Die Mercedes-Benz Story | Stern und Schrecken | 2
Shownotes
Folge 2/4: 1932 kämpft die junge Daimler-Benz AG ums nackte Überleben – bis ein neuer Reichskanzler den Wert des Sterns als nationales Symbol erkennt. Es folgen die schnellsten Rennwagen ihrer Zeit, gebaut in genau den Jahren, in denen Deutschland in sein dunkelstes Kapitel eintritt: ein Werk, das Flugmotoren baut und Menschen zur Arbeit zwingt, ein Land in Trümmern – und ein Comeback, das 1955 in einer der folgenreichsten Katastrophen der Motorsportgeschichte endet.
Kontakt: imperium@studio-jot.de Folge IMPERIUM: https://www.instagram.com/imperium.podcast/
Hier findet ihr unsere aktuellen Werbepartner: https://linktr.ee/imperium.podcast IMPERIUM wird vermarktet von Podstars by OMR. Du möchtest in "IMPERIUM" werben? Dann kontaktiere uns gerne unter sales@podstars.de
Transkript anzeigen
00:00:01: Jörg.
00:00:01: Dritter Juni, für ein Bild hier am Nürburgring in der Hocheifel in Rheinland-Pfalz.
00:00:15: Zum sechsten Mal findet das Eifelrennen auf der erst sieben Jahre zuvor neu gebauten Rennstrecke statt.
00:00:21: Sie ist bereits international berühmt und gilt als eine der längsten und anspruchsvollsten Strecken der Welt.
00:00:28: Mitten am Gedränge steht ein Vater mit seinem Sohn, etwa zehn Jahre alt.
00:00:31: Der auf die Männer mit den Telefonkabeln am Streckenrand zeigt.
00:00:36: Hey!
00:00:36: Geh nicht zu nah an die Strecke... Aber Vater, die Männer dort stehen doch auch direkt am Seil.
00:00:41: Das sind Melder Echte Profis.
00:00:44: Die stehen überall an der Streckel An sechzehn Hauptposten und siebenundsechzig Nebenposten rund um den Ring.
00:00:49: Und warum stehen die da?
00:00:51: Die geben jede runde Meldung Damit deine Mutti zu Hause am Radio auch mithören kann wer hier gleich vorne liegt.
00:00:56: Fünf Millionen Radios in ganz Deutschland verfolgen das hier, mehr als in jedem anderen Land.
00:01:02: Und müssen die auch groschen für den Einlass zahlen?
00:01:04: Nein!
00:01:05: Die arbeiten hier ja und mussten nicht wie wir schon zwei Stunden früher mit dem Rat hier sein vor einem Platz in der ersten Reihe.
00:01:11: Das will ich auch mal werden.
00:01:13: Vielleicht wirst du sogar Rennfahrer – dann sitzt du auch in so einem Wagen.
00:01:17: Heute fährt ihr sogar ein ganz neuer, ein Deutscher.
00:01:20: Es ist das zwölfte Eifelrennen.
00:01:23: Diesmal säumen zweihunderttausend Zuschauer die Strecke Mehr als je zuvor bei einem Rennen in Deutschland.
00:01:29: Sie alle blicken gespannt auf eine Weltneuheit, den neuen Rennwagen von Daimler-Benz.
00:01:35: Am Steuer sitzt der achtundzwanzigjährige Manfred von Brauchitsch aus Hamburg und dort an der Startlinie steht er – Der neue Wagen von Daiemler-Benz.
00:01:45: Einen Namen hat er noch nicht!
00:01:46: In den Papieren steht nur die Typbezeichnung W-Twenty gebaut nach der neuen siebenhundertfünfzig Kilo Formel.
00:01:54: Was für ein Wagen?
00:01:55: Lang und flach liegt er da.
00:01:57: Die Räder fast frei, keine Kotflügel wie man sie sonst kennt.
00:02:00: Acht Zylinder, Einkompressor, drei Komma vier Liter Hubraum Und über dreihundert PS bei nur siebenhundfünfzig Kilo Gewicht!
00:02:09: Und noch etwas fällt auf Weiß ist doch die Rennfarbe deutscher Wagen.
00:02:13: Das weiß hier jedes Kind.
00:02:15: Doch dieser Wagen glänzt in Blankhemm-Silber.
00:02:18: Warum?
00:02:19: das kann hier niemand sagen?
00:02:20: Aber darüber wird sich noch die Meuler zerreißen.
00:02:23: So viel steht fest.
00:02:25: Aber jetzt richten sich alle Augen auf die Stab-Amte.
00:02:31: Und weg sind sie!
00:02:33: Von Brauchwitz über den sofortigen Führung, gefolgt von seinem Teamkollegen Fagiovi beide im silbernen Erzähl des Bens.
00:02:41: Meine Güte... Die Konkurrenz hat diesen Tempo nichts entgegenzusetzen.
00:02:44: Ihr Vorsprung wächst und wächst.
00:02:50: Fünfzehn Runden insgesamt dreihundertzwanzig Kilometer müssen die Rennfahrer über die Nürnburgring-Nordschleife hinter sich bringen.
00:02:58: Für den W-Fünfundzwanzig wird die Strecke zur Jungfernfahrt.
00:03:01: Nur eine Woche nach der verpatzten Generalprobe in Berlin, wo der Wagen wegen technischer Probleme gar nicht erst an den Start gehen konnte.
00:03:11: Zielflagge!
