

00:21:14: Stell dir einen Team zusammen und bring unser Geschäft in Deutschland auf Kurs.

00:21:19: Wow!

00:21:20: Das ist wirklich eine große Verantwortung Eine sehr große Verantwortung.

00:21:26: Ich vertraue dir.

00:21:28: Außerdem wird mein Vater vor Ort sein.

00:21:30: Du wirst ihn voraussichtlich nächste Woche treffen.

00:21:34: Entschuldige mich, ja?

00:21:39: Ja!

00:21:40: Okay.

00:21:43: Thomas Emderstein ist nicht der Einzige, der den deutschen Markt besser verstehen und H&M darauf ausrichten soll.

00:21:50: Auch Gründer Erling Persson inzwischen siebenundsechzig Jahre alt und überwiegend in Großbritannien lebend hält weiterhin die Fäden in der Hand.

00:21:58: Aus dem Hintergrund behält er die internationalen Aktivitäten im Blick und greift immer wieder direkt in das schwierige Deutschlandgeschäft ein.

00:22:06: Mindestens einmal im Monat reist der ehemalige CEO in die Bundesrepublik oft unangekündigt.

00:22:13: Seine Besuche zeigen sofort Wirkung, Prozesse beschleudigen sich, Entscheidungen werden schneller getroffen.

00:22:19: Aus Respekt vor dem Firmengründer wird Ware kurzfristig nachgeliefert Schaufenster bis ins Detail überarbeitet und Abläufe gestraft.

00:22:28: Den öffentlichen Erfolg überlässt Erling Persson seinem Sohn.

00:22:32: Stefan Persson kümmert sich währenddessen um die Auswahl weiterer Geschäftsstandorte.

00:22:37: Einmal im Quartal reist er in die deutschen Großstädte, verhandelt mit Immobilien-Eigentümern und sichert die besten Standorte gegen konkurrierende Kaufhäuser wie C&A.

00:22:48: Thomas Enderstein wird später einmal sagen, dass der Leistungsdruck und die Verantwortung dieser Zeit enorm waren.

00:22:54: Wer mithielt konnte stolz sein – wer nicht mithield musste gehen!

00:22:58: Doch die Umstrukturierung zahlt sich aus.

00:23:06: Dank der Anpassung an die Kundenbedürfnisse explodieren nineteenhundertfünfundachtzig die Umsätze.

00:23:12: Vierzehn Westdeutsche Filialen verkaufen in kurzer Zeit über dreihundert Millionen Stück Ware.

00:23:17: Deutschland etabliert sich als Schlüsselfaktor für das Wachstum, innerhalb von vier Jahren verdoppelt H&M seine operative Größe.

00:23:25: Für Erling Persson ist das der Moment endgültig loszulassen.

00:23:29: Mitte der neunzehnhundertachtziger Jahre zieht er sich aus dem Vorstand zurück.

00:23:34: Stefan Persson ist nun Mehrheitseigentümer und kann auf Hauptversammlungen faktisch allein entscheiden.

00:23:40: Mehr als viertausend Mitarbeitende arbeiten inzwischen für H&M, doch der rasante Erfolg hat seinen Preis – und verändert Stefan Perssons.

00:23:50: Sein Führungsstil wird kompromissloser.

00:23:53: Mehrere Manager verlassen das Deutschlandgeschäft, werfen Stefan Perssohn zu zentrale Führung Eigenlob-und ungleichige Winferteilungen vor.

00:24:02: Auch Thomas Enderstein lehnt eine Beförderung ab und steigt aus.

00:24:06: Ein Rechtsstreit folgt, Stefan Persson bleibt davon unbeeindruckt.

00:24:10: Im Gegenteil – die Erfahrungen aus Deutschland bestärken ihn.

00:24:14: Schritt für Schritt beginnt er dem Unternehmen einen neuen Anstrich zu verpassen.

00:24:35: Dort befindet sich das Designbüro Vita Romit.

00:24:39: Übersetzt, das weiße Zimmer.

00:24:41: Weiße Wände, weiss lackierte Tische, Boden in weiß.

00:24:46: Zwischen Stoffproben, Skizzen und Mutboards liegen Taschenrechner, Kalkulationsbögen- und Absatzprognosen.

00:24:54: Eine Gruppe junger Designerinnen und Designer beugt sich über Entwürfe.

00:24:58: In der Mitte steht Margareta van den Bosch, Seit kurzem erste Chefdesignerin von H&M.

00:25:06: Eine Position, die man sonst nur aus renommierten Luxus-Modehäusern kennt.

