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Die Mercedes-Benz Story | Zwei Fremde | 1

Shownotes

Folge 1/4: 1885 arbeiten siebzig Kilometer voneinander entfernt zwei Männer an derselben Idee, ohne voneinander zu wissen: Karl Benz in Mannheim, Gottlieb Daimler und sein Konstrukteur Wilhelm Maybach in Cannstatt. Als Benz selbst seinem Patent-Motorwagen nicht traut, fährt seine Frau Bertha ohne sein Wissen 104 Kilometer durchs Land – und beweist der Welt, dass das Auto funktioniert. Vierzig Jahre, zwei Weltkriege und eine Hyperinflation später finden die verfeindeten Firmen zueinander. Aus zwei Sternen wird einer: Daimler-Benz.

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Transkript anzeigen

00:00:01: Ja.

00:00:33: Der Schuster tritt vor die Tür und reibt sich die Augen.

00:00:38: Was um Himmel zwähnt, ist hier los?

00:00:41: Und was ist das überhaupt?

00:00:43: Zwei Jungen steigen aus und schieben das Gefährt an den Straßenrand.

00:00:48: Es sind Eugen, fünfzehn und sein Bruder Richard, vierzehn.

00:00:53: Vorne steigt ihre Mutter ab Den Rocksaum voller Straßensstaub Die Hände schwarz von Öl.

00:00:59: Es ist Bertha Benz, neunundreißig Jahre alt.

00:01:03: Guten Morgen, mein Herr.

00:01:05: Das ist ein Motorwagen und wir brauchen Ihre Hilfe.

00:01:08: Die Bremsklötze sind durchgeglüht das Leder ist ab

00:01:12: Ein selbstfahrender Wagen.

00:01:14: Aber wo ist das Pferd?

00:01:15: Es gibt kein Pferdd nur ein Motor Und frisches Leder.

00:01:19: wenn Sie welches für uns finden.

00:01:21: Sie sehen aus als kämen sie von sehr weit her.

00:01:25: Da liegen sie richtig.

00:01:26: Wir kommen aus Mannheim.

00:01:28: Seit Sonnenaufgang sind wir unterwegs

00:01:30: Den ganzen Weg mit Diesen Ding?

00:01:34: Und es fährt tatsächlich?

00:01:37: Meistens.

00:01:39: Eine Benzinleitung war verstopft, die habe ich mit einer Hutnadel freigestochen.

00:01:44: Ein Zündkabel wollte nicht mehr.

00:01:46: Da musste mein Strumpfband als Isolierung herhalten.

00:01:49: Das meinen Sie nicht ernst?

00:01:51: Oh doch!

00:01:52: Und in Wiesloch mussten wir Reinigungspenzin aus einer Apotheke holen Sonst wären wir gar nicht erst bis hierher gekommen.

00:01:59: Jungs, sag mal ehrlich Den ganzen Weg hat dieser Wagen geschafft.

00:02:04: Fast den Ganzen, den letzten steilen Berg mussten wir schieben!

00:02:08: Zu dritt?

00:02:09: Und wo infahren Sie damit um diese

00:02:11: Zeit?!

00:02:12: Nach Pforzheim zu meiner Mutter.

00:02:15: Ich verstehe... Gut dann haben sie vermutlich keine Zeit zu verlieren.

00:02:19: ich gehe gleich nachsehen welches Leder Ihnen taugt.

00:02:25: Der Schuster nagelt neues Leder auf die Bremsklötze Werter Benz zahlt dreht die Handkobel, mit der sich der Motor überhaupt erst im Gang bringen lässt und fährt weiter als sei nichts gewesen.

00:02:38: Bertha Benz ist noch vor Sonnenaufgang aus Mannheim losgefahren ohne ihrem Mann von ihrer geplanten Reise zu erzählen.

00:02:46: Nur einen Zettel hat sie ihm auf dem Küchentisch hinterlassen.

00:02:49: Gut hundert Kilometer will sie an diesem Tag zurücklegen zusammen mit ihren beiden Söhnen.

00:02:55: Als Pforzheim am Abend endlich in Sicht kommt telegrafiert sie ihrem Mann drei Worte Wir sind da.

00:03:04: Ihr Ehemann heißt Karl Benz und er hat den Wagen gebaut, doch erst die Fahrt seiner Frau ist der Beweis dass seine Erfindung auch wirklich funktioniert.

00:03:13: was sie dabei noch nicht wissen kann diese Fahrt wird zum Wendepunkt.

00:03:18: Es ist der Aufbruch in ein neues Zeitalter denn aus der Erfindungen von Karl Benzt soll eine Industrie entstehen die Welt verändert.

00:03:28: es geht um Milliarden um Macht und Prestige Und um einen Wettlauf, in dem nicht nur Karl Benz eine Rolle spielt.

00:03:50: Ich bin Marc-Ben Poch und das ist Imperium – die Mercedes-Benz Story von Studio J. Heute kennt so gut wie jeder Mensch das Unternehmen, dass unter anderem auf die Erfindung von Karl Benzt zurückzuführen ist.

00:04:16: Autohersteller Mercedes-Benz Über hundertdreißig Milliarden Euro Jahresumsatz knapp zwei Millionen verkaufte Fahrzeuge allein im Jahr und Werke auf mehreren Kontinenten.

00:04:31: Eine der wertvollsten deutschen Marken, und zeitweise sogar die wertvollste Marke der Welt!

00:04:37: Der Kreis mit dem dreizackigen Stern thront seit mehr als hundert Jahren fast ununterbrochen über der Automobilindustrie.

00:04:45: Es ist eines der bekanntesten Firmenzeichen der Welt.

00:04:48: Im Deutschen isst der Mercedes unter den bis heute die Formel für alles was keine Konkurrenz kennt.

00:04:56: Doch der Ursprung dieses Imperiums liegt weit zurück im neunzehnten Jahrhundert.

