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Die Mercedes-Benz Story | Das Beste oder Nichts | 3

Shownotes

Folge 3/4: Nach 1955 baut Mercedes nicht mehr das schnellste Auto der Welt, sondern das beste: der Wagen des Bundeskanzlers, ABS, Airbag – Sicherheit als Ingenieursprogramm statt Kür. Unter Werner Niefer wird der Stern zur Weltmarke, ein junger Ayrton Senna gewinnt 1984 sein erstes großes Rennen in einem Mercedes 190E. Doch 1997 kippt die neue A-Klasse bei einem simplen Ausweichtest um – live vor laufenden Kameras. Die erste große Sicherheitskrise der Nachkriegszeit trifft eine Firma, die genau davon lebt, dass so etwas nicht passiert.


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Transkript anzeigen

00:00:01: Jörg.

00:00:07: Zwölf der Mai, aus dem Nürburgring in der Eifel.

00:00:13: Leichter Regen hängt in der Luft.

00:00:15: Trotzdem drängen sich hundertzwanzigtausend Personen um die Rennstrecke.

00:00:20: An diesem Wochenende sind alle Betten in Pensionen und Hotels in ganz Rheinland-Pfalz ausgebucht.

00:00:26: Viele kampieren deshalb einfach an der Strecke – denn es findet ein besonderes Rennen statt!

00:00:32: Formel eins Legenden treten gegeneinander an Nicht in Rennwagen, sondern im zwanzig identischen Silbernen Mercedes-Benz

00:00:41: Hr.C.D.S.H.,

00:00:41: Hr.-E-Zwei-Drei-Sechzehn extra für diesen Tag aus der laufenden Serienproduktion gezogen.

00:00:47: Am Steuer sitzen jedoch keine Werksfahrer, sondern Profis.

00:00:51: Formel I Sieger sowie angehende Rennfahrer.

00:00:55: Nikky Lauder, der an genau dieser Stelle vor acht Jahren beinahe gestorben wäre und heute trotzdem an den Start geht Sterling Moss mit fifty-fünfzig eigentlich längst im Ruhestand, aber für diesen Nachmittag noch einmal hinterm Steuer.

00:01:10: Einer der unbekanteren Fahrer ist ein Brasilianer namens Ayrton Senna, der gerade erst in die Formel eins aufgestiegen ist.

00:01:19: Der Start steht kurz bevor.

00:01:22: An der Boxenauer steht Werner Niva, fünffünftig Jahre alt seit acht Jahren Vorstandsmitglied und für die Produktion bei Daimler-Benz verantwortlich.

00:01:31: Er ist der Mann, der die Fertigungslinie für genau dieses Auto entwickelt hat und dafür gesorgt hat dass in Sindelfingen doppelt so viele Wagen pro Tag vom Band laufen wie zuvor.

00:01:43: Neben ihm steht ein junger Ingenieur mit Klemmbrett unterm Arm.

00:01:47: er ist sichtlich nervöser als sein Chef Herr Nifa.

00:01:51: wenn jetzt einer verliert kann er nicht sagen das auto war schuld.

00:01:54: zwanzig identische wagen gleiche reifen gleiches benzin jeder einzeln vermessen.

00:01:59: Genau das ist der punkt der übung.

00:02:01: Aber was ist, wenn einer der Unbekannten gewinnt?

00:02:04: Dann gewinnt er trotzdem in unseren Wagen.

00:02:07: Ist das nicht riskant?

00:02:08: Was, wenn heute einer ausfällt?

00:02:10: Dann steht es morgen in jeder Zeitung Europas!

00:02:13: Panne bei Daimler-Benzwagen.

00:02:15: Ich will dass die Leute an diesem Wagen zweifeln dürfen aber nur bis sie ihn selbst gefahren haben danach nie wieder.

00:02:23: Das sind die besten Automobile ihrer Klasse.

00:02:26: Haben Sie etwas Zuversicht?

00:02:28: Wenn noch auch das Wetter mehr mitspielen würde Was am Morgen als leichter Nieselregen beginnt, wird mit jeder Runde stärker.

00:02:37: Runde für Runde trotzen die Fahrer dem inzwischen prasselnden Regen.

00:02:41: Selbst erfahrene Weltmeister kämpfen um jede Kurve.

00:02:46: Am Ende geschieht das Unglaubliche.

00:02:51: Das ist es!

00:02:53: An der Boxenmauer bricht Produktionschef Nifas im Jubel aus.

00:02:57: Außenseiter Eiertenzenner setzt sich gegen etablierte Namen wie Lauda, Prost, Moss und das gesamte Feld durch.

00:03:05: Es hat doch keiner von den großen Namen gewonnen.

00:03:07: was meinen sie?

00:03:09: Der Beweis den ich dem Vorstand seit fünf Jahren schulde ein Beweis dafür dass Qualität und damit auch ein Mercedes keine Privilegien der Reichen bleiben müssen.

00:03:22: bereits Jahre zuvor wurden die Weichen hierfür gestellt.

00:03:26: Die Idee warum ausgerechnet der Hundert neunziger Mercedes den Ruf einer ganzen Marke tragen soll führt fast dreißig Jahre zurück in der Markengeschichte.

00:03:36: In eine Zeit, zu der Daimler-Benz seine Autos noch nicht für viele sondern fast ausschließlich für ein paar wenige baut.

00:03:58: Ich bin Marc-Ben Poch und das ist Imperium Die Mercedes Story von Studio J. In der letzten Folge haben die Silberpfeile von Daimlers Bens die Rennstrecken Europas erobert.

00:04:24: Das Unternehmen hat sich der Zwangsarbeit schuldig gemacht und liegt zum Kriegsende in Trümmern.