00:25:12: Die Zeichnung der Hose gefällt mir gut!

00:25:15: Sie auch.

00:25:16: Stefan Persson tritt ein – gefolgt von Führungskräften aus Einkauf und Logistik.

00:25:22: Hallo Margarita Ich hoffe wir stören dich nicht.

00:25:25: ich wollte der Gruppe nur zeigen woran wir gerade arbeiten.

00:25:28: Erklärst du es ihnen?

00:25:29: Du kannst das besser als ich.

00:25:31: Gern Hallo zusammen.

00:25:35: Was ihr hier seht, ist der neue ästhetische Leitfaden von H&M.

00:25:39: Wir schauen nicht länger was auf den Pariser oder Londoner Laufstegen gefeiert wird.

00:25:44: bisher haben wir ja nur dorthin gesehen dann angepasst und umgesetzt.

00:25:49: aber Trends finden sich überall auf der Straße auf Konzerten in Cafés.

00:25:54: unsere Aufgabe ist es den Zeitgeist aufzuspüren und für unsere Kunden umzusetzen.

00:26:00: so werden wir das Sortiment auf.

00:26:03: Unsere Kleidung soll nicht nur günstig und schick sein, sie soll auch eine eigene Handschrift haben.

00:26:09: Da stimmt!

00:26:10: Gleichzeitig ist unsere Stärke dass wir schneller entscheiden als andere... ...und günstiger einkaufen.

00:26:16: Traditionelle Modehäuser bündeln ihre Produktion im eigenen Haus.

00:26:20: Wir haben uns bewusst für das Gegenteil entschieden Auslagerungen statt Besitz.

00:26:24: Wir haben zwar keine Fabriken Aber es ist kein Nachteil.

00:26:27: Es ist unsere Freiheit.

00:26:29: Unser Investment geht in die Steuerung, via Arbeit mit hunderten Zulieferbetrieben weltweit.

00:26:34: Türkei für kurze Lieferzeiten, China für große Volumen, Bangladesch für Basics.

00:26:39: Wenn es in einem Land zu teuer wird verlagern wir die Produktion einfach.

00:26:43: Wir sind an nichts gebunden.

00:26:45: Stefan Persson nickt einem Einkäufer neben sich zu Das stille Signal zu übernehmen.

00:26:51: Wir haben die Zwischenstufen in den Lieferketten entfernt.

00:26:54: Statt über Großhändler zu gehen kauft H&M direkt bei den Fabriken ein.

00:26:58: Das senkt die Kosten, erhöht die Kontrolle über Preise und Mengen.

00:27:02: Und lässt uns schneller auf Trends reagieren, weil weniger Abstimmungsstufen mit anderen Parteien notwendig sind.

00:27:08: Damit werden wir quasi zu unserem eigenen Großhändler.

00:27:13: Ganz genau!

00:27:14: Die Lieferkette beginnt aber immer hier im Designbüro in Stockholm führt dann über Einkaufs- und Produktionsbüros rund um die Welt... ...und endet schließlich in unseren europaweiten Filialen.

00:27:25: Also nie lang grübeln Immer rasch entscheiden Stefan.

00:27:29: Bis Mitte der Neunzehntetachtiger arbeiten bei H&M gerade einmal fünf Designer und sie orientieren sich stark an aktuellen Laufstegtrends.

00:27:43: Genau das wird aber zum Problem, es entsteht der Eindruck, H& M kopiere lediglich die Mode anderer Marken.

00:27:51: Stefan Persson will das ändern!

00:27:52: Mit der neuen Chefdesignerin Margarita van den Bosch baut H&m erstmals eigene Designkompetenz auf.

00:28:00: Trends werden nicht mehr nur übernommen, sondern gezielt beobachtet und für verschiedene Märkte angepasst.

00:28:07: Aus der Vergangenheit hat das Unternehmen gelernt günstige Mode funktioniert weltweit aber der Geschmack ist unterschiedlich.

00:28:15: was in Schweden gut läuft muss in Deutschland oder Frankreich nicht automatisch auch funktionieren.

00:28:20: um darauf reagieren zu können verändert H&M seine internen Abläufe.

00:28:25: Design Einkauf und Produktion arbeiten enger zusammen und stimmen sich schneller ab.

00:28:30: Neue Produkte sollen nicht mehr nur saisonal entstehen, sondern laufend.

00:28:35: Der Fokus verschiebt sich!