00:05:02: Vom Schuster auf dem badischen Land über den Hof des deutschen Kaisers bis zur High Society in Nizza.

00:05:09: Sie alle werden plötzlich mit einer Erfindung konfrontiert, die erst noch auf unglaubige Blicke trifft – ein selbstfahrender Wagen ohne Pferd!

00:05:19: Was Karl Benz seine Frau Bertha und die beiden Söhne dabei nicht wissen….

00:05:23: sie sind nicht allein mit der Vision vom Pferdellosen fahren.

00:05:27: Nur siebzig Kilometer entfernt bastelt ein zweiter Affinder am gleichen Traum, jedoch mit einer völlig anderen Idee davon wie er aussehen soll.

00:05:36: Beide Männer werden ihr Leben lang kein Wort miteinander wechseln.

00:05:40: Vierzig Jahre lang sind ihre Unternehmen erbitterte Rivalen und trotzdem zieren beide Namen am Ende ein gemeinsames Firmenschild.

00:05:50: Aber diese Geschichte beginnt nicht in einer Konzernzentrale.

00:05:53: Sie beginnt in zwei kleinen Werkstätten.

00:05:57: Das ist Folge eins von vier, Zwei Fremde.

00:06:05: Mannheim – Erste Oktober, eighteenhundertdreiundachtzig.

00:06:09: Fünf Jahre vor Bertha Bensfahrt nach Pforzheim.

00:06:13: Eine kleine Werkstadt mit vier Werkbänken.

00:06:16: Petroleumgeruch liegt in der Luft, Öl schimmert auf dem Boden.

00:06:20: Karl Benz, neun und dreißig Jahre alt, beugt sich über eine große technische Zeichnung.

00:06:26: Im Gegenüber stehen zwei wohlhabende Männer, die heute die Papiere für eine neue gemeinsame Unternehmung unterzeichnet haben.

00:06:34: Friedrich Wilhelm Esslinger und Max Kasparose.

00:06:38: Also Herr Benz zeigen Sie dem Werten Herrn Esslinge und mir was wir hier in Zukunft gemeinsam produzieren werden.

00:06:44: Meine Herren Hier sehen sie es kein Motor der nachträglich an eine Kutsche geschraubt wird, sondern ein Fahrzeug das von Anfang an eins ist.

00:06:52: Motor, Fahrwerk, Lenkung – alles ist aus einem Guss gedacht!

00:06:58: Und wer lenkt wenn kein Kutscher vorne sitzt?

00:07:00: Der Fahrer

00:07:01: selbst?!

00:07:03: Sie meinen jeder Herr soll künftig selbst kutschieren?

00:07:06: Genau das meine ich.

00:07:07: Kein Kutscha, keine Zügel, kein Pferd dass scheut, wenn eine Lokomotive pfeift.

00:07:12: Ahaaa... Für sie ist also nicht die Kutsche das Problem, sondern das Pferd davor.

00:07:18: Es ist beides – je nachdem wie man fragt.

00:07:21: Herr Benz!

00:07:22: Wir haben unser Geld mit dem Mevelocipet in den Hochrad gemacht.

00:07:25: Vorne ein Rad hoch wie ein Mann hinten ein winziges dikennnisjahr.

00:07:29: Halb-Mannheim fährt heute damit schneller als ein Spaziergang billiger als ein Pferdd.

00:07:35: aber es bleibt was isst Ein Herr auf zwei Rädern der selbst strampeln muss.

00:07:42: Und genau deshalb brauchen wir Gasmotoren, die sich an ein Hochradschrauben lassen und an nahezu jedes andere Gerät.

00:07:49: Die kann ich noch heute an jedem Hochradfahrer und an jedes Segewerk in sehr Stadt verkaufen!

00:07:55: Ich weiß was heute gefragt ist aber ich arbeite an dem, wonach man morgen fragen wird... ...und das dürfen sie am Abend wenn die Aufträge erfüllt und die Rechnungen bezahlt sind.

00:08:06: erst das Geschäft Herr Benz.

00:08:08: dann der Traum Was genau erwarten Sie von mir bis dahin?

00:08:14: Zahlende Kunden, zwölf Gasmotoren im nächsten Halbjahr.

00:08:18: Verkauft!

00:08:19: Nicht nur gebaut – dafür haben wir unser Geld gegeben nicht für Ihre Skizzen.

00:08:25: Herr Rose baut auf Motoren.

00:08:26: Ich baue auf Vertrauen.

00:08:28: Bauen sie auf uns beide, Herr Benz und wir werden gemeinsam viel erreichen.

00:08:33: Einverstanden?

00:08:34: Sie kriegen ihre zwölfe Motoren Nur aus Interesse.

00:08:38: Weselp hat ihr gefährt hier nur drei Räder.

00:08:41: Warum nicht vier, wie bei jeder Kutsche?

00:08:44: Weil ich mit drei Rädern die Lenkung nicht neu erfinden muss.

00:08:46: Bei vier Rädern kippt der Wagen in der Kurve einfach um.

00:08:50: Unsagbar!

00:08:51: Sie denken schon wieder zwei Schritte weiter als wir bezahlen.

00:08:55: Das ist meine einzige Art zu denken Herr Rose Immer zwei Schritten weiter als alle anderen.

00:09:02: Für Karl Benz ist dieser Tag ein Erfolg Obwohl seine beiden Geschäftspartner die eigentliche Visionen nicht teilen.

00:09:09: Er hat, was er in diesem Moment braucht Geld für die Gasmotoren und stille Duldung für alles andere.

00:09:17: Karl Benz, Sohn einer Dienstmarkt- und eines Lokomotivführers ist selbst zweifacher Vater und ein Geschäftsmann der bereits zwei gescheiterte Firmengründungen hinter sich hat.

00:09:28: Mit dieser jüngsten Unternehmung könnte es sich jetzt einfacher machen um wie gefordert Gasmotore konstruieren.

00:09:36: Und doch arbeitet er nachts an den Zeichnungen weiter von denen seine Geldgeber bisher nichts halten.