00:03:12: Manfred von Brauchitsch gewinnt das Eifelrennen-Ninzehnhundertdreißig im Debüt dieses neuen Wagens mit einem unfassbaren neuen Streckenrekord.
00:03:28: Der Wagen, der hier zum ersten Mal die Ziellinie überquert bekommt noch am selben Tag einen Namen, der bis heute für deutsche Ingenieurskunst steht.
00:03:37: Silberpfeil!
00:03:39: Durch dieser Sieg fällt nicht vom Himmel.
00:03:42: Die Weichen dafür wurden bereits zwei Jahre zuvor gestellt in einer Firma die ums Nackte über Leben kämpft.
00:04:01: Ich bin Marc-Ben Poch und das ist Imperium – die Mercedes Benz Story von Studio J. In der letzten Folge haben zwei Männer, die sich in ihrem ganzen Leben nie persönlich getroffen haben unabhängig voneinander das Automobil erfunden.
00:04:30: Karl Benz in Mannheim – Gott liebt Daimler in Kanzstadt.
00:04:35: Vierzig Jahre lang konkurrieren ihre Firmen, überstehen einen Weltkrieg und nur knapp eine Hyperinflation, weil sie nineteenhundertzwanzig schließlich zusammengeführt werden.
00:04:54: Der technische Fortschritt der Fließband-Produktion lässt den deutschen Pkw-Markt in den folgenden Jahren rasant wachsen.
00:05:01: Während es eine Jahrzehnte und zwanzig noch rund hundertdreißig tausend Neuzulassungen gibt, sind das neunzehntneinundzwanzig bereits über vierhundertzwanzigtausend.
00:05:12: Doch die Weltwirtschaftskrise zwingt den Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Kissel ab neunzighundertdreizig die Modellpalette radikal zu verschlanken um die Firma überhaupt am Leben zu halten.
00:05:26: Mit dem Typ-Einhundertseptzig W-Fünfzehn von nineteenhundertdreißig gelingt es Daimler-Benz sich abzusichern.
00:05:34: Eine Limousine mit Einzelradaufhängung, die mit viertausendvierhundert Reichsmark heute ca.
00:05:39: einundzwanzigtausendeinhundred Euro immer noch kein günstiger Wagen ist – aber eine gute Option für Besserverdiener!
00:05:46: Fast die gesamte Firma lastet neunzehundertzweiund dreißig auf den Schultern einer einzigen vergleichsweise günstigen Limousinen.
00:05:54: Das ist vorerst genug um zu überleben.
00:05:56: Aber der Automobilmarkt ist im Zwischenumkämpft.
00:05:59: Opel bedient hier rund die Hälfte des deutschen Marktes.
00:06:04: Der zweite große Rivaler entsteht in Sachsen durch eine Fusion.
00:06:07: Audi, DKW, Horch und Wanderer werden zur Auto-Union.
00:06:12: Die Weltwirtschaftskrise zwingt die gesamte Branche zum Kompromissdenken.
00:06:17: Ein Jahr später hat Deutschland einen neuen Reichskanzler, der wie kein anderer vor ihm mit starken Symbolen seine Vormachtsstellung behaupten möchte.
00:06:25: Was folgt, sind zwanzig Jahre in denen Daimler-Benz sich mehr als einmal neu erfinden muss.
00:06:31: Als nationales Aushängeschild, als Rüstungsbetrieb und schließlich als die Firma, die mitten im zerstörten Nachkriegsdeutschland wieder eine der bekanntesten Demosinen der Welt baut.
00:06:43: Das ist Folge zwei von vier – Stern und Schrecken.
00:06:57: Ein Jahr zuvor im Spätherbst, in Stuttgart unter Türkeim Im Verwaltungsgebäude der Daimler-Benz AG in der Fabrikstraße direkt am Stammwerk.
00:07:08: An einem langen Tisch sitzt der Vorstand, Dichtertabergrauch hängt zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Kessel, siebenundvierzig Jahre alt zurückhaltend und ruhig und Alfred Neubauer, zweiundvierzig Jahre kräftig gebaut und bekannt für sein lautstarkes Auftreten.
00:07:24: Neubauer ist seit nineteenhundertsechsundzwanzig Rennleiter der nun gemeinsam neu eröffneten Rennabteilung Ein Posten, den er selbst erfunden hat nachdem er erkennen musste dass ihm zum Rennfahrer das Talent fehlt.
00:07:37: Jetzt ist der begeistert von dem was ihn das Entwicklungsteam gezeigt hat diese Begeisterung versuchte auch dem Vorstand zu vermitteln.
00:07:46: Herr Kisse!
00:07:46: Der neue Wagen wir nennen ihn intern w-二zig kann bis zum Sommer fertig sein acht Zylinder mit Kompressor über dreihundert PS.
00:07:55: Wenn ich ein Team dafür bekomme schlägt der Wagen jeden der derzeit an der Startlinie steht.
00:08:01: Ich höre Ihre Begeisterung, Herr Neubauer.
00:08:03: Aber ein Viertel unserer Jahresproduktion bleibt gerade noch liegen und Sie wollen einen Werksteam?
00:08:10: Vor zwei Jahren hätten wir darüber gar nicht erst diskutiert!
00:08:14: Das verstehe ich.
00:08:15: vor zwei Jahren gab es ja auch kein Geld dafür – weder Konzern intern oder fremdes Kapital.
00:08:20: Und jetzt gibt's das... Etwas abseits sitzt Jakob Berlin der nun das Wort ergreift.