00:04:29: Als die Werke im Mai nineteenhundertfünfundvierzig mit ganzen eintausend zweihundertviertzig Beschäftigten notdürftig wieder anlaufen, ist an einen Weltkonzern nicht zu denken.

00:04:40: Eine Katastrophe auf der Rennstrecke von Le Meur, nineteenhundhundfünftzig sorgt dafür dass sich Mercedes-Benz über Jahrzehnte aus dem Rennsport zurückzieht.

00:04:54: Zwölf Jahre – und ein Wirtschaftswunder später – ist aus dem Autobauer wieder ein Großkonzert geworden.

00:05:00: Der Vorstand und die Ingenieure müssen nun neue Wege finden, um ihre technische Überlegenheit für alle sichtbar zu demonstrieren.

00:05:27: angeführt von den Herstellern Volkswagen und Opel.

00:05:31: Allein der VW Kefa macht in diesen Jahren weit über vierzig Prozent der gesamten deutschen Automobilproduktion aus, und auch der Opel Kapitän verkauft sich zehnmal besser als ein Mercedes-Benz Dreihundert – bestimmt auch weil der Mercedes doppelt so viel kostet wie der teuerste Opel!

00:05:49: Das möchte Daimler Benz nun mit dem Modell Einhundertneunzig ändern und nimmt damit die Preisklasse der Konkurrenten ins Visier.

00:05:56: Der sogenannte Baby-Benz soll eine Möglichkeit schaffen für Ärzte, Anwälte und Unternehmer die sich auch einen Stern leisten wollen.

00:06:05: Das ist Folge drei von vier.

00:06:08: Das Beste oder Nichts?

00:06:22: Am Steuer sitzt ein neuer Fahrer im Kanzler-Fahrdienst.

00:06:37: Anfang zwanzig mit frisch gebügelter Uniform, neben ihm auf dem Beifahrersitz ein Protokollbeamter.

00:06:44: Ende vierzig Die Einweisung neuer Angestellter in das Amt ist für ihn inzwischen Routine.

00:06:52: Was sind Sie denn vorher gefahren?

00:06:54: In den vorigen Vorpark war mir ein BMW five zero fünf zugewiesen.

00:06:58: Das hier ist ein Mercedes dreihundert nicht zu vergleichen mit einem BMW.

00:07:03: Gibt es denn einen Grund, dass der Kanzler nur Mercedes fährt?

00:07:06: Aha!

00:07:07: Sie haben wohl die Geschichte gehört was... ...dass der Adenauer in einem BMW seinen Hup verloren hat und seitdem nur noch Mercedes fert.

00:07:15: Ich weiß nicht.

00:07:16: Stimmt das

00:07:17: denn?!

00:07:18: Man hört ja vieles wenn er taglang ist.

00:07:21: Da haben sie recht!

00:07:22: Ich kenne seinen langjährigen Cheförpersönlich und der hat mir versichert so eine Fahrt an einem BMW hat nie stattgefunden.

00:07:29: Erzählt wird die Geschichte trotzdem In jeder Fahrerkantine der Republik.

00:07:33: Manche schwören sogar es sei ein Borgwart gewesen, nicht mal ein BMW.

00:07:38: Und warum fährt er dann wirklich nur Mercedes?

00:07:42: Ganz einfach!

00:07:43: Der Kanzler ist nineteenhundertfünfzig zur Automobilausstellung nach Frankfurt gefahren und hat dort diesen Wagen gesehen.

00:07:49: Zwei Wochen später kam die Bestellung.

00:07:52: Keine Anekdote Ein Blick eine Entscheidung.

00:07:56: Da war gerade zwei Jahre im Amt.

00:07:58: sechs Stück hatte.

00:07:59: inzwischen verschließen Immer denselben Typ.

00:08:01: Mercedes, Drehhundert.

00:08:04: Sechs Wagen für einen Kanzler?

00:08:07: Das kostet den Steuerzahler ja ein Vermögen!

00:08:10: Bei solch einer Rechnung geht es nicht nur um Mark und Pfennig sondern auch um Prestige und Ansehen.

00:08:15: Ein einziger schlechter Auftritt Nur eine Panne mit dem Wagen und die Presse turmt.

00:08:21: Ich werde selbstverständlich größte Sorgfalt walten lassen Und fahren sie ja keinen Kratzer rein.

00:08:27: Dann ist nicht nur das Amt beschädigt dann ist das Land beschädigt.

00:08:31: Vergessen Sie das nicht beim Einparken?

00:08:33: Sehr wohl!

00:08:34: Gut, da kommt er!

00:08:38: Jebensejas!

00:08:40: Der Fahrer nickt Vommel.

00:08:43: Adenauer selbst sagt in diesem Wagen selten ein Wort übers Fahren.

00:08:47: Er hat andere Dinge im Kopf.

00:08:50: Das Modell wird als Adenaur Mercedes bekannt auch auf längeren Dienstreisen ins Ausland wo er die Bundesrepublik repräsentiert.

00:08:58: Jeder in diesem Fuhrpark weiß was hier vor der Tür steht, ist kein Auto.

00:09:03: Es ist ein fahrendes Büro eine Botschaft Zufallessigkeit und Prestige.

00:09:12: Nachdem der Vorstand der Daimler-Benz AG Ende nineteenhundertfünfundfünfzig das Rennsport aus offiziell beschlossen hat kann dass dort eingebundene und nun freigewordene Personal für die PKW und Nutzfahrzeugentwicklung eingespannt werden.

00:09:27: Die Rennsportingenieure werden so zu Serieningenieuren.

00:09:32: Schon seit der Automesse IAA- in den letzten Jahren hat die Frankfurter Messe als Schaufenster der Branche an Bedeutung gewonnen.