00:09:42: Wer sich Ende des neunzehnten Jahrhunderts fortbewegen will, hat nur begrenzte Möglichkeiten – zu Fuß mit der Eisenbahn, mit der Kutsche oder ganz neu und gerade in Mode mit dem Hochrad!

00:09:54: Eine eigene Kutssche kann sich fast niemand leisten.

00:09:57: sie gilt als Status-Symbol nicht als Alltagsgerät.

00:10:00: Allein Futter und Pflege eines Pferdes kosten pro Jahr mehr als ein durchschnittlicher Handwerker verdient.

00:10:06: Wer trotzdem fahren muss Mietet sich eine Droschke, den historischen Vorläufer des Taxis.

00:10:11: In Berlin gibt es in der letzten Zeit knapp zwei Tausend Sechs Hundert davon – dreißig Jahre später bereits rund achttausend.

00:10:19: Eine Fahrt von einer Viertelstunde kostet um die Jahrhundertwende in Berlin eine Mark.

00:10:24: Dann wird das Hochrad plötzlich populär!

00:10:27: Es ist schneller als ein Fußgänger, billiger als ein Pferd aber am Ende eben trotzdem Beinkraft auf zwei Rädern.

00:10:38: Fast zeitgleich erfindet Nikolaus Otto den Viertakt-Gasmotor auf Basis des zuvor in Paris entwickelten Verbrennungsmotors.

00:10:47: Esslinger und Rose, die bereits mit dem Hochrad reich geworden sind zählen eins und eins zusammen Ein Motor an einem Hochrad verspricht erneut ein lukratives Geschäft zu werden.

00:10:58: Auch Benz sieht das doch er will mehr.

00:11:00: Bereits drei Jahre später am neunzwanzigsten Januar, drei, sieben, vier, drei fünf für einen Wagen als geschlossene Einheit ein.

00:11:14: Siebzig Kilometer entfernt in Kanzstadt bei Stuttgart will Gottlieb Daimler früher technischer Direktor der deutscher Gasmotorenfabrik kein Fahrzeug bauen sondern den Motor selbst – einen Antrieb, der an jedes Boot jeden Wagen vielleicht irgendwann sogar einmal für die Schiene taugt!

00:11:33: An seiner Seite will Herr Maybach eins Chefkonstrukteur ebenfalls bei Deutz.

00:11:39: Beide arbeiten unter strengster Geheimhaltung in einem Schuppen, den Daimler an das Gewächshaus seiner eigenen Villa bauen lässt – so verborgen dass ein eigener Gärtner einmal die Polizei ruft weil er eine Falschmünzerwerkstatt vermutet.

00:11:53: Finanziert wird das Ganze nicht von Investoren sondern von Daimlers Abfindungen aus seiner Zeit bei Deuz.

00:11:59: Tag und Nacht wird getüftelt.

00:12:01: Bis in den letzten Jahren wurde der erste eigene Hochgeschwindigkeitsmotor entsteht.

00:12:07: Es sind zwei Perspektiven auf dem gleichen technischen Jahrhundertsprung und es ist der Startschuss für ein rasantes Rennen der Innovationen, Mannheim-Achtzehnhundertvierneunzig.

00:12:23: Elf Jahre nach Gründungen ist aus der kleinen Werkstatt von Karl Benz eine Fabrik geworden – Gutzwanzigarbeiter, ein eigener Hof!

00:12:32: Das Unternehmen Benz & CIE baut inzwischen nach festem Verfahren, was vor elf Jahren nur ein Traum war.

00:12:39: Voll motorisierte Fahrzeuge!

00:12:42: Während ein Mechaniker noch am Vergaser schraubt, hält eine Kutsche vor dem Tor.

00:12:48: Da kommt unser Gast, Herr Bentz ... Soll ich noch einmal über den Vergaserschaun?

00:12:52: Lassen Sie ihn.

00:12:53: Der Vergasern läuft oder erläuft nicht.

00:12:55: Nachjustieren macht das jetzt schlimmer.

00:12:58: Ein Kaufmann aus Frankfurt steigt aus der Kutssche.

00:13:01: Vornehm gekleidet, Misstraue schon beim Aussteigen.

00:13:05: Der Mechaniker begrüßt ihn überschwänglich.

00:13:09: Guten Tag, Werther Herr und herzlich willkommen!

00:13:12: Sie stehen vor dem ersten in Serie gebauten Automobil der Welt.

00:13:17: Das behaupten sie?

00:13:19: Hm... Ich sehe vier Räder ...und rieche Öl.

00:13:25: Ganz richtig!

00:13:26: Vier Räda und Lenkbar ohne dass die Räde sich beim Kurven fahren.

00:13:30: gegenseitig blockieren Unsere patentierte Achschenkellenkung wie auch schon bei dem Vorgängermodell Victoria.

00:13:37: Überzeugen Sie sich gerne selbst.

00:13:39: Der Kaufmann steigt zögern in das Fahrzeug ein, benskobelt den Motor an.

00:13:46: Er springt an, stottert erst Dann kommt ein gleichmäßiges Tuck an.

00:13:52: der Wagen rollt los Fünfzig Meter dann wirkt der Motor ab Und da soll ich kaufen.

00:14:01: Eine Moment!

00:14:02: Sie sollen sehen wie schnell er wieder zum Laufen gebracht werden kann.

00:14:06: Der Mechaniker eilt seinem Chef zu Hilfe.

00:14:09: Wenige Sekunden später springt der Motor wieder an.

00:14:13: Herr Benz, das ist das zweite Mal in einer Viertelstunde!

00:14:17: Ich weiß ... Doch nun frisch ans Werk.

00:14:19: darf ich bitten?

00:14:21: Der Kaufmann steigt noch einmal ein.

00:14:24: Diesmal fährt er wagen durch, dreht eine Runde, lenkt um und hält sauber vor dem Tor.