00:08:26: Er ist seit diesem Jahr neu im Vorstand und offiziell ein Verbindungsmann nach München, da er in der NSDAP gut vernetzt ist.
00:08:34: Er gilt als langjähriger Freund- und Wegbegleiter von Adolf Hitler.
00:08:38: Es war Berlin persönlich, der Hitler bereits neunzehnhundertundzwanzig seinen ersten Wagen verkauft hat.
00:08:45: Nun ja ... Der Reichskanzler war am Februar auf der Automobilausstellung – als erster Regierungschef überhaupt!
00:08:53: Für den Rennsport hatte eine klare Ansage gemacht Wer international siegt, den unterstützt das Reich.
00:09:00: Mich hat man gefragt ob Daimler-Benz interessiert ist.
00:09:04: Man hat sie gefragt Herr Berlin?
00:09:07: So isst es Herr Kessel!
00:09:10: Für einen Moment sagt niemand etwas.
00:09:13: Kessel weiß was das bedeutet.
00:09:15: Geschäfte mit dem Reich werden fortan über Berlin nicht über ihn laufen.
00:09:20: Dann wendet er sich an seinen Rennleiter.
00:09:23: Und wenn wir gewinnen Herr Neubauer Wessensieg ist das dann Unsere?
00:09:28: Auf der Strecke sitzen unsere Fahrer in unseren Wagen, gebaut von unseren Ingenieuren.
00:09:32: Und im Rundfunk sagt der Kommentator ein deutscher Sieg für den Führer und das neue Deutschland!
00:09:40: Ich denke die Daimler-Benz AG kann nur dafür sorgen dass es überhaupt einen Rennsieg zu kommentieren gibt.
00:09:47: Kisse ist Geschäftsmann, errechnet auch mit Dingen die er nicht mag.
00:09:55: Na gut bauen sie ihn.
00:09:59: Neubauer bekommt sein Werksteam und soll den Wagen bauen.
00:10:03: Was in diesem Tag keiner ausspricht, der Erfolg des Automobilkonzerns wird fortan mit einem politischen Ziel verknüpft.
00:10:10: Deutschland soll seine internationale Überlegenheit auch mit Siegen auf der Rennstrecke demonstrieren.
00:10:20: Daimler-Benz erhält im Jahr nineteenhundertdreiunddreißig ca.
00:10:23: fünfhunderttausend Reichsmarkt direkt vom Reichsverkehrsministerium Bis Ende neunzehntneununddreißig insgesamt sogar rund zwei Komma acht Millionen Reichsmark.
00:10:33: Das deckt in den folgenden drei Jahren aber nur etwa zwanzig bis achtundzwanzig Prozent des jährlichen Rennetas ab, denn rest trägt die Firma selbst.
00:10:42: Zusätzlich werden Teile der Entwicklungskosten direkt beim Ministerium abgerechnet – ähnlich wie bei militärischer Forschung.
00:10:49: Ab neunzenhundertnunddreißig rollt was Kessel freigegeben hat Das Modell W-Fünfundzwanzig, dann seine Nachfolger W-Ainhundertfünfundzwanzig und W-Einhundhundfünfzig.
00:11:00: Jeder Start bei einem Rennen kostet mehr als mancher Wettbewerber für ein ganzes Jahr Werbung ausgibt!
00:11:06: Doch jeder Sieg bringt Zeitungsspalten & Wochenschau Minuten – und mit ihnen eine Bekanntheit für Daimler Bens die sich mit keinem Werbetag kaufen lässt.
00:11:20: Der einzige ernsthaft Rival bleibt die Sächsische Auto Union Bis deren Star-Fahrer Bernd Rosemeyer im Januar neunzehnunddreißig versucht, einen Temporekord zu brechen den amselben Morgen ein Mercedes-Fahrer aufgestellt hat.
00:11:35: Rosemayr verunglückt auf der Autobahn tödlich mit achtundzwanzig Jahren.
00:11:40: Selbst sein Tod wird zur Propaganda.
00:11:43: DSS hält Ehrenwache Himmler kondoliert im Namen des Regimes und aus dem Rennfahrer wird eine nationale Symbolfigur.
00:11:51: Dabei spielt es für die Propagandamaschine der NSDAP kaum eine Rolle, ob Daimler-Benz oder die Autounion gewinnt.
00:11:58: Per Wochenschauen und Volksempfänger wird jeder Sieg zum Sieg der deutschen Ingenieurskunst erklärt noch bevor die Motoren abgekühlt sind.
00:12:07: Für die Bilanz von Daimlers-Bens bleibt der Rennsport in diesen Jahren trotzdem nur ein Posten unter vielen.
00:12:13: Die nächste Anfrage aus Berlin zielt er bereits auf etwas anderes als Rennziege und Prestige ab Unter Türkeim, Ende Juni, im Vorstandsbüro von Daimler-Benz.
00:12:32: Jakob Berlin ist gerade aus Berlin zurückgekehrt und berichtet was er am Kaiserhofhotel erlebt hat.
00:12:39: Dort hat der Reichskanzler die Spitzen der deutschen Automobilindustrie eingeladen um für seine Visionen von einem Volkswagen zu werben.
00:12:47: Vorstandskollege Wilhelm Kessel war nicht eingeladene.
00:12:54: Das war die Zahl, die der Führer unserem ehemaligen Ingenieur Ferdinand Porsche und mir als Preisrahmen für den sogenannten Volkswagen genannt hat.
00:13:03: Was für ein Wagen soll das sein?
00:13:05: Ein Volkswagen!