00:09:39: Dort wird der Mercedes-Benz-C des Dreihundert eine Sensation und sticht alle anderen gezeigten Neuheiten aus.

00:09:46: Jetzt, ohne die Bühne Rennsport, wird die internationale Automobilausstellung zum wichtigsten Ort um technische Überlegenheit zu zeigen.

00:09:59: In den Jahren danach kristallisiert sich bei Daimler Benz ein Prinzip heraus das über Jahrzehnte Bestand haben wird.

00:10:06: Jede technische Neuerung geht zuerst in die größte, teuerste Limousine der Baureihe.

00:10:12: Das Aushängeschild wird erst mit Staatsgästen und Filmstars fotografiert bevor die Technik Schritt für Schritt in kleineren günstigeren Baureien ankommt.

00:10:34: Als Daimler-Benz seine Beteiligung bereits zum ersten Januar nineteenhundertsechzig an Volkswagen verkauft, bekommt das letzte Auto Unionmodell vorher noch schnell einen Mercedes Motor eingebaut und wird unter neuem Namen wiederbelebt.

00:10:48: Als erster Audi der Nachkriegszeit.

00:10:52: Ohne es zu wollen hilft Daimlar Benz damit Audi auf die Beine – heute als Premiummarke so bekannt wie Mercedes selbst!

00:11:00: Es ist nicht die einzige Übernahme, die in diesen Jahren am Stuttgarter Vorstandstisch verhandelt wird.

00:11:10: Ein anderer Konkurrent steckt zu dieser Zeit in einer tiefen Krise – BMW!

00:11:16: Das newt-hundertsechzehn in München gegründete Unternehmen baut zunächst nur Flugzeugmotoren ab neunzehnundzwanzig dann auch Autos nach der Übernahme einer Fahrzeugfabrik in Eisenach.

00:11:28: Nach dem Krieg verliert BMW sein einziges Autowerk an die sowjetische Besatzungszone und lebt jahrelang nur vom Motorradbau.

00:11:36: Inzwischen versuchen sie sich auch wieder mit der Autoproduktion, aber ohne klare Marktstrategie.

00:11:42: Ende der Sechziger Jahre stehen die bayerischen Motorenwerke deshalb kurz vor der Pleite.

00:12:03: Im Verwaltungsgebäude wartet Vorstandsvorsitzender Fritz Königke auf einen Anruf aus München.

00:12:10: Auf dem Schreibtisch liegt der Entwurf eines Vertrags eingefädelt von der Deutschen Bank.

00:12:15: Daimler-Benz soll Mehrheitseigner der BMW AG werden.

00:12:20: BMW's eigener Vorstand hat erklärt, das sei der einzige Ausweg aus der drohenden Pleite.

00:12:27: Heute stimmt die BMW Hauptversammlung in München darüber ab.

00:12:31: Neben Könicke wartet ein Prokurist auf den angekündigten Anruf.

00:12:37: Die Menschen haben nichts zwischen der winzigen Isetta und dem luxuriösen Barockengel, kein Wagen für die Mitte.

00:12:43: deshalb bluten sie!

00:12:45: Und deshalb sitzen wir heute hier und warten darauf, deren Anteilseigner zu werden.

00:12:49: Was geschieht mit den BMW-Werken wenn der Vertrag steht?

00:12:53: Das entscheiden wir sobald unterschrieben ist.

00:12:56: Heute zählt nur die Abstimmungen.

00:12:57: München.

00:12:58: Unser Angebot ist befristet.

00:13:00: Die Frist läuft im Kürze ab?

00:13:02: Dann läuft sie nicht ungenutzt ab.

00:13:05: Kein Kleinaktionär stimmt gegen das eigene Überleben.

00:13:11: Guten Tag!

00:13:13: Sie haben also entschieden... Verstehe, ich sage es Ihnen.

00:13:22: Und?

00:13:23: Nun sagen sich schon.

00:13:25: KleinaktIONäre die Belegschaft, die Vertragshändler alle zusammen.

00:13:30: Sie haben genug Stimmen gesammelt um den Sanierungsplan der Deutschen Bank anzufächten.

00:13:35: Herr Quandt springt ab und finanziert jetzt selbst eine Kapitalerhöhung.

00:13:39: Das kann er sich nicht leisten, kann er anscheinend wie es aussieht Und unsere gesetzte Frist ist gerade abgelaufen.

00:13:47: Dann bauen die Herren aus München also weiter ihre eigenen Autos Was Königke an diesem tag noch nicht ahnen kann.

00:13:56: der konzern den er nicht übernommen hat steht nineteen Hundert zweiundsechzig mit einem einzigen neuen modell wieder auf eigenen Beinen und wird nur zwanzig Jahre später zum hartnäckigsten Konkurrenten den Daimler-Benzier hatte.

00:14:13: Herbert Quandt, forty-neinen Jahre alt ist zu diesem Zeitpunkt schon ein vermögender Industrieller aus einer der einflussreichsten deutschen Unternehmerfamilien und hält selbst bereits Anteile an BMW.

00:14:24: Auf der Hauptversammlung lässt er sich von der Ablehnung der Kleinaktionäre anstecken entscheidet sich um und stellt sich an die Spitze der Rettung.

00:14:35: Gegen den Rat seiner eigenen Banker erhöht er seinen Anteil auf rund die Hälfte des Unternehmens, birgt persönlich für Kredite und finanziert die Entwicklung des BMW-Siebenhunderts.

00:14:46: Eines kleinen günstigen Wagens der die akute Finanz notlindert.

00:15:08: In Stuttgart läuft das eigene Programm der Weih unbeirrt weiter.

00:15:11: ... als Nachfolger des Mercedes-Benz Dreihundert bei der IAA vorgestellt.