00:14:32: Was kostet er?

00:14:34: Zwei tausend Mark So so Aber in einem Jahr gibt es sich einen besseren.

00:14:41: Na das will ich aber auch hoffen, sonst habe ich meine Arbeit nicht gut getan!

00:14:45: Der Kaufmann lächelt zum ersten Mal.

00:14:48: Gut... Ich nehme ihn.

00:14:52: Glückwunsch Meister!

00:14:54: Wieder einer verkauft?

00:14:55: Das ist schon der dritte diesen Monat und der erste Käufer den ich gefeilt hat.

00:15:00: Jetzt muss das Automobil sich aber erst mal draußen bewähren.

00:15:10: an eine Erfindung zu glauben, die nur sechs Jahre zuvor überhaupt das erste Mal eine längere Strecke zurückgelegt hat.

00:15:17: Bertha Bens Jungfernfahrt nach Pforzheim liefert den ersten Beweis, dass ein solcher Wagen wirklich auf längerer Streckel funktioniert.

00:15:25: Außerdem ist es eine Geschichte, die sich weiter erzählen lässt.

00:15:28: Berthe Bens hat das Produkt ihres Mannes an wohlhabende Kunden gewissermaßen vermarktet.

00:15:35: Es tritt ein was Karl Benz zehn Jahre zu vor seinen Geldgebern prophezeit hat.

00:15:40: Aus dem geduldeten Nebengeschäft des Handwerksbetriebs ist ein eigenständiges Geschäft geworden.

00:15:46: Doch die einstigen Geldgeber profitieren nicht mehr von dem Erfolg, aus Gapses gegenüber dem Automobil verlassen beide bereits vor dem Durchbruch das Unternehmen wieder – eine fatale Fehleinschätzung!

00:15:59: Was Achtzehnhundertvierundneunzig mit siebenundsechzig Fahrzeugen seinen Lauf nimmt wird Achtzenhundertfünfundneinzig schon so Hundertdreißigfahrzeugen Aus den zwanzig Arbeitern werden innerhalb von nur fünf Jahren vierhundertdreißig, aus der kleinen Werkstatt wird eine Aktiengesellschaft und für kurze Zeit ist Benz & Cee sogar die größte Automobilfabrik der Welt.

00:16:27: Bei den Konkurrenten Daimler-und Maibach hingegen sieht es anders aus.

00:16:31: Achtzehnhundertsechzig haben sie noch keine Kunden – kein Kapital von außen!

00:16:36: Nur einen Motor, der schneller läuft als alle anderen und eine Lizenz für den Vertrieb.

00:16:42: Über einen Pariser Anwalt werden die Motoren in Frankreich vertrieben, und führen über Umwege dazu, dass ein erster Wagen mit Daimler-Lizenzmotor gebaut wird.

00:16:54: Es folgen weitere Fabrikanten, die auf dem präzisen Hochleistungsmotor aus Deutschland setzen – unter ihnen auch Aumont Pujot!

00:17:03: In Paris fahren schon bald mehr Daimlers Motoren als in Kahnstadt selbst.

00:17:08: Dort hat Maybach inzwischen ein entscheidendes Problem gelöst.

00:17:12: Sein Vergaser mit Spritzdüse zerstäubt den Kraftstoff feiner als jeder andere Motor, eine so bahnbrechende Erfindung dass sie noch ein Jahrhundert später in jedem Verbrennungsmotor der Welt nachwirkt.

00:17:26: Jedoch bringen das Lizenzgeschäft und der Erfinderreichtum kaum Geld in die Kasse.

00:17:31: und so stehen Daimler & Maybach Erst als zwei Industrielle zusammen vierhunderttausend Mark frisches Kapital in das Geschäft stecken, entsteht im November, die Daimler Motorengesellschaft – kurz DMG.

00:17:53: Doch das Geld bringt nicht nur finanzielle Rettung sondern auch Verpflichtungen gegenüber fremden Herren im Vorstand.

00:18:01: Man einigt sich auf eine Strategie, die sich radikal von Bens und Ziehe unterscheidet.

00:18:07: Daimlers soll schnell teuer und Aufsehen erregend sein.

00:18:11: Wer einen Daimler-Motor kauft, soll damit auch Rennen fahren!

00:18:16: Der Gedanke dahinter?

00:18:17: Ein Sieg auf der Strecke verkauft mehr Wagen als jede Werbeanzeige.

00:18:23: Einer, der die Strategie in die Tat umsetzt ist Emil Jellinek – ein österreichischer Kaufmann, den die Wagen nicht nur vertreibt sondern auch selbst damit durch Europa rast.

00:18:34: Für ihn ist ein Automobil nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern auch eine Eintrittskarte für eine Welt in der man nur mit Namen verkehrt die jeder kennt.

00:18:58: Nizza, Frankreich April-Ninzenhundert.

00:19:01: Ein Restaurant an der Promenade des Anglais Blick aufs Mittelmeer, Kellner in Weiß, Champagner im Kühlern Hier verkehrter europäische Geldadel wenn er dem Winter zu Hause entflieht.

00:19:15: An einem der besten Tische sitzt Emil Jellinek, österreichischer Kaufmann und seit Jahren der wichtigste Einzelkunde der Daimler Motorengesellschaft.

00:19:24: Wenn er rennen fährt dann unter einem Pseudonym das inzwischen ebenso viele Menschen kennen wie seinen richtigen Namen.

00:19:31: Jellinek wendet sich an den Mann ihm gegenüber einen Vertreter der DMG.

00:19:37: Mein Herr!

00:19:38: Zuerst einmal sollten wir auf dem kürzlich verstorbenen Gottlieb Daimlar anstoßen.

00:19:43: Ohne ihn säßen wir heute nicht hier.

00:19:47: Mit Herrn Maybach setzt die Firma aber auf eine kompetente Nachfolge, in diesem Sinne also... ...auf den schnellsten Wagen, den ihr Haus je gebaut hat!