00:13:07: Ein Automobil für das Volk.
00:13:10: Er soll vier Sitze haben, hundert Stunden Kilometer fahren unter sieben Liter auf Hundert Kilometer verbrauchen.
00:13:16: Das baut niemand unter fifteenhundert Mark Herr Berlin.
00:13:19: Das weißte erfahren Ingenior Porsche doch genauso gut wie wir.
00:13:22: Porsche muss es nicht wissen Er muss nur bauen, was verlangt wird.
00:13:26: Und wer bezahlt die Differenz?
00:13:28: Nicht wir Herr Kessel!
00:13:29: Die Führung will diesen Wagen.
00:13:31: Wie sie ihn schlussendlich bezahlt ist deren Rechnung.
00:13:33: Dann ist das kein wirtschaftlich kalkulierbarer Wettbewerb sondern man kriegt einen Auftrag den man nicht unterbieten kann.
00:13:41: Kessel steht auf geht zum Fenster.
00:13:45: Von hier sieht man die Hallen in denen gerade der Wehrwundzwanzig für seinen ersten Sommer gebaut wird.
00:13:52: Und was sagt man in Berlin über uns, wenn man über diesen Volkswagen spricht?
00:13:57: Nichts!
00:13:58: Aber man hat uns eingeladen mitzubauen.
00:14:01: Der Reichsverband der Automobilindustrie vergibt im Sommer den Auftrag.
00:14:04: Für einen Wagen, den am Ende nicht wir verkaufen sondern die Partei?
00:14:08: Sagen wir so für einen wagen bei dem es nicht darauf ankommt wer ihn am ende verkauft?
00:14:13: Es kommt darauf an wer dabei ist wenn er entsteht.
00:14:18: Kiesl sagt vor einem moment nichts.
00:14:21: Vor zwei Jahren stand er in einer halbleeren Halle, ohne zu wissen ob es Daimler-Benz in zwölf Monaten noch geben würde.
00:14:28: Die Entscheidung mit Subventionen den Rennsport zu dominieren war auch ein geschickter Marketingkuh für Daimlers und deshalb aus kaufmännischer Sicht folgerichtig.
00:14:37: Diesmal geht die Rechnung nicht auf Kein Umsatz kein Gewinn Nur die Aussicht beim wichtigsten Autoprojekt des Reiches mit am Tisch zu sitzen.
00:14:48: Kessel muss entscheiden Ob ihm das genügt?
00:14:54: Sagen Sie zu.
00:14:59: Im Auftrag des Reichsverbands baut Daimler-Benz dreißig Prototypen genau jenes Wagens, der vom Reichskanzler Hitler gewünscht ist.
00:15:07: Zwei Komma vier Millionen Testkilometer legen die Wagen zurück für ein Projekt, dass erst Jahre später unter einem anderen Firmennamen und in einer anderen Fabrik in Serie gehen wird – Der Volkswagen!
00:15:20: Ausgerechnet jene Firma, die mit dem W-Fünfundzwanzig gerade den technisch anspruchsvollsten Rennenwagen seiner Zeit baut, testet nun auch den Kleinwagen ihres künftig größten Konkurrenten.
00:15:36: Zur gleichen Zeit stellt ein Labenz-Ninzenhundertsechsemdreißig den weltweit ersten in Serie gebauten Dieselpersonenwagen vor – entwickelt für Taxiunternehmer, die jeden Pfennig Verbrauch nachrechnen wollen!
00:15:49: Die Entwicklung des Dieselmotors ist auch eine Antwort auf dieselbe Frage, die Kissel seit und neunzehnundzweiunddreißig umtreibt.
00:15:56: Wie besteht eine Firma, die auf Qualitätsstadtmasse setzt neben einem preiskünstigeren Konkurrenten wie Opel der allein die Hälfte des Marktes bedient?
00:16:06: Parallel dazu zahlt sich das Rennengagement aus!
00:16:10: Zwischen nineteenhundertdreiunddreißig und neunzehnhundertsiebenunddreißig verdreifacht sich die Pkw-Produktion der Firma, bis neunzentneunund dreißig versieben fachen sich die Exporte.
00:16:20: Die wichtigste Marketingmaßnahme bleiben dabei die Rennen!
00:16:23: Der Rennerfolg ist Werbung bezahlt vom Reich.
00:16:27: Die Auto Union ist der einzige Konkurrent, der bei den Rennen überhaupt mithalten kann – und bleibt auch auf dem Massenmarkt der eigentlich gefährlichste Gegner.
00:16:40: Fünf Jahre lang zahlt sich diese Rechnung für Kessel aus Ein Rennstall, den das Reich größtenteils finanziert.
00:16:47: Eine Serienproduktion die sich verdreifacht – ein dreizackiger Stern der international als Symbol für deutsche Ingenieurskunst steht!
00:16:56: Im September neunzehnhundertneununddreißig ändert sich das über Nacht.
00:17:01: Die Hallen in denen gerade noch der W-Hundertfünfzig für die nächste Saison vorbereitet wurde bekommen neue Zeichnungen vorgelegt diesmal nicht für einen Rennwagen.
00:17:14: Daimler-Benz wird zum Werkzeug für einen Krieg, den am Verhandlungstisch im Kaiserhofhotel niemand erwähnt hat.
00:17:35: September neunzehundertdreißig wenige Tage nach Kriegsbeginn in Untertürkheim Stuttgart bei Daimlar-Bens.
00:17:44: Die Fertigungslinie für Rennwagen steht still.