00:28:37: Nicht mehr die einzelne Kollektion steht im Mittelpunkt, sondern die Geschwindigkeit mit der neue Ware in die Läden kommt.

00:28:44: Die Lieferkette wird zum entscheidenden Faktor und zur Grundlage eines Systems das als Fast-Fashion bekannt wird.

00:28:56: Die Strategie zahlt sich aus.

00:28:58: Ende der neunzighundertachtziger expandiert H&M weiter in Europa unter anderem in die Niederlande.

00:29:05: Die Kernmärkte in Schweden, Norwegen, Dänemark, Deutschland und der Schweiz laufen stabil.

00:29:11: Mehrere Hundert Filialen gehören inzwischen zum Netzwerk.

00:29:15: H&M ist zwar noch kein globaler Player – aber ein äußerst effizienter europäischer Händler mit weltweitem Einkauf!

00:29:22: Und mit dem Erfolg wächst auch das Selbstbewusstsein des Unternehmens.

00:29:27: Ende der Neunzehnhundertachtiger befindet sich H& M auf einem klaren Wachstumskurs und baut seine Marktposition konsequent aus.

00:29:36: Stefan Persson wird in den letzten Jahren zum Manager des Jahres gekürt.

00:29:41: Beim vierzigjährigen Firmenjubiläum inszeniert der ambitionierte CEO das Unternehmen auf einem englischen Schloss, inklusive Champagner, Modenschau und Gästen aus der internationalen High Society.

00:29:53: Mit dem Glanz beginnt auch eine neue Ära von Supermodels, Skandalen und ersten großen Konflikten Die schon bald den Erfolg des Unternehmens ernsthaft gefährden.

00:30:21: Anfang in einem Fernsehstudio in Stockholm.

00:30:26: Scheinwerfer tauchen das Studio in grelles Licht, Stefan Persson sitzt auf der Bühne an einem Tisch die Hände zusammengefaltet.

00:30:33: Neben ihm Ebon Kram eine prominente Vertreterin der schwedischen Frauenbewegung und Vorsitzende des Dachverbandes der Fraunhäuser.

00:30:42: Hinter der Moderatoren ist auf einer Leinwand Ein überlebensgroßes Bild zu sehen, das im Zwischen ein ganz Skandinavien bekannt ist.

00:30:51: Das Playboy-Model Anna Nicole Smith in weißer Spitzenunterwäsche blond, kurvig selbstbewusst inszeniert.

00:30:59: Ein breites Lächeln auf dem Gesicht während ihr Dekolleté beinahe aus dem knappen BH zu fallen scheint.

00:31:08: Begrüßen Sie mit mir H&M Vorsitzenden Stefan Persson!

00:31:15: Herr Persson, Ihre aktuelle Unterwäsche-Kampagne mit Anna Nicole Smith wird zur Zeit heiß diskutiert.

00:31:22: In Norwegen wird sie im Parlament debattiert – manche Plakate wurden sogar überklebt!

00:31:28: Verstehen Sie diese Aufregung?

00:31:31: Unsere Absicht war klar... Wir zeigen die neue Unterwäschekollektion wie jedes Jahr zu Weihnachtskampagnen und wir wollten das Menschen hinschauen.

00:31:41: Ist dafür eine hervorragende Wahl.

00:31:43: In Norwegen werden die Plakate vielleicht überklebt, aber anderswo stehlen Fans die Poster von den Wänden.

00:31:49: also ehrlich gesagt Die ganze Debatte ist mir unbegreiflich auch wenn sie das anscheinend anders sehen.

00:31:54: Frau Kram

00:31:55: Es geht hier nicht darum dass Sie Unterwäsche bewerben.

00:31:58: es geht darum wie sie es tun.

00:32:01: diese Bilder zeigen einer halbnackte frau in posen die nichts mit Kleidung zu tun haben.

00:32:07: Frauenkörper werden zur Projektionsfläche Für männliche Fantasien, für Konsum.

00:32:12: Für Macht und weibliche Unterwerfung.

00:32:15: Hier sehen Sie – das ist doch Pornografie!

00:32:20: Auf dem Bildschirm erscheint eine weitere Aufnahme.

00:32:23: Anna Nicole Smith liegt auf dem Boden in schwarzem Spitzen-Body und Strapsen.

00:32:29: Die Beine in die Luft gestreckt.

00:32:30: ein Finger lasst Zief am Mundwinkel.

00:32:33: Person bleibt trägungslos.

00:32:36: Tolles Foto?

00:32:38: Verstehen sie mich nicht

00:32:38: falsch?!