00:19:58: Auf Gott liebt Daimler und auf die Zukunft.

00:20:02: Und mit Verlaub das mit dem schnellsten wagen sagen sie nach jedem Abschluss Helje Linek Weil es nach jeder Bestellung wieder stimmt Ihre Ingenieure werden mit jedem Jahr besser Und ich mit jedem Jahr ungeduldiger auf noch mehr Geschwindigkeit, auf diesen technischen Fortschritt.

00:20:22: Herr Jelinek, Ihr letzter Wunsch war schon schwer genug!

00:20:25: Ein Motor mit über thirty-fünf Pferdestärken leichter und windschnittiger als alles was wir bisher gebaut haben.

00:20:33: Die Herren im Vorstand fragen sich langsam wofür sie eigentlich noch bauen wenn ein einzelner Kunde vorschreibt wie ihr nächstes Modell auszusehen hat Weil dieser einzelne Kunde bisher immer wusste, was die Kundschaft will.

00:20:48: Bevor ihre eigenen Ingenieure es wussten?

00:20:51: Reden wir übers Geschäft!

00:20:54: Yelinek greift in die Jagdentasche und legt ein handgeschriebenes Blatt auf den Tisch.

00:21:00: Ich will six um dreißig wagen das entspricht fünfhundertfünfzig tausend Mark alles im voraus.

00:21:07: Das ist ein Drittel unserer Jahresproduktion Herr Yelineck.

00:21:11: Deswegen stelle ich auch Bedingungen.

00:21:13: Allein Vertrieb für Österreich-Ungarn, Frankreich, Belgien und die Vereinigten Staaten – und einen neuen Namen für den Wagen.

00:21:21: Einen neuen Namen?

00:21:23: Daimler verkauft sich in Paris um Nizza schlechter als Affärt!

00:21:28: Mein Herr... Der Name klingt zu Deutsch, zu sehr nach Werkstatt….

00:21:33: der Wagen heißt ab sofort nach meiner Tochter und meinem Rennpseudonym Mercedes?

00:21:44: Das müsste ich dem Vorstand erst vorlegen.

00:21:48: Der Vertreter blickt auf das Blatt Papier, dann aufs Meer.

00:21:53: Er weiß aber, dass der Vorstand noch mehr Fragen stellen wird sollte er ohne Unterschrift zurückkommen.

00:22:00: Der Vertreter zögert ... Dann unterschreibt er!

00:22:07: Das Geschäft zwischen Jelinek und DMG in Nizza ist ein Wendepunkt eines langen technischen Weges den die DMG mit dem Mercedes-CADES-Fünfundreißig PS auf ihre Weise vollzieht.

00:22:19: Leichterer Rahmen, tieferer Schwerpunkt – ein Motor der mehr leistet als erwiegt!

00:22:25: Wilhelm Maybach liefert die technische Innovation Helleneck vertreibt sie.

00:22:30: Auf den Kühlern der Fahrzeuge steht ab Juni-Ninzenhundertzwei Mercedes.

00:22:35: Im September wird der Name als offizielles Warenzeichen eingetragen.

00:22:39: Bei der Rennwoche von NHTSA im März, gewinnt Werksfahrer Wilhelm Werner mit dem ..C.P.S.

00:22:50: zweimal in Folge die Langstreckenfahrt NHTSa Salon NHTSaa und das Bergrennen nach La Tourbille.

00:22:58: Es ist ja Beginn einer neuen Ära im Motorsport – Der Ära Mercedes.

00:23:03: Die Nachfrage übersteigt schon bald was in Kanzstadt produziert werden kann.

00:23:08: Als die Fabrik, durch einen Unfall abrennt nutzt die DMG den Neuanfang.

00:23:14: Die Produktion zieht nach Untertürkheim, wird größer und moderner.

00:23:19: Die Belegschaft wächst binnen eines Jahres von rund achthundert auf über zweitausend Mitarbeiter.

00:23:26: Trotz dieses Siegeszugs der neuen Simplex-Reihe – vierzig, sechzig und neunzig PS in den folgenden Jahren beginnt Maybachs Position im Unternehmen zu bröckeln.

00:23:38: Er wird schrittweise entmachtet verliert seinen Titel als technischer Direktor und wird in ein reines Erfinder-Büro abgeschoben.

00:23:46: Mercedes steht zu diesem Zeitpunkt unangefochten für technische Überlegenheit, für den schnellsten und teuersten Wagen auf dem Markt.

00:23:55: Diese Erfolgsgeschichte dringt bis an den Hof des Kaisers der nicht nur einen Mercedes kauft sondern auch gleich den Rennfahrer aus Nizza Wilhelm Werner als Schuför anstellt.

00:24:14: Potsdam um neunzehnhundert sechs.

00:24:16: Am Hof des neuen Palais vor dem kaiserlichen Marschstall.

00:24:20: Der Stallkomplex ist gerade einmal gut zehn Jahre alt, mit eigens neu gebauten Garagen für die Automobile seiner Majestät.

00:24:28: der Stallmeister des Kaisers hat sein Leben den Pferden gewidmet.

00:24:32: er ist für ihr wohl verantwortlich füttert und bürstet sie täglich so auch heute als ein nagelneuer Mercedes Simplex auf den Hof rollt.

00:24:41: Ein Fahrer steigt aus Öffnet die Motorhaube, prüft etwas.

00:24:45: Sagt kein Wort!

00:24:47: Der Stallmeister spricht ihn an und das soll jetzt stehen bleiben zwischen meinen Pferden?

00:24:53: Befehl von oben, Stallmester ich lief er nur ab.

00:24:56: Sie sind also der neue Rennfahrer aus Nizza.

00:25:01: Renn Fahrer war Ich.

00:25:03: Jetzt fahre ich für seine Majestät Dann wissen sie ja wie es hier läuft.

00:25:08: Ein Pferd hat seinen Herrn in drei hundert Jahre nie im Stich gelassen Das Ding da hingegen.