00:17:46: Techniker ziehen graue Abdeckplanen über das Rennwagenmodell W- one hundred fifty mit dem Fahrer Hermann Lang gerade erst die Europameisterschaft gewonnen hat.
00:17:56: Rennleiter Alfred Neubauer geht durch die Halle, ein Techniker neben ihm.
00:18:01: Er trägt ein paar rollen Pläne mit sich.
00:18:04: Hier sind die Schablonen für den W- onehundertfünfzig.
00:18:07: wohin damit Herr Neubaur?
00:18:09: in die Lagerhalle?
00:18:10: und das hier erhält eine zweite Zeichnung hoch.
00:18:15: Neubauern sieht sie sich lange an?
00:18:19: Das sind Flugmotoren.
00:18:20: Hier das Modell DB sixhundert eins.
00:18:22: Aber warum denn Flugmotore?
00:18:24: Wir bauen doch Automobile!
00:18:25: Die können nicht fliegen.
00:18:27: Das Reichsluftfahrtministerium braucht jeder Halle, jede Maschine jeden Mann der einen Schraubenschlüssel halten kann für seine Zwecke.
00:18:35: Ab morgen.
00:18:35: auch diese und die Wagen bleiben stehen.
00:18:40: So sehr ist mich auch schmerzt!
00:18:46: Der DBE-Sixhundert-Eins wird zum meistgebauten deutschen Flugmotor des Kriegs.
00:18:51: das Werk in Gänzhagen bei Berlin wo die meisten dieser Motoren entstehen isst neunzehntsechsunddreißig im Auftrag des Reichs Luftfahrt Ministeriums gegründet worden Vom Reich finanziert, aber über eine Beteiligung von nur einer Million Reichsmark im Besitz von Daimler-Benz.
00:19:09: Der Rennstall der noch im Frühjahr Titel gewonnen hat existiert von diesem Tag an nur noch auf dem Papier.
00:19:17: Was hier beginnt ist mehr als eine Werksumstellung.
00:19:21: Von diesem Herbst an liefert Daimlar-Bens nicht mehr nur Prestige für das Regime sondern die Mittel für einen Krieg.
00:19:28: Es werden Motoren für die Luftwaffe gebaut und bald auch mit der Unterstützung von Menschen, die nicht freiwillig arbeiten.
00:19:35: Damit steht die Firma nicht allein!
00:19:38: In den selben Jahren baut BMW Flugmotoren statt Motorräder die Auto-Union Panzermotoren statt Rennwagen – mit Tausenden Zwangsarbeitern.
00:19:48: Die gesamte deutsche Automobilindustrie wird binnen weniger Jahre zur Rüstungsindustrie.
00:19:53: Es beginnt das dunkelste Kapitel der Firmengeschichte von Daimler-Benz.
00:20:04: In den folgenden drei Minuten geht es um Zwangsarbeit und Konzentrationslager im nationalsozialistischen Deutschland.
00:20:10: Wenn euch das belasten könnte, spult jetzt vor!
00:20:20: Sommer-Ninzehundertzwanzig in Gänzhagen – ein Werk im Wald südlich von Berlin bewusst getarnt gegen Luftangriffe ausgebaut zum größten deutschen Flugmotorenwerk.
00:20:32: Innen hohe Hallen künstliches Licht entlosereien von DB-Sechshunderteins Motoren auf Montage gestellt Zwei Vorarbeiter, zuständig für die selbe Fertigungslinie in aufeinander folgenden Schichten treffen sich zur Übergabe.
00:20:49: Wie läuft es mit der Produktion an der Linie?
00:20:52: Wir liegen zwölf Motoren unter gewünschter Solstückzahl.
00:20:55: Zwei Arbeiter sind heute nicht zum Dienst angetreten.
00:20:57: Krank
00:20:57: gemeldet?!
00:20:58: Krankgemeldet ist niemand!
00:21:00: Sie fehlen einfach!
00:21:02: Ich hab's dem Meister weitergegeben – er sorgt fürs Ersatz Und die neue Kolonne ist inzwischen eingeteilt?
00:21:07: Seit Montag am Endmontage Lernen schneller als ich dachte Aber die Wachmannschaft besteht auf Pausenzeiten.
00:21:13: Das bremst den Takt!
00:21:14: Das ist nicht mein Problem, das ist die Sache der Lagerleitung.
00:21:18: Mein Ziel ist dir eine Zahl am Ende der Schicht.
00:21:21: Zwölf unter soll bleibt zwölf under soll wie wir es auch zu erklären versuchen.
00:21:28: Die beiden Männer geben die Fertigungslinie weiter ab Prüfen Stückzahlen sprechen Übersatzteile über die nächste Schicht Über die Menschen selbst, die an den Bändern arbeiten und deren Arbeitsbedingungen sprechen sie nicht.
00:21:44: Ende of the Year in Genzhagen arbeiten mehr als vierzehntausend Menschen.
00:21:50: Ende of The Year in Genshagen ist im gesamten Daimler-Benz-Konzern, der insgesamt mehr als dreiundsechzigtausend Menschen beschäftigt, fast jeder zweite keine freie Arbeitskraft mehr sondern ziviler Zwangsarbeiter, Kriegsgefangener oder KZ-Heftling.
00:22:05: In Genzshagen liegt dieser Anteil sogar bei achtundsechszig Prozent!
00:22:10: Ab September nineteenhundertvierundvierzig werden rund eintausend Einhundert Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück in eine eigens errichtetes Arbeitslager in Gänzhagen verlegt.