00:32:39: Ich respektiere Ihre Arbeit sehr, aber ich sehe in diesen Bildern keine Pornografie.

00:32:44: Ich sehe eine selbstbewusste Frau die Unterwäsche trägt und genau diese verkaufen wir.

00:32:50: Kinder sehen die Werbung Frauen sehen sie Autofahrer sehen Sie Und einige bauen vor Schreck sogar einen Unfall.

00:32:58: Diese provokanten Plakate sind gemeingefährlich

00:33:02: Gefährlich?

00:33:04: Vielleicht ist das wirklich provozierend wenn ich das bild.

00:33:07: vielleicht Sind es unsere Preise bei H&M?

00:33:11: Manche Menschen finden es offenbar gefährlicher, dass Unterwäsche erschwinglich ist.

00:33:17: Sie scheinen nichts ernst zu nehmen!

00:33:19: Viele fühlen sich durch ihre Kampagne herabgewürdigt.

00:33:24: Stefan Persson schnaubt leicht und hebt langsam seinen Blick bevor er spricht.

00:33:29: Sie meinen also wir bei H & M verachten Frauen.

00:33:34: Achtzig Prozent unserer Mitarbeitenden sind Frauen.

00:33:38: H&M ist ein Unternehmen, das von Frauen getragen wird.

00:33:41: Der Vorwurf des Sexismus ist... mit Verlaub?

00:33:45: Makaba!

00:33:47: Frau Kramm – eine Jugendorganisation der Sozialdemokraten hat zum Boykott von H& M aufgerufen.

00:33:55: Die Beschwerden beim Rat gegen Geschlechterdiskriminierung sind um twenty-fünf Prozent gestiegen in diesem Jahr.

00:34:02: Halten Sie das für

00:34:03: gerechtfertigt?!

00:34:05: Wenn ein Unternehmen systematisch einen Frauenverachtendes Bild verbreitet, muss man reagieren.

00:34:11: Das ist keine Kleinigkeit!

00:34:13: Ich finde, Proteste sind völlig legitim.

00:34:17: Beukorte sollten jedoch für schwerwiegende Angelegenheiten reserviert bleiben – Für echte Unterdrückung.

00:34:22: Für Menschenrechtsverletzungen nicht Verwerbung für Unterwäsche.

00:34:26: und übrigens die Klagen beim Diskriminierungsrat wurden abgewiesen.

00:34:30: Unterwäsche darf mit Models beworben werden, solange das Bild mit dem Produkt zusammenhängt.

00:34:35: Herr Persson!

00:34:37: Die Werbekampagne mit Anna-Nicoles Smith ist eine der umstrittensten Aktionen in der schwedischen Wirtschaftsgeschichte.

00:34:45: Würden Sie es beim nächsten Mal anders machen?

00:34:48: Nein – wir sind stolz darauf.

00:35:04: Besonders die Diszukampagnen zur Weihnachtszeit sorgen alljährlich für Aufmerksamkeit.

00:35:10: Während öffentlich moral und Anstand der Werbeaktionen diskutiert werden, steigen die Verkaufszahlen kontinuierlich – nicht zuletzt auch dank der Supermodels der Ära.

00:35:20: Cindy Crawford Claudia Schiffer Naomi Campbell Linda Evangelista L The Body McPherson Sie alle werden zu Gesicht an der Marke.

00:35:31: Plötzlich tragen Supermodells Kleidung die sich fast alle leisten können.

00:35:36: Billigmode verliert ihr Stigma, Stil wird demokratisiert.

00:35:41: Auch die H&M-Leben verändern sich und werden heller, moderner, kosmopolitischer.

00:35:46: Stefan Persson versteht das Image Teil des Geschäftsmodells ist.

00:35:51: H& M investiert vier bis fünf Prozent seines Umsatzes in Werbung.

00:35:55: In den letzten Jahren sind das rund eine halbe Milliarde schwedische Kronen – umgerechnet hundertzwanzig Millionen D-Mark.

00:36:10: Die Sichtbarkeit seines Geschäfts macht Stefan Persson selbst zu einem einflussreichen Mann.

00:36:15: Eng vernetzt in Politik, Gesellschaft und sogar beim schwedischen Königshaus.

00:36:20: In internationalen Vermögensrankings klettert er von Platz twohundertfünfundachtzig auf achtundsebzig.

00:36:28: Zum ersten Mal mischt sich der H&M-CEO nun auch in politische Debatten ein.