00:25:14: Darf ich vorstellen, ein Mercedes-Simplex?

00:25:18: Wabenkühler von unserem Chefkonstrukteur Maybach persönlich entwickelt.

00:25:23: Achttausend kleine Röhren damit der Motor auch bei voller Fahrt kühl bleibt.

00:25:28: Lenkrad statt Kutschbock Pedale statt Zügel über hundert Stundenkilometer wenn man ihn lässt.

00:25:34: Mit dem Vorgänger dieses Wagens bin ich nineteenhundert eins im Nizza gefahren gegen alles was damals Rang und Namen hatte Und habe gewonnen.

00:25:42: Ein Pferd braucht keinen Kühler.

00:25:45: Dafür wird es müde, dieser Wagen hier nicht!

00:25:48: Besser stehen bleibt mitten auf der Straße vor allen Leuten.

00:25:51: Das kommt vor aber wenn er läuft, läuft er schneller als jedes Pferdd dass sie gesattelt haben.

00:25:56: Schnell wohin?

00:25:57: Der Kaiser hatte es nie eilig zur Kirche.

00:26:01: ein Adjutant kommt eilich aus dem Palais.

00:26:04: Seine Majestät lässt austrichten... ...der Wagen soll bereitstehen um nach dem Mittagessen den Hof zu verlassen und die Kutsche Bleibt heute im Schuppen.

00:26:14: Schon gut, schon gut!

00:26:16: Das laute Ding ist gleich wieder still... Wenn der Kaiser sich heute für einen modischen Wagen entscheidet, entscheidet sich morgen der halbe Hof dafür und übermorgen braucht hier niemand mehr einen Mann, der sich mit Pferden auskennt.

00:26:33: Mir schwarnt Böses.

00:26:36: Vor fünf Jahren bin ich noch um mein Leben gefahren damit die Leute überhaupt glauben dass so ein Wagen etwas traugt.

00:26:43: Jetzt bringe ich den Kaiser zum Mittagstisch.

00:26:46: Der Stallmeister sieht den Wagen an, als würde er schon jetzt um etwas trauern.

00:26:51: Dass er noch nicht ganz verloren hat!

00:26:56: Wenn selbst der Kaiser einen Mercedes will ist die Botschaft im ganzen Land angekommen aber... Um Ninzehundertfünf kostet ein Mercedes zwischen zehn und fünf Zehntausend Mark.

00:27:08: Ein Rechtsanwalt verdient um die Fünftausend mark Im Jahr.

00:27:11: ein Fabrikarbeiter braucht über zehn Jahre um die Summe zu arbeiten.

00:27:16: Das Auto ist eher Status-Symbol als Verkehrsmittel.

00:27:19: Wer eine Mercedes vor dem Haus stehen hat, muss niemandem mehr erklären wie es um seine Geschäfte steht.

00:27:25: Doch der Markt entwickelt sich weiter.

00:27:27: In den letzten Jahren kauft die Unternehmerfamilie Opel bis dahin bekannt für Nähmaschinen und Fahrräder die kleine Werkstatt eines Automobilkonstrukteurs in Dessau und verlegt die Produktion nach Rüsselsheim.

00:27:41: Der neue Patentmotorwagen kostet je nach Ausführung zwischen zwei tausend und dreitausend Fünfhundert Mark, ein Buchteil dessen was für eine Mercedes verlangt wird.

00:27:52: In drei Jahren verlassen fünfundsechzig Stück die Fabrik!

00:27:56: In Eisenach entstehen ähnlich kleine günstigere Wagen vor einem Publikum das sich nie einen Mercedes leisten wird.

00:28:03: Und in Amerika gründete Henry Ford, neunzehntnachtrei seine eigene Firma mit gerade einmal achtundzwanzigtausend Dollar von zwölf Investoren.

00:28:13: Als Ninzehundertach der erste Ford Model T, die Fabrik verlässt, kostet er achthundertundzwanzig Dollar.

00:28:21: Fünf Jahre später nach dem Ford-Ninzehunderteizend das laufende Fließband einführt, sinkt der Preis auf fünfhundertfünfundsiebzig Dollar!

00:28:29: Was in Mannheim und Kahnstadt noch Handarbeit von Facharbeitern ist wird in Amerika zur Frage von Takt und Stückzahl.

00:28:38: Karl Benz inzwischen über sechzig hält an seinem Prinzip fest Qualität vor Stückzahl.

00:28:44: Doch schlussendlich ist es nicht die transatlantische Konkurrenz, um die sich die Unternehmen Daimler und Benz in den nächsten Jahren Sorgen machen müssen – sondern das Schlacht fällt vor der eigenen Haustür.

00:29:09: Mannheim am August-Mann-August-Einheitsehnhundertvierzehn.

00:29:12: Wenige Tage nach Kriegsbeginn.

00:29:15: In denselben Werkshallen von Benz & Ziehe, in denen bis vor kurzem noch Luxuswagen entstanden.

00:29:21: Karl Benz, inzwischen neunundsechzig Jahre alt und längst ins nahe Ladenburg gezogen ist eigens nach Mannheim gekommen.

00:29:29: Er geht mit dem Werkmeister durch die Halle.

00:29:32: Die Bestellungen aus Berlin und Hamburg sind heute Vormittag alle storniert worden Herr Benz.

00:29:36: Alle sieben An einem Vormitag?

00:29:39: So ist es an einem Vomittag Aber die Maschinen laufen dennoch.

00:29:43: Was hat man stattdessen bestellt?

00:29:46: Lastwagen für den Nachschub Aus unserem Werk in Gaggenau Die fünf Tonner mit vierzig Pferdestärken, wie wir sie seit Jahren bauen.

00:29:53: Und zwei neue Flugmotoren!

00:29:54: Den BZ-II mit hundertfünfzehn und den BZ III mit Hundertfünftigpferdestärke.