00:22:21: Die Zahl der KZ-Häftlinge am Standort wächst auf über dreitausend Achthundertfünfzig.
00:22:27: Das Unternehmen fordert diese Arbeitskräfte nicht widerwillig an, sondern wie firmen eigene Akten belegen aktiv und wiederholt bei den zuständigen Stellen.
00:22:37: Es werden dabei keine Namen festgehalten Nur der Einsatz von Arbeitskraft wird im Werk protokolliert.
00:22:44: Erst Jahrzehnte später, in den letzten Jahren, wertete eine unabhängige Historikerkommission die Firmenakten systematisch aus und befragt zweihundertsiebzig Überlebende.
00:22:54: Daimler-Benz ist damit die erste deutsche Firma, die ihre eigene Zwangsarbeitsgeschichte wissenschaftlich aufarbeiten lässt – fast fünfzig Jahre später und erst nach den Betroffenen und Historikern jahrelang dafür gekämpft haben!
00:23:12: Der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Kissel stirbt im Sommer ofiziell an Herzversagen, belastet vom Tod seines einzigen Sohnes an der Front und von einem neuen Flugmotorenwerk, das er unter Zeitdruck aus dem Boden stampfen soll.
00:23:28: Der Aufsichtsrat wählt als Nachfolger Wilhelm Haspel.
00:23:32: Seitundneunzehnundzwanzig im Haus verheiratet mit einer jüdischen Frau was sie nach der Logik des Regimes eigentlich für die Konzernspitze untragbar machen müsste.
00:23:42: Haspel führt die Firma durch die Bombenächte der folgenden Kriegsjahre, durch Rohstoffengpässe und immer häufigere Luftangriffe.
00:23:50: Bis nineteenhundertfünfundvierzig sind von allem was er und Kessel zuvor aufgebaut haben nur noch Schutt- und Trümmer übrig.
00:23:57: unter Türkeim ist zu siebzig Prozent zerstört Sindelfingen zu Fünfundachtzig gar genau zu Achtzig.
00:24:05: Alliierte Ingenieure stehen zwischen den Ruinen und sagen davon wird sich Daimler Benz nicht erholen.
00:24:10: Doch schon am zwanzigsten Mai, nicht einmal zwei Wochen nach Kriegsende in Europa öffnet das Werk in unter Türkeim provisorisch wieder mit ein-tausend-zweihundertvierzig Beschäftigten.
00:24:27: Vorerst nur um amerikanische Militärfahrzeuge zu reparieren.
00:24:31: Im November, erlauben die Besatzungsbehörden den Bau von Lastwagen auf Basis des alten Vorkriegsmodells, In der Spitze der Firma herrscht für einige Jahre Lehre.
00:24:54: Wilhelm Haspel muss im Oktober nineteenhundertfünfundvierzig im Zuge der Endnazifizierung zurücktreten, ausgerechnet eher, der nie in die NSDAP eingetreten ist und sich geweigert hat, sich von seiner verfolgten Frau scheiden zu lassen.
00:25:08: Ein Spruchkammerverfahren entlastet ihn schließlich Und so kann Haspel im Januar nineteenhundertachtundvierzig ins Unternehmen zurückkehren.
00:25:17: Im Januar neunzehnundzwaldfünfzig stirbt Wilhelm Haspel überraschend an einer Hirnblutung, dreiundfünftig Jahre alt mitten im Wiederaufbau von Daimler-Benz den er selbst vorangetrieben hat.
00:25:29: Mitten in diesem Führungsvakuum wächst Daimlar-Bens im Zuge des westdeutschen Wirtschaftswunders trotzdem weiter getragen von Exporten und wachsender Nachfrage nach Lastwagen und Limousinen.
00:25:42: Und wie schon in den dreißiger Jahren setzt die Firmenleitung erneut auf ein altbewertes Mittel, um international sichtbar zu werden.
00:25:49: Den Rennsport!
00:25:55: In diesen Monaten ist Umbroß an der Spitze kehrt Alfred Neubauer als Rennleiter zurück – inzwischen bekannt als Der Mann der Tausend Tricks für seinen Erfindungsreichtum.
00:26:05: Geld für einen komplett neuen Gronpriewagen gibt es nicht.
00:26:09: Stattdessen greift Rudolf Uhlenhaut, Leiter der Versuchsabteilung tief in die Teilekiste der Serienproduktion.
00:26:16: Motor- und Fahrgestell der Biederin Lemosine Dreihundert intern Adenauer genannt nach dem Kanzler, der selbst einen fährt.
00:26:24: Dazu ein leichter Gitterrohrrahmen aus dünnen Stahlrohren keine siebzig Kilogramm schwer aber mit dicken Rohrholmen, die seitlich in Hüfthöhe entlang der ganzen Fahrzeuglänge verlaufen exakt dort, wobei jedem normalen Auto die Tür aufginge.
00:26:40: Normale seitlich aufklappende Türen würden genau gegen diese Hölme schlagen.
00:26:45: Uhlenhautslösung?
00:26:46: Flügeltüren, die nach oben schwingen statt zur Seite!
00:26:50: Aus Sparzwang entsteht die berühmteste Silhouette der Firmengeschichte.
00:26:55: Der Name – Dreihundert SL.
00:26:59: Für eine Firma, die sieben Jahre zuvor in Trümmern lag ist er mehr als ein Rennwagen.
00:27:04: Es ist ja Versuch zu zeigen, dass der Mercedes-Sterne wieder zu alter Größe aufsteigen kann.