00:36:34: Stefan Perssohn unterstützt den EU-Beitritt Schwedens fordert einen freien europäischen Markt für die Modeindustrie und reagiert klar, als eine höhere Vermögenssteuer für schwedische Großaktionäre diskutiert wird.

00:36:47: Er droht öffentlich H&M ins Ausland zu verlagern – und die Regierung passt das Gesetz an!

00:36:54: Gleichzeitig baut der sein Privatvermögen systematisch aus.

00:36:58: Über seine Holding Ramsbury in West fließen Dividenden im Immobilien in Großbritannien.

00:37:04: Ein Vermögungsimperium neben H& M entsteht abgesichert durch legale, aber politisch umstrittene Steuerstrategien.

00:37:12: Stefan Persson weiß, Einfluss und Verantwortung gehen Hand in Hand – und wer sie klug nutzt, bestimmt nicht nur über ein Unternehmen sondern auch über seinen Platz in der Gesellschaft.

00:37:24: Doch schon bald merkt er, dass wer hoch fliegt auch tief fallen kann.

00:37:35: Ende Mai, nineteenhundertsehnundneunzig Stockholm In der berühmten Veranstaltungshalle Globen Unter der riesigen Glaskuppel balancieren Kellner silberne Tablets durch die Menge.

00:37:47: Der Anlass der prunkvollen Feier, fünfzig Jahre H&M.

00:37:51: Mehr als siebenhundert Gäste sind gekommen.

00:37:54: Investoren, Politiker, Geschäftspartner, Männer und Frauen aus ganz Europa.

00:38:00: Aber auch Mode-Journalisten und Journalistinnen, die sich vor dem Rednerpult versammelt haben.

00:38:05: Stefan Persson betritt die Bühne.

00:38:07: Grauer Anzug, blaue Krawatte.

00:38:09: In der einen Hand ein Champagnerglas Die andere Steckblocker in der Hosentasche.

00:38:14: Der eins zurückhaltende CEO wirkt souverän.

00:38:18: Ich bin sehr stolz, unser Konzept ist nach wie vor einfach!

00:38:23: Wir wollen immer die neueste Mode anbieten zum niedrigsten Preis für ein vergleichbares Produkt und wir schaffen das auch.

00:38:30: Warum?

00:38:32: Weil wir bei H&M ein starkes zentrales Management haben.

00:38:36: Trotzdem wissen wir dass noch einiges zu tun ist.

00:38:40: Herr Persson H&M ist auf dem Höhenflug.

00:38:43: Wie geht es weiter?

00:38:46: H&m ist bereits in vierzen Ländern weltweit vertreten.

00:38:49: Wir sind kein skandinavischer Händler mehr, wir sind jetzt europäisches Schwergewicht.

00:38:55: Mindestens fünfzig neue Filialen werden wir noch in diesem Jahr eröffnen und bis Ende des Jahres werden wir bei deutlich über Fünfhundert Stores stehen – weltweit!

00:39:04: Ein Reporter vom schwedischen Fernsehsender TV Vier dringt sich nach vorne zu Person.

00:39:09: Herr Person eine Frage Sind niedrige Löhne in den Produktionsländern eine Voraussetzung für den Erfolg von H&M?

00:39:19: Nein, das ist überhaupt nicht der Fall.

00:39:21: Wir fertigen sogar etwa fünf bis zehn Prozent unserer Ware in Europa!

00:39:26: Aber man muss immer den Preis gegen die schnellere Lieferzeit abwägen.

00:39:30: Ihre Preise sind extrem niedrig – wie ist es

00:39:32: möglich?!

00:39:34: Ja… Wie ist das möglich?

00:39:36: Bei H& M ist Mode ein Vergnügen für arme und reiche Gleichermaßen.

00:39:41: Sie müssen uns verzeihen Aber Details behalten wir lieber für uns.

00:39:45: Doch keine Sorge, ich finde soziale Verantwortung hat ihren Preis und diesen muss man auch zahlen.

00:39:51: Aber Schluss mit der Ernsthaftigkeit?

00:39:53: Heute Abend wird gefeiert!

00:39:55: Die schönsten Models überhaupt werden uns jetzt auf dem Laufsteg ein paar Teile der neuen Kollektion präsentieren.

00:40:01: Das Jubiläum wird ein PR-Erfolg.

00:40:10: H&M wirkt modern, glamourös unaufhaltsam.

00:40:14: Stefan Persson inzwischen einer der reichsten Männer Europas steht im Zentrum des Erfolgs.

00:40:20: Doch nur wenige Monate später zerplatzt diese Blase!