00:15:21: Er ist ausgestattet mit einem Plattenspieler für die neuesten Singles, einer dimmbaren Trennscheibe zum Fahrer, Kühlschrank und Klimaanlage.

00:15:32: Sovietische Machthaber und amerikanische Rockstars sind begeistert.

00:15:36: Elvis Presley kauft gleich zwei!

00:15:39: einen dunkelblauen fürs Geschäftliche, einen hellblauen wenn er privat unterwegs ist.

00:15:46: Wer in den Sechzigern einen sechshundert da vorbeifahren sieht weiß was darin verbaut ist.

00:15:52: kann er selbst frühestens in einem Jahrzehnt kaufen wenn überhaupt.

00:15:56: der Wagen kostet mit Sonderausstattung so viel wie ein komplettes Einfamilienhaus im guter Lage mehr als die Facharbeiter die ihn zusammenbauen in einem ganzen Jahr verdienen.

00:16:07: Auch deshalb erwartet niemand im Werk, dass er sich je in großer Stückzahl verkauft.

00:16:13: Der Mercedes-Sixhundert ist ein rollendes Versuchslabor, das seine eigene Entwicklung durch den hohen Verkaufspreis selbst finanziert.

00:16:27: In der ersten Ölkrise ist es geprägt.

00:16:30: Durch einen US-Embargo der arabischen Ölförderstaaten explodiert der Benzinpreis auch an deutschen Tankstellen.

00:16:38: In der Bundesrepublik werden autofreie Sonntage, Tempolimits und Benzingutscheine für Urlauber eingeführt.

00:16:46: Dennoch brechen die Neuzulassungen zeitweise um fast die Hälfte ein.

00:16:50: Für einen Unternehmen das auf große Autos mit hohem Verbrauch als Innovationsträger setzt trifft das den Kernen der eigenen Strategie.

00:16:58: Während man in den Haushalten der Republik noch auf Festnetzanschlüsse wartet kann im Mercedes bereits ein Auto-Telefon verbaut werden.

00:17:06: Für zwanzigtausend Mark Aufpreis, heute rund sechsunddreißig tausendvierhundert Euro.

00:17:13: Doch auch in den kommenden Jahren hält man an dieser Innovations-Doktrin fest.

00:17:18: Neunzehntetachtundsiebzig geht ein elektronisches Anti-Blockiersystem ins Serie das verhindert dass die Räder eines Fahrzeugs bei einer Vollbremsung oder auf glatter Farbern vollständig blockieren.

00:17:30: Erst gegen Aufpreise in den teuersten Modellen Später dann weltweit als erstes seiner Art in Serienfahrzeugen.

00:17:38: Die Entscheidung, teure Sicherheitstechnik notfalls gegen die eigene Bilanz durchzusetzen überlebt jeden Vorstandswechsel.

00:17:46: Sechs Jahre nach der ersten Ölkrise ist sparsam – kein Schimpfwort mehr!

00:17:52: Selbst in der Oberklasse nicht.

00:17:54: Genau in diese Lücke stößt der Dreier BMW ...in einem Segment für das Daimler-Benz bislang gar nicht produziert.

00:18:20: Sindelfingen Neunzehnhundertneunzig.

00:18:23: Draußen vor den hohen Fenstern des Entwicklungszentrums von Daimler-Benz liegt der erste Schnee des Jahres auf den Parkplätzen, am Zeichentisch.

00:18:32: Werner Nifa inzwischen Produktionsvorstand und Werner Breitschwert seit diesem Jahr vollwertiges Vorstandsmitglied und zuständig für Entwicklung und Forschung.

00:18:44: Nifa legt seinem Kollegen den Plan für ein neues Auto dar.

00:18:49: Wir müssen dieses neue Auto bauen.

00:18:52: Es ist kompakter und günstiger als alles, was bisher vom Band läuft.

00:18:56: Breitschwer trunzelt die Stirn.

00:18:58: Wir haben in unserer Firmengeschichte noch nie etwas Kompaktes gebaut.

00:19:03: Warum jetzt?

00:19:05: Weil die Bayern uns vormachen wie man damit Geld verdient.

00:19:08: Der Dreier-BMW läuft seit gerade einmal vier Jahren vom Band.

00:19:12: Nach drei Jahren stand schon die fünfhunderttausendste Einheit vom Werkstor Und München kommt mit der Produktion kaum hinterher Nur weil sich diese Käufer unsere Wagen nicht leisten können.

00:19:23: Unsere eigenen Händler melden es uns doch selbst, Kunden die sich vor zehn Jahren für uns entschieden hätten kaufen heute einen Dreier, weil wir ihnen nichts in der Preisklasse anbieten.

00:19:33: Jeder Kunde den wir jetzt an die Bayern verlieren ist einer den wir in zehn Jahre nicht mehr zurückholen.

00:19:39: und was wird aus unserer Oberklasse?

00:19:42: Wegst doch kaum noch!

00:19:43: Wer sich einem Mercedes leisten kann hat längst einen.

00:19:47: Das Wachstum liegt nicht mehr da oben.

00:19:50: Und dann ist er noch der Sprit!

00:19:52: Genau, erst dreiundsiebzig und jetzt schon wieder.

00:19:54: seit dem Sturz des Shars im Iran explodieren die Ölpreise.

00:19:58: Während wir hier sitzen?

00:20:00: Wer will in so einer Zeit mit einem Sechszylinder durch die Stadt fahren.

00:20:04: also gut kompakt aber billig soll er trotzdem nichts sein.

00:20:08: Ich will keinen kleinen Wagen der sich wie ein kleiner Wagen anfühlt sondern trotzdem hochwertig.

00:20:14: das klingt nach einem Widerspruch Ist es auch!

00:20:18: Deswegen sitzen wir beide hier und nicht nur einer von uns.