00:30:00: Aber das wird noch verhandelt... Lastwagen bauen wir doch schon seit Jahren fürs Heer.

00:30:05: Eben deshalb geht es so schnell Herr Benz.

00:30:07: Das ganze Land hat gut fünftausend solcher Wagen im Bestand.

00:30:11: Staatlich Bezuschuss mit der Auflage in Kriegsfall gehören Sie dem heer.

00:30:16: Heute Morgen haben sie angefangen, sie zurück zu holen Unsere auch.

00:30:21: Wer soll das alles bauen?

00:30:22: Die halbe Belegschaft wird doch nun eingezogen!

00:30:25: Wir stellen um, Herr Benz... ...auch bei den Arbeitskräften.

00:30:30: Er deute zu einer Werkbank an der eine junge Frau zum ersten Mal an einer Drehbank steht unsicher aber konzentriert.

00:30:39: Vor noch einem Monat hätte ich das nicht für möglich gehalten.

00:30:43: Vieles war vor einem monat nicht vorstellbar.

00:30:46: Was verdient sie an dieser Maschine?

00:30:49: Die Hälfte von dem, was der Mann verdient hat, der vor ihr dort stand.

00:30:53: Ben sagt darauf nichts!

00:30:55: Er sieht nur zu wie die Hände das Werkzeug wechseln.

00:30:58: Bauen sie etwas.

00:30:59: gebraucht wird aber melden Sie mir jeden Mann, der von der Front nicht zurückkommt.

00:31:05: Ich will wissen wessen Namen auf unseren Lohnlisten stehen wenn das hier vorbei ist.

00:31:10: Der Bergmeister nickt und geht.

00:31:12: Ben bleibt noch einen Moment stehen und blickt auf die Werkbänke vor ihm.

00:31:20: Als der Krieg im August nineteen-hundertviertzen beginnt, brechen private Bestellungen für Luxuswagen praktisch über Nacht ein.

00:31:28: Von den Männern die im Sommer noch stolz auf ihren Mercedes oder ihren Benzwagen tragen viele inzwischen Uniformstadtchauffeurs Jacke.

00:31:37: Benz und CIE und die DMG bauen jetzt Kriegsgüter Lastwagen von Nachschub und Munition Geländegängige Zugmaschinen für schwere Artillerie vor allem aber Flugmotoren.

00:31:50: Allein die DMG liefert bis Kriegsende rund zwölf Tausend ihrer sechszylindrigen D-III Flugmotoren, den meistgebauten deutschen Flugmotor des ganzen Krieges.

00:32:00: Über beide Firmen zusammen verlassen fast zwanzigtausend Flugmotoren die Werke – dazu zweihundertfünfundsechzig komplette Flugzeuge!

00:32:09: Als Wilhelm Maybach inzwischen auch selbst nicht mehr ein Tagesgeschäft, nineteenhundhundertsiebzen das Werk in Untertürkheim besucht, findet er eine Halle in der sich Flugzeugmotoren aneinanderreihen.

00:32:22: Ein Motor ist ein Motor, soll er dort gesagt haben?

00:32:26: Er fragt nicht wofür man ihn baut!

00:32:34: Es entsteht ein regelrechter Kriegsboom.

00:32:36: Der Umsatz von Benz und Cieh verdoppelt sich von nineteenhundert vierzen bis neunzehnundachzehn.

00:32:42: Die Belegschaft wächst von siebentausend sevenhundert auf zwölf tausend.

00:32:47: Militärbestellungen zwingen beide Firmen ihre Werke umzubauen.

00:32:51: Aus dieser Umstellung entsteht unter anderem ein komplett neues Werk in Sindelfingen, Baden-Württemberg.

00:32:58: Beide Firmen werden damit fast vollständig von einem einzigen Kunden abhängig dem deutschen Staat.

00:33:05: Als der Krieg in den letzten Jahren endet, bricht diese eine Kunde jedoch auf einen Tag auf den anderen weg.

00:33:12: Vier Jahre nach Kriegsende stehen die Fabriken zwar noch aber die Märkte sind vernichtet.

00:33:18: Die Hyperinflation von löscht das Kapital beider Firmen praktisch komplett aus.

00:33:25: Ein Brot, das im Januar noch für ein paar Hundert Mark zu haben ist – kostet um November Milliarden!

00:33:32: Arbeiter die morgens noch für ihren Lohn einen Mittagessen kaufen können stehen mittags mit denselben Geldscheinen vor leeren Regalen.

00:33:40: In diesem einen Jahr baut Benz und Ziehe noch eintausend dreihundert zweiundachzig Wagen Die DMG knapp über tausend.

00:33:52: Zwei ehemals stolze Firmen sind auf einen Bruchteil ihrer einstigen Größe zusammengeschrumpft.

00:33:59: Beide versuchen sich an fremden Geschäftsfeldern, Fahrrädern, Schreibmaschinen – doch keines davon bringt genug ein um die Löhne zu sichern!

00:34:08: Beide Firmen haben zu hohe Produktionskosten für zu geringe Stückzahlen zwei Werke, zwei Vertriebsnetze und zwei Entwicklungsabteilungen für den selben schrumpfenden Markt.

00:34:19: Was zehn Jahre zuvor noch wie Erzfeinschaft aussah, sieht jetzt nur nach doppelten Kosten für dasselbe Problem aus.

00:34:27: Was für sich allein keine der beiden Firmen mehr stemmen kann, führt zur einzig verbleibenden Option – gemeinsam!

00:34:41: Erster Mai, fournzehnhundertzwanzig in Berlin Ein Besprechungszimmer der Deutschen Bank Seit einem halben Jahr hat die neue Rentenmark die Hyperinflation gestoppt Doch beide Firmen sitzen noch auf den Verlusten der vergangenen Jahre.

00:34:58: Emile Georg von Staus, Spankee und Vermittler sitzt zwischen den jeweils fünf Vertretern von Benz & Cie sowie der Daimler Motorengesellschaft.