00:27:25: Juni-Ninzehnhundertzwundfünfzig – Auf der berühmten Rennstrecke in Le Mans im Nordwesten Frankreichs.
00:27:31: Das Vierundzwanzig Stundenrennen findet statt Zum ersten Mal seit dem Krieg wieder mit einem deutschen Werksteam am Start.
00:27:38: Zwei brandneue Mercedes-Benz-Dreihundert SL treten gegen die etablierte Konkurrenz aus Italien, England und Frankreich an.
00:27:47: Es ist Sonntagnachmittag, die letzte Stunde des Vierundzwanzigstunden Rennens von Lemna.
00:27:52: Seit über zwanzig Stunden führt ein Mann das Feld an der Franzose Pierre Levé ganz allein am Steuer seines Talbola-Go.
00:27:59: Kein einziges Mal hat er das Steuer an seinen Beifahrer abgegeben!
00:28:03: Vier runden Vorsprung auf das Beste der beiden deutschen Werkteams.
00:28:07: zwei brandneue Mercedes-Benz Dreihundert SL.
00:28:10: zum ersten mal seit dem Krieg wieder ein deutsches Team hier am Start.
00:28:14: Levé fährt auf den größten Sieg seines Lebens zu.
00:28:17: Levé wird langsamer, er rollt ausmitten auf der Strecke nach zwanzig Stunden Führung jetzt kurz vor dem Ziel eine gebrochene Kurbelwelle siebzig Minuten vor Schluss.
00:28:30: Jetzt übernehmen Hermann Lang und Fritz Ries im Mercedes die Führungen.
00:28:35: Als der deutsche Wagen als erstes über die Ziellinie rollt bleibt die Menge still.
00:28:40: Unzählige Menschen säumen die Streckel Menschen eine Nation, die sieben Jahre zuvor unter deutscher Besatzung stand.
00:28:48: In der Boxengasse von Daimler-Benz tritt ein Reifenwechseler an den Rennleiter Neubauer ran.
00:28:54: Warum klatschen die nicht?
00:28:56: Was haben Sie erwartet?
00:28:57: Wir sind vor sieben Jahren mit Panzern hier eingefahren.
00:28:59: Jetzt kommen wir wieder mit einem Rennwagen.
00:29:01: Geben Sie ihnen Zeit!
00:29:03: Nur vereinzelt sind Glückwünsche zu hören.
00:29:06: Neubau erhält seine Stoppuhr in der Hand und merkt sich einen Namen für die Zukunft.
00:29:12: Pierre Levé Der Mann, der den Sieg wegen eines technischen Defekts um gerade mal siebzig Minuten verpasst hat.
00:29:23: Seit neunzehntelandtreiundfünfzig führt Fritz Königke Daimler-Benz mit fester Hand.
00:29:28: Für ihn ist Neubauers Rennabteilung genau das was sie schon für Kessel war – ein kleiner Posten mit großer Wirkung für den Namen der Firma!
00:29:43: Neuzugang Juan Manuel Farnio gewinnt Mercedes-Benz W- onehundertsechsenneunzig den Weltmeistertitel.
00:29:50: Parallel dazu geht die Straßenversion des Rennwagens von neunzehnhundertzeinfünfzig in Serie, der dreihundert SL Flügeltyrer erster Seriensportwagen mit Benzin-Einspritzung zweihundertfünftzehn Stundenkilometer schnell ein fahrendes Symbol des westdeutschen Wirtschaftswunders bei Ärzten bis hin zu Filmstars begehrt.
00:30:11: Die Straßenversion verkauft die Firma sehr gut, die Rennversion fährt vor allem Werbung.
00:30:21: Im Mai nineteenhundertfünfundfünftig gewinnt Sterling Moss im dreihundert SLR die Milde Milia – das legendäre tausend Meilenstraßenrennen quer durch Italien.
00:30:30: in zehn Stunden, sieben Minuten und achtundvierzig Sekunden!
00:30:35: Ein Rekorddurchschnittsgeschwindigkeit von hundert fünfzig Komma sechs Fünf Stunden Kilometern bis heute ungeschlagen.
00:30:43: Drei Wochen später kehrt der Mercedes-Benz-Wagen nach Le Mans zurück, mit drei Fahrerteams und der Absicht den Erfolg von LGBTQ zu wiederholen.
00:30:53: Im dritten Wagen von Team Daimler-Bens als Gaststarter sitzt Pierre Levé.
00:30:58: Von Neubauer persönlich eingeladen – eine Geste an das französische Publikum, dass den deutschen Sieg von LGBTQ nur mit eisigem Schweigen quittiert hatte!
00:31:09: Diesmal fährt Leveret für den Rennstall, der ihn drei Jahre zuvor um Haaresbreite besiegt hat.
00:31:21: Elfter Juni, nineteenhundertfünfundfünfzig gegen achtzehn Uhr, sechsundzwanzig auf der Rennstrecke Le Mans.
00:31:28: Seit gut zwei Stunden liefern sich Mike Hawthorne im Jaguar und Juan Manuel Francheau im Mercedes ein Duell um die Gesamtführung.
00:31:36: Runde für Runde tauschen sie die Spitze.
00:31:39: Knapp dahinter kämpft sich Pierre-Leveret durchs Feld.
00:32:05: Lewe bleibt keine Zeit auszuweichen.
00:32:08: Sein Wagen fährt auf Macklins Heck auf, hebt ab, überfliegt einen Erdwall am Streckenrand und schlägt mitten in der Zuschauermenge auf.