00:20:22: Was heißt das für mich in der Fertigung?

00:20:24: Der Wagen braucht eine komplette neue Hinterachse, fünf Lenker statt der alten Pendelachse.

00:20:30: Das ist zwar teurer zu bauen und aufwendiger zu montieren aber gibt selbst einem kleinen Wagen den Fahrkomfort eines großen.

00:20:38: Und was soll ich dem Vorstand sagen?

00:20:40: Er wird fragen warum wir bei einem günstigeren Auto so viel Geld in eine Achse stecken.

00:20:45: Dir bekommt kein Kunde je zu Gesicht?

00:20:48: Sagen sie, dass es nicht ums Sehen geht.

00:20:51: Der Kunde wird es spüren!

00:20:53: Jede Bodenwelle die er nicht merkt ist ein Grund bei nächsten Mal wieder einen Mercedes zu kaufen statt zur Konkurrenz zu gehen.

00:21:01: Jedes Auto das wir von jetzt an bauen wird an der Oberklasse gemessen – auch das kleinste.

00:21:06: Das ist ein hoher Maßstab für einen Wagen der dir Hälfte kosten soll.

00:21:10: Es ist der einzige Maßstap den wir haben.

00:21:13: Bauen wir einen kleinen Mercedes, der sich klein anfühlt?

00:21:17: Hätten wir auch gleich einen Opel bauen können.

00:21:20: Ich habe schon wieder den Vorstand am Ohr.

00:21:23: Der wird das zu teuer finden!

00:21:25: Der Vorstand findet vieles zu teurer bis es sich verkauft.

00:21:29: Dann findet er es visionär dann bauen sie mir die Achse.

00:21:33: Sie kriegen von mir im Gegenzug die Fertigungslinie dafür und ich baue sie so dass wir daran auch in zehn Jahren noch verdienen.

00:21:41: Zehn Jahre.

00:21:42: Sie reden immer im Jahrzehnten, Herr Niefer.

00:21:45: Weil eine Fertigungslinie nicht auf Quartale ausgelegt ist Wenn ich sie heute falsch baue zahlen das noch meine Nachfolger.

00:21:54: An diesem Nachmittag in Sinelfingen wird keine einzige Schraube gedreht Kein Blatt Papier unterschrieben.

00:22:00: Dennoch ist es der Moment In dem ein Wagen entsteht Der nur fünf Jahre später am Nürburgring für Aufsehen sorgt.

00:22:08: Bis er wirklich auf den Markt kommt, dauert es noch einmal drei Jahre.

00:22:12: und ein eigens dafür gebautes Werk in Bremen.

00:22:15: Das Schluss endlich zwei Komma drei Milliarden Mark kostet!

00:22:23: Während in Sindelfingen die Zukunft entworfen wird läuft unter dem scheidenen Vorstand Chef Joachim Zahn die Gegenwart vom Band der W- onehundertdreiundzwanzig.

00:22:35: Er wird seit neunzehnhundertsechsundsiebzig gebaut.

00:22:38: am Ende insgesamt zweikommasieben Millionen Mal Mechanisch ist er simpel und fast unkaputtbar.

00:22:45: Taxifahrer überall auf der Welt holen aus seinem Dieselmotor Laufleistungen heraus, für die man bei anderen Herstellern zwei Autos gebraucht hätte.

00:22:55: Ein griechischer Taxifahrer bringt es mit seinem W- onehundertdreiundzwanzig auf vier Komma sechs Millionen Kilometer.

00:23:03: Der Motor wird dafür elfmal überholt und zweimal komplett ersetzt aber die Karosserie hält durch.

00:23:10: Heute steht dieses Taxi im Mercedes-Benz Museum in Untertürkheim.

00:23:15: In Nairobi, in Bangkok und Stuttgart überall das selbe Auto – überall dasselbe Vertrauen!

00:23:23: Es ist das Welttaxi.

00:23:25: Stuttgard exportiert damit nicht nur Blech sondern Vertrauen und das in einer Stückzahl von der die teure S-Klasse nur träumen kann.

00:23:34: Für viele Kunden außerhalb Europas ist der W- onehundertundzwanzig über Jahre hinweg das einzige Mercedes-Modell, dass sie je zur Gesicht bekommen.

00:23:43: Und genau deshalb prägt es das Bild der Marke ebenso stark wie jede Limousine mit Formbar.

00:23:53: Zahns Nachfolger Gerhard Prinz stirbt schon neunzehnhundertdachzig mit fünffünfzig Jahren an einem Herzinfarkt.

00:23:59: noch im Amt.

00:24:01: Erst dadurch übernimmt in jenem Jahr Werner Breitschwert den Vorstandsvorsitz.

00:24:06: Genau der Mann der vier Jahre zuvor die neue Hinterachse durchgesetzt hat.

00:24:12: Aus dem Ingenieur vom Zeichentisch ist er oberste Chef des gesamten Konzerns geworden, mit dem Ruf eines Mannes, der technische Kompromisse persönlich nimmt.

00:24:23: Im November two-hundertzwanzig kommt der Dreier BMW der zweiten Generation auf den Markt – mit dem Versprechen von Sportlichkeit und Andersstatement für eine jüngere Käuferschicht.

00:24:35: Wenige Wochen später in Dezember folgt der Neue Mercedes-Benz intern W- twohundert eins genannt, das Ergebnis von acht Jahren Entwicklung und niefast Fertigungslinie.

00:24:47: Zwei kompakte Autos fast zeitgleich für dieselbe Zielgruppe an denselben Straßenecken.

00:24:53: eine Frage die sich niemand traut laut zu stellen welches der beiden Autos wird Deutschlands Aushängeschild?

00:25:10: In einer Straße befinden sich gleich zwei Autohäuser.