00:40:24: In Dezember, siehundertsehnundneunzig sendet das schwedische Fernsehen eine Dokumentation.

00:40:30: Neue Mode – zu welchem Preis?

00:40:33: Der Film zeigt Bilder aus asiatischen Zulieferfabriken, enge Werkhalen, näherinnen die sieben Tage die Woche arbeiten teilweise bis zu sechzehn Stunden am Tag, zu Löhnen, die kaum zum Leben reichen.

00:40:46: und dann tauchen Hinweise auf Kinderarbeit in Werkstätten auf den Philippinen auf.

00:40:52: Für den Modekonzern ist es ein Schock!

00:40:54: Noch wenige Jahre zuvor hatte der CEO Kinderarbeit kategorisch ausgeschlossen, auch jetzt betont H&M davon nichts gewusst zu haben – die Produktion liege bei externen Zulieferern.

00:41:07: Doch die Folgen der Preistreiberei werden nun sichtbar.

00:41:11: Kinderarbeit ist keine bewusste Entscheidung aber eine mögliche Folge dieses Systems.

00:41:22: Die öffentliche Reaktion ist heftig.

00:41:24: Polkottforderungen werden laut, jede dritte Person in Schwäben plant weniger bei H&M einzukaufen.

00:41:31: Es ist die schwerste PR-Krise in der Geschichte von H& M. In einem Fernsehinterview betont Stefan Persson, H&m akzeptiere keine Kinderarbeit.

00:41:41: Sollte es Verstöße geben werde man handeln und die Kontrollen verschärfen.

00:41:46: Gleichzeitig verteidigt er das Geschäftsmodell Handel mit Entwicklungsländern schaffe Arbeitsplätze und wirtschaftliche Perspektiven.

00:41:54: H&M bleibt keine Wahl, es muss reagieren!

00:41:57: Mit der Einführung erster Verhaltensregeln für Zulieferer strengeren Lieferantenkontrollen unter Entwicklung eines Code of Conduct.

00:42:06: Zum ersten Mal wird soziale Verantwortung systematisch Teil der Unternehmensstrategie.

00:42:12: Der öffentliche Druck lässt langsam nach – Und H& M wächst weiter.

00:42:16: In den letzten Jahren eröffnet er erfolgreich die erste Viale in Frankreich, einem anspruchsvollen neuen Markt.

00:42:23: Im gleichen Jahr startet der Erste H&M-Onlineshop in Schweden.

00:42:28: Die Börsenkurse erholen sich.

00:42:30: Stefan Persson gründet außerdem die Erling-Person-Familienstiftung – die Wissenschaft und Forschung fördern soll!

00:42:37: Es ist auch der Versuch ein neues Image zu kreieren … das des verantwortungsbewussten Unternehmers und Philanthroben.

00:42:48: Doch die Krise hinterlässt irreparable Spuren.

00:42:51: Im März, nineteenhundert-neunzig tritt Stefan Persson als CEO zurück.

00:42:57: Er bleibt im Unternehmen als geschäftsführender Vorstandsvorsitzender.

00:43:01: Die operative Führung übernimmt nun der junge Einkaufsdirektor Fabian Monson.

00:43:06: Technik affin – modern?

00:43:08: Ein neues Gesicht.

00:43:10: Schon bald spricht kaum noch jemand über die Enthüllungsdokumentation Überschreitet H&M erstmals eine Börsen-Bewertung von hundert Milliarden Kronen.

00:43:21: Eine Verzehnfachung innerhalb eines Jahrzehnts, doch die Familie Persson will noch mehr!

00:43:28: Das nächste Ziel wurde schon vor Jahren formuliert – Die Etablierungen in den Vereinigten Staaten.

00:43:34: Genau dieser Traum wird allerdings nur zwei Jahre später plötzlich ernsthaft bedroht.

00:43:51: von Studio J. Ein Hinweis zu den Dialogen, die du gehört hast.

00:43:57: Wir wissen natürlich nicht genau was gesprochen wurde.

00:43:59: Alle Dialoge basieren nach bestem Wissen auf unseren Recherchen.

00:44:04: Ich bin Marc-Ben Hoch

00:44:06: Und ich bin Aline Staskowiak.

00:44:09: Zora Alba hat die Folge geschrieben Für Studio J Producerin Philippa Halder.

00:44:16: Executive Producer Janis Gepard.

00:44:19: Das Sounddesign hat Bibi Vongeer gemacht Gemischt von Fabian Klinkel.

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