00:32:18: Die Karosserie aus dem extrem leichten Magnesiumwerkstoff Elektron gefertigt, steht binnen Sekunden Lichterloh in Flammen.
00:32:27: An der Box erreicht die Nachricht Neubauer Das war Lévé's Wagen!
00:32:34: Ich habe es gesehen... Um seinen Hals hängen drei Stoppueren Eine für jeden seiner Wagen Eine für Fanfrio und Moss eine für Klingon Simon Die dritte Für Levé stoppt er wortlos.
00:32:49: Er dreht sich weg zur Strecke Wo Streckenposten in der ersten Verwirrung versuchen den Brand mit Wasser zu löschen, wodurch der Wagen nur noch heftiger brennt.
00:33:04: Mehr als achtzig Menschen sterben – Levé eingeschlossen!
00:33:09: Es ist bis heute das schwerste Unglück der Motorsportgeschichte.
00:33:14: Das Rennen wird trotzdem nicht abgebrochen.
00:33:16: Die verantwortlichen befürchten abreisene Zuschauermassen würden die Zufahrtswege für die Krankenwagen blockieren, die noch gebraucht werden.
00:33:25: Stunden später gegen halb zwei Uhr morgens steht Neubauer noch immer an der Boxenmauer.
00:33:31: Der Mann, der seit neunundzwanzig Jahren jedes Zeichen seinen Fahrern selbst gibt tritt an die Boxen-Mauer als der führende Wagen von Fambriot und Moss auf seiner Runde vorbeikommt mit klarem Vorsprung vor dem gesamten Feld.
00:33:46: Um einundvierzig Nacht winkt er auch den verbliebenen Teamwagen von Mercedes in die Box Und alle Wagen bleiben dort.
00:33:54: Für die anderen Teilnehmer läuft das Rennen weiter Die ganze Nacht.
00:34:00: Am zwölften September, drei Monate nach der Katastrophe schreibt Fritz Nullinger – technischer Vorstand an Rennleiter Neubauer.
00:34:08: Der Vorstand unter Fritz Könighe hat den vollständigen Rückzug aus dem Motorsport beschlossen.
00:34:14: Öffentlich verkündet wird er am twanzigsten Oktober nineteenhundertfünfzig.
00:34:20: Man habe erreicht was man sich vorgenommen habe.
00:34:23: Dominiere Formel eins und Sportwagen rennen gleichermaßen und brauche die eigenen Ingenieure jetzt dringender für die Entwicklung neuer Serienfahrzeuge, als für weitere Pokale.
00:34:34: Nach Le Maire in den USA wird der Motorsport in mehreren europäischen Ländern für Jahre verboten – in der Schweiz sogar bis ins Jahr-Zweißen-Zweiundzwanzig!
00:34:44: Ein einzelnes Rennen, das die Gesetzeslage eines ganzen Kontinents verändert.
00:34:56: Daimler Benz hat eine Inflation überstanden Ein Regime, das das Unternehmen für seine Zwecke eingespannt und einen Bombenkrieg der die Werke in Schutt und Asche gelegt hat.
00:35:07: Was am Ende den Ausschlag gibt ist nicht eine einzelne Ursache sondern zwei – die zusammenkommen!
00:35:14: Ob Daimler-Benz ohne die Rennstrecke die beste Limousine bauen kann, die das Land je gesehen hat?
00:35:20: Alfred Neubauer jedenfalls geht mit diesem Rückzug in den Ruhrstand.
00:35:24: Nach neunundzwanzig Jahren als Rennleiter nach über dreißig Jahren im Werk ohne bei dieser letzten, größten Entscheidung seiner Karriere gefragt worden zu sein.
00:35:35: In der nächsten Folge kehrt Daimler-Benz in den Rennsport zurück, den er gerade vermeintlich aufgegeben hat.
00:35:41: Entwicklungsvorstand Werner Niefa lässt einen neuen kompakten Mercedes an den Start gehen – zwanzig identische Wagen auf dem Nürburgring und einem Steuer.
00:35:50: dieser Wagen ein junger Brasilianer namens Ayrton Senna.
00:35:54: Doch das Rennen ist nur die halbe Geschichte!
00:35:57: Im selben Jahrzehnt bringt ein alter Rivaler aus München sein eigenes kompaktes Auto auf den Markt.
00:36:04: Zur gleichen Zeit, auf denselben Straßen für dieselbe Kundschaft!
00:36:14: Das war Folge zwei von vier von Imperium die Mercedes-Benz Story von Studio J. Wenn ihr mehr über Daimler-Bens während des Zweiten Weltkriegs erfahren möchtet empfehlen wir euch das Buch Stern und Hakenkreuz, Daimler-Benz im Dritten Reich.
00:36:30: Von Neil Gregor sowie die Studie Zwangsarbeit bei Daimlar-Bens von Barbara Hopmann, Marc Spöhrer, Birgit Weitz und Beate Brüninghaus.
00:36:41: Ein Hinweis zu den Dialogen, die du gehört hast Wir wissen natürlich nicht genau was gesprochen wurde.
00:36:46: Alle Dialoge basieren nach Bestumwissen auf unseren Recherchen.
00:36:51: Ich bin Mark Benpoch.
00:36:53: Janis Gebhardt hat die Folge geschrieben Für StudioJ, Executive Producer Jan Skeport.
00:37:00: Das Sounddesign hat Lukas Leibiger gemacht, gemischt von Fabian Klinke.
Neuer Kommentar