00:25:18: Links BMW, rechts Mercedes.

00:25:22: Ein Steuerberater mit der Vierzig-Gerade Teilhaber einer eigenen Kanzlei geworden steht zwischen den Schaufenstern.

00:25:29: In der einen Manteltasche Werbematerial zum Mercedes-Bereich in der anderen für einen BMW Drei-Dreihundzwanzig E. Er beginnt sie zu vergleichen!

00:25:41: Während er sich nicht entscheiden kann, welches Autohaus er betreten soll kommt eine Mitarbeiterin aus der Daimler-Benz-Fiale auf ihn zu.

00:25:51: Guten Tag!

00:25:53: Kann ich Ihnen weiterhelfen oder schauen Sie erst mal?

00:25:56: Ich vergleiche noch...

00:25:58: Verstehe ich.

00:26:00: Darf ich trotzdem was sagen?

00:26:02: Der Hundertneunziger ist kein kleiner Mercedes.

00:26:05: Er isst eine kleine S-Klasse die selbe Hinterachse nur einen Nummer kleiner verpackt.

00:26:10: Das lässt sich leicht sagen, aber ob es auch wirklich so ist?

00:26:13: Fahren Sie in Probe.

00:26:15: Dann sagen sie mir, ob ich recht habe!

00:26:17: Ja er kostet jedenfalls deutlich mehr als das entsprechende Modell von der Konkurrenz nebenan.

00:26:22: Dafür bekommen Sie aber auch mehr Auto.

00:26:25: Wie gesagt Es ist der kleinste einer echten Luxusreihe.

00:26:29: Sie sollten nicht darüber nachdenken was der Wagen kostet sondern was die Leute denken wenn sie damit vorfahren.

00:26:36: Aha, es geht also um den großen Auftritt.

00:26:38: Ist das die Verkaufsmasche, die Sie mir hier gerade auftischen?

00:26:41: Ist es!

00:26:42: Aber das sage ich Ihnen ganz ehrlich statt es zu verstecken.

00:26:46: Mein Vater ist sein Leben lang Opel gefahren

00:26:49: und sie haben Lust auf Veränderung.

00:26:52: Ja... Ich würde gerne etwas Neues ausprobieren.

00:26:55: Dann auf mit ihnen zur Probefahrt.

00:26:57: In der Zwischenzeit kann ich hier den Vertrag aufsetzen Denn sie werden sich für das Auto entscheiden

00:27:03: Da sind sie sich so sicher.

00:27:05: Ich habe in fünfzehn Jahren gelernt, auch wenn die Kundschaft noch nebenan vorbeischaut.

00:27:10: Die meisten kommen danach trotzdem zu uns

00:27:13: zurück.".

00:27:15: Der Steuerberater schaut sich wie angekündigt noch gegenüber bei BMW um.

00:27:19: Danach entscheidet er sich binnen eine halben Stunde für den Mercedes Wie es die Verkäuferin vorausgesagt hat.

00:27:27: Lieferzeit zehn Wochen Länger als er gehofft aber kürzer als er befürchtet hatte.

00:27:36: Für viele ist das nicht nur eine Preisfrage Es ist die Frage des Selbstbilds, wie man gesehen und wahrgenommen werden will.

00:27:44: Mercedes hat den Ruf von erfolgreichen eher konservativen Geschäftsmännern gefahren zu werden während BMW auf eine sportlichere jüngere Klientel setzt.

00:28:05: Hinter VW Golf und Opel Cadet sei ausgerechnet der doppelt so teure Mercedes-Benz XIX zum beliebtesten Auto der Deutschen geworden.

00:28:14: Zum ersten Mal kauft eine ganze Generation ihren ersten Mercedes nicht, weil sie lange darauf gespart hat sondern, weil Sie gerade angefangen hat gut zu verdienen!

00:28:26: Niefas Rechnung geht auf Kunden zahlen für das Gefühl einen Mercedes zu fahren auch dann wenn es der kleinste im Programm ist.

00:28:34: Doch währenddessen wird an der Konzernspitze ein anderer Mann in einen ganz anderen Plan eingeweiht, der mit Blechteilen und Achsen nichts zu tun hat.

00:28:44: Sein Name?

00:28:46: Ezhard Reuter!

00:28:48: Seit neunzehntsechsundsiebzig im Vorstand zuständig für Planung und Organisationen.

00:28:54: Er ist der Sohn des früheren Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter – und damit schon vor seiner Zeit bei Daimler-Benz eine öffentliche Figur.

00:29:03: Und der Plan wird nicht in Sindelfingen in die Tat umgesetzt, sondern in Frankfurt am Main.

00:29:23: Frankfurten, Ninzehundertachzig im Büro von Alfred Herrhausen Sprecher der Deutschen Bank und Aufsichtsratschef bei Daimler-Benz hoch über dem Mainufer mit Blick auf die Türme der Frankfurter Innenstadt.

00:29:37: Er ist der mächtigste Bankier der Republik und größter Einzelaktionär des Autobauers.

00:29:43: Ihm gegenüber steht Ezhard Reuter, siebenundfünfzig eine Akte unter dem Arm.

00:29:49: Herr Reutter, setzen Sie sich doch!

00:29:51: Und dann reden wir über AEG.

00:29:55: AEG?

00:29:56: Ein Konzern der seit Jahren rote Zahlen schreibt.

00:29:59: Genau deshalb ist er gerade billig zu haben.

00:30:02: Greifen Sie zu bevor es ein anderer tut.

00:30:05: Wir bauen Autos, Herr Herrhausen Keine Waschmaschinen und Kühlschränke.

00:30:10: Sie bauen die besten Autos der Welt.