00:35:07: Eine vierzigjährige Rivalität trennt beide Firme – doch heute soll sich das ändern!

00:35:14: Am Kopfende richtet von Stause das Wort an sie Meine Herren, ich fasse zusammen was hier eigentlich seit Monaten offensichtlich ist.

00:35:23: Keiner von ihnen kann allein die nächste Modellreihe finanzieren.

00:35:28: Keine von Ihnen kann Werke halbieren ohne die Belegschaft auf die Straße zu setzen und keiner von ihnen findet allein neues Kapital so lange sie sich gegenseitig die Preise unterbieten!

00:35:41: Und wenn wir uns weiter gegenseiti... Dann macht in zwei, drei Jahren ein Dritter die Entscheidung für sie beide.

00:35:50: Der Mann der das heute schon versucht sitzt nicht einmal in diesem Raum.

00:35:54: Der Herr besitzt im Zwischen mehr als vierzig Prozent an jeder ihrer beiden Firmen.

00:35:59: Er kauft ihre Wagen auf Kredit und bezahlt sie erst wenn die Mark nichts mehr wert ist.

00:36:05: Jeden Tag den Sie sich weiter gegenseitig bekämpfen wird es ein Griff fester.

00:36:10: Vor einem Moment sagt keiner der Herren etwas.

00:36:14: Vierzig Jahre lang hat man uns erzählt, wir seien Konkurrenten.

00:36:17: Und jetzt sollen wir über Nachtpartner werden?

00:36:20: Sie waren nie Konkurrenzen meine Herren!

00:36:22: Sie haben nur dieselbe Kundschaft auf zwei verschiedene Arten überzeugt.

00:36:27: Das lässt sich verbinden.

00:36:29: Vierzzig Jahre Groll lassen sich zwar nicht verbinden Bilanzen aber schon.

00:36:34: und was genau heißt Verbinden?

00:36:36: Wären wir eine Firma oder bleiben wir zwei?

00:36:40: Fürs erste Zwei Jede mit eigenem Namen, eigenem Vorstand.

00:36:45: Aber ein gemeinsamer Ausschuss.

00:36:47: Zehn Männer, fünf von jeder Seite entscheidet ab heute über Modelle Einkauf, Vertrieb und Werbung.

00:36:53: Keine eigenen Wege mehr!

00:36:55: Und die Gewinne werden geteilt.

00:36:57: Ungefähr sechzig zu vierzig zu ihren Gunsten meine Herren von der DMG.

00:37:02: Sechzig Zu Vierzig Obwohl wir letztes Jahr Mehrwagen gebaut haben als die DMG?

00:37:08: Stückzahlen sind nicht alles.

00:37:10: Der Name Mercedes ist heute Mehrwert, das werden wir uns merken.

00:37:15: und was wenn unsere Ingenieure sich weigern mit denen von drüben an einem Motor zu sitzen?

00:37:19: Und dann erklären sie ihnen dass es in zwei Jahren keine zwei Werke mehr gibt im denen Sie sitzen könnten.

00:37:26: Das überzeugt erfahrungsgemäß auch die Stursten.

00:37:30: Von Staus legt einen Vorschlag auf den Tisch.

00:37:34: Einer der ersten Punkte auf dem man sich einigt berührt selbst die härtesten am Tisch Die lebenslange finanzielle Absicherung von Karl und Bertha Benz.

00:37:44: Das würde er an ihn!

00:37:46: Vielleicht ist das der einzige Teil dieses Vertrags, über den sich niemand streiten wird?

00:37:53: Als die Unterschriften geleistet sind bleibt von Staus noch einen Moment stehen... Ein erster Tag zwei deutsche Firmen unter einem Dach ist nicht das Ziel meine Herren.

00:38:05: Es ist ja Anfang von etwas, dass noch entstehen muss.

00:38:10: Der Interessengemeinschaftsvertrag wird an diesem Tag unterzeichnet, gültig bis ins Jahr zweitausend.

00:38:16: Doch schon Paragraf fünfzehn hält das eigentliche Ziel fest – eine vollständige Fusion, soweit es die Steuergesetze erlauben.

00:38:26: Karl Benz und Gottlieb Daimler haben sich in ihrem ganzen Leben nie persönlich getroffen.

00:38:32: Ihre Firmen haben sich vierzig Jahre lang bekämpft mit unterschiedlichen Ideen, unterschiedlichen Strategien, unterschiedlichem Kunden.

00:38:40: Am Ende erzwingt kein Erfinder, kein Rennsieg und kein Kaiser diesen Zusammenschluss sondern eine Inflation die beiden Firmen gleichzeitig den Boden unter den Füßen wegzieht.

00:38:52: Zwei Namen, vierzig Jahre lang Konkurrenten verbinden sich durch einen Vertrag aber noch nicht zu einer gemeinsamen Marke.

00:39:00: Die kommt erst zwei Jahre später Daimler-Benz.

00:39:03: Aus dieser Fusion gehen die Silberpfeile hervor – die schnellsten Rennwagen ihrer Zeit Gebaut in genau den Jahren, in denen Deutschland in sein dunkelstes Kapitel eintritt.

00:39:22: Das war Folge eins von vier!

00:39:24: Von Imperium Die Mercedes-Benz Story – von Studio J. Wenn du mehr erfahren willst über Karl Benz Gottlieb Daimler und die Anfänge des Automobils empfehlen wir dir Gottliebe Daimlar & Karl Benze Pioniere der Automobilindustrie von Günter Franz und Friedrich Schlittberger Und Bertha Benz, eine Biografie von Uttar Grubber-Blank.

00:39:47: Ich bin Marc-Ben Poch

00:39:49: und ich bin Aline Staskowiak.

00:39:52: Janis Gebhardt hat die Folge geschrieben für StudioJ, Executive Producer, Janis Geppardt.

00:39:58: Das Sounddesign hat Justin Göde gemacht gemischt von Fabian Klinker.

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