00:30:12: Aber ein einziges Geschäft macht sie verwundbar und abhängig von jeder Konjunktur, jedem Ölpreis, jedem Streik in einem der Werke.

00:30:21: Ich will nicht in zehn Jahren wieder hier sitzen und über eine Krise reden, die wir heute hätten verhindern können.

00:30:27: Und denken Sie an die Ölkrise, an die Kurzarbeit im Unterzirkheim.

00:30:32: Ein Konzern, der nur auf einem Bein steht fällt beim ersten kräftigen Stoß Und wenn AEG nicht mehr zu retten ist?

00:30:40: Dann haben sie wenigstens Zugriff auf deren Patente, die Ingenieure und Marktzugänge.

00:30:46: Elektronik, Luftfahrt, Rüstung, Dienstleistungen – das sind die Wachstumsbranchen in den nächsten dreißig Jahre!

00:30:53: Und meine Vorstandskollegen aus der Fahrzeugsparte?

00:30:57: Nifa wird es nicht mögen.

00:30:58: Nifa baut Autos.

00:31:00: Lassen Sie ihn Autos bauen.

00:31:02: Die Konzernstrategie ist Ihre Aufgabe, nicht seine.

00:31:06: Er wird sagen, ich verspiele mit fremden Geschiften das Geld, dass seine Fabriken erwirtschaften.

00:31:13: Dann sagen sie ihm, dass ohne dieses Geld in dreißig Jahren vielleicht auch seine Fabrikens nicht mehr da sind.

00:31:20: Das klingt als hätten Sie schon für mich entschieden.

00:31:24: Ich rate es Ihnen im Namen der Bank!

00:31:26: Sie sollten es als Unternehmer sehen und unterschreiben Und wenn wir in zehn Jahren doch wieder nur ein Autobauer sein wollen Dann ist das ebenso, aber dann haben sie mehr Optionen als heute.

00:31:41: Das ist der ganze Sinn der Übung.

00:31:44: Sie reden von Optionen.

00:31:46: Meine Ingenieure werden von Waschmaschinen reden.

00:31:50: Ihre Ingeniüre bauen weiter Autos.

00:31:53: Das einzige was sich wirklich ändert is die Konzernbilanz.

00:31:58: Schlussendlich unterschreibt Reuter Es ist ja erste von drei großen Käufen Die Daimler-Benz in den nächsten vier Jahren tätigt und der Anfang eines Konflikts der das klassische Autogeschäft des Konzerns fünfzehn Jahre lang begleiten wird.

00:32:17: Auf AEG folgt noch im selben Jahr die Mehrheit am Luftfahrt-Zulieferer Donnier.

00:32:22: In den letzten Jahren wird Reuter Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG, Niva sein Stellvertreter.

00:32:31: Es ist ein Kompromiss – kein Bündnis!

00:32:35: Niva darf die Fahrzeugsparte weiterführen, solange sie genug Gewinn abwirft und er Reuters Kurs nicht offen bekämpft.

00:32:42: In der neuen deutschen Aerospace AG kommt mit dem Rüstungskonzern MBB ein dritter Baustein dazu, gebündelt in der neuen Deutschen Aerospace-AG kurz DASA.

00:32:54: Aus einem Autobauer ist auf dem Papier ein Mischkonzern geworden – mit Sparten von Personenwagen über Lastwagen und Flugzeuge bis zur Raketentechnik, von Rüstungselektronik bis zu Kühlschränken und Waschmaschinen aus dem Hause AEG.

00:33:10: Kritische Stimmen nennen Daimler-Benz bald nur noch das Kraut und Rüben Imperium.

00:33:15: Ein Sammelsorium, dass im Aktionärs Handbuch mehr Sparten auflistet als mancher Branchenindex.

00:33:23: Im selben Jahr wird die klassische Fahrzeugsparte selbst neu geordnet – und zur eigenständigen Mercedes-Bens AG mit eigenem Vorstand!

00:33:32: Ihr erster Vorsitzender?

00:33:34: Werner Niva.

00:33:36: Bei seinem ersten Rundgang durch eine MBB-Werkshalle in Ottobrunn Südlich von München sagt er trocken.

00:33:43: Er baue Autos, von Raketenstufen verstehe er

00:33:46: nichts.".

00:33:47: Die S-Klasse aus Sindelfingen finanziere am Ende die Raumfahrt mit – nicht umgekehrt!

00:33:53: Eine Äußerung, die in Ottobrunn noch Jahre später weitererzählt wird.

00:33:58: Im September threehundert neunzig wenige Monate nach seinem Rückzug aus dem Amt stirbt Werner Nifa an den Folgen einer Krebsoperation mit vierundsechzig Jahren.

00:34:13: Sein Nachfolger heißt Helmut Werner, ein externer Quereinsteiger vom Reifenhersteller Kontinental.

00:34:20: Er erbt eine Fahrzeugsparte im Schatten von Reuters Bilanz.

00:34:24: Reuters wichtigster Fürsprücher für die Technologiekonzernstrategie.

00:34:28: der Bankier Alfred Herrhausen ist da schon tot – von der RAF ermordet.

00:34:35: Kritiker nennen Reuter bald den größten Kapitalvernichter der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

00:34:41: Ein Titel der ihn bis in seine eigenen Memoaren verfolgt.

00:34:46: Helmut Werner saniert die Fahrzeugsparte in vier Jahren und bringt sie zurück in die Gewinnzone, schließt Werke, verhandelt Personalabbau und macht sich damit nicht nur Freunde.

00:35:06: und bittet selbst um die Auflösung seines Vertrags.

00:35:20: Die Mercedes-Benz AG wird noch im selben Jahr wieder vollständig in die Daimler-Bens AG eingegliedert.

00:35:27: Die operative Verantwortung für die Pkw-Sparte übernimmt direkt im Konzernvorstand ein Mann, der sie ohnehin schon seit nineteenhundertneunzig unter Werner geführt hat – Jürgen Hubbert, fifty-seven Ingenieur aus Sindelfingen, seit über dreißig Jahren im Haus.

00:35:45: In der Belegschaft ist er respektiert weil er selbst am Band angefangen hat.

00:35:50: Neun Monate nach seinem Amtsantritt steht ausgerechnet sein eigenes Projekt, die neue A-Klasse im Zentrum der größten Krise seiner Laufbahn.

00:36:04: Am einundzwanzigsten Oktober nineteenhundertsebeneinzig fällt die brandneue A-klasse durch einen simplen Ausweichtest – den sogenannten Echtest!

00:36:14: Der simuliert wie ein Fahrer einem plötzlich auf der Straße stehenden Tier ausweicht.

00:36:20: Bei knapp sechzig Kilometern pro Stunde kippt der Wagen auf die Seite und bleibt auf dem Dach liegen.

00:36:27: Die Bilder gehen noch am selben Abend um die Welt.

00:36:30: Konkurrenten widdern ihre Chance, Kunden stornieren bereits unterschriebene Bestellungen – und in den Redaktionen weltweit wird aus einem schwedischen Autotest binnen weniger Tage eine internationale Wirtschaftsmachricht.

00:36:49: Stuttgart.

00:36:54: Acht Tage nach dem sogenannten Echt-Hist tritt Jürgen Hubbard persönlich vor die Presse.

00:37:00: Er ist in der Branche als Mr.

00:37:01: Mercedes bekannt, Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt mit Fernsehteams aus halb Europa.

00:37:09: Eine Journalistin meldet sich direkt zu Wort

00:37:12: Herr Hubbard!

00:37:13: Acht Tagelang hat niemand aus ihrem Haus auf unsere Anfragen reagiert.

00:37:18: Warum?

00:37:19: weil ich erst wissen wollte, was tatsächlich passiert ist bevor ich vor Sie trete.

00:37:25: Ich hätte es früher tun sollen – das geht auf meine Kappe!

00:37:29: Jedenfalls haben wir einige Tests durchgeführt mit dem TÜV nach international anerkannten Standards.

00:37:36: Bei siebenundsiebzig Stundenkilometern hat der Wagen bestanden

00:37:39: Aber der schwedische Test war bei sechzig.

00:37:42: Das wissen wir.

00:37:44: Ein Teil der Erklärung liegt beiden Reifen die wir serienmäßig verbaut hatten.

00:37:48: Deshalb wechseln wir diese ab sofort aus.

00:37:52: Und jeder A-Klasse bekommt von nun an serienmäßig ein elektronisches Stabilitätsprogramm ESP, eine Technologie die wir gemeinsam mit Bosch entwickelt haben.

00:38:03: Eigentlich für spätere Bau rein gedacht?

00:38:06: Jetzt wird sie in acht Tagen einsatzbereit gemacht!

00:38:09: Acht Tage schweigen und dann eine Lösung, die eigentlich erst in ein paar Jahren kommen sollte.

00:38:14: Wie erklären Sie den gescheiterten Ausweichtest?

00:38:17: Hat man das Auto vor der Markteinführung nicht ausreichend getestet?

00:38:21: Ich erkläre Ihnen was wir tun werden!

00:38:24: Jetzt ist nicht die Zeit für Selbstkritik sondern für

00:38:26: Lösungen.

00:38:28: Sie sind seit neun Monaten im Amt – ausgerechnet ihr eigenes Projekt kennt dat vor laufenden Kameras.

00:38:34: Bereuen sie dem Posten angenommen zu haben?

00:38:37: Ich habe thirty-fünf Jahre in diesem Haus gelernt, dass eine Tür zehn Jahre halten muss.

00:38:42: Diese Achse muss das auch.

00:38:45: Fragen Sie mich in zehn Jahren noch

00:38:46: einmal!

00:38:47: Und was wenn das ESP das Problem nicht löst?

00:38:51: Dann stoppen wir die Auslieferung bis es das tut... ich habe die Aklasse nicht neun Monate lang verantwortet um sie jetzt aus Termindruck auf die Straße zu schicken.

00:39:00: Lieber verlieren wir ein Vierteljahr als das Vertrauen von dreizig Jahren.

00:39:05: Das kostet sie einen Marktstart mitten in der wichtigsten Verkaufssaison.

00:39:10: Das weiß ich besser als jede andere Person hier im Saal, trotzdem bleibt es dabei!

00:39:20: Die Pressekonferenz wird zu Verteidigung und Kurskorrektur in einem.

00:39:26: Es ist die erste große Sicherheitskrise der bundesdeutschen Nachkriegszeit bei Daimler-Bens Und Jürgen Hubbard steht mittendrin.

00:39:36: Die Kameras halten fest, wie er nach der letzten Frage noch einen Moment sitzen bleibt bevor er aufsteht und den Saal verlässt ohne ein weiteres Wort an die Presse zu richten.

00:39:47: In Werkstätten, Redaktionen und der Öffentlichkeit dauert es Monate bis das Wort Echt-Test aus den Köpfen verschwindet.

00:39:56: Am Ende überschattet diese Krise aber weder die Bilanz der A-Klasse noch die von Hubbard.

00:40:01: Die Auslieferung des Wagens wird um mehrere Monate gestoppt, die Kosten der Nachrüstung gehen in die dreistellige Millionenhöhe.

00:40:10: Sobald das ESP nachgerüstet ist verkauft sich der Wagen so gut wie geplant.

00:40:15: Das neue Werk in Raststadt bleibt ausgelastet und ESP wird binnen weniger Jahre vom Sonderfall zur Serienausstattung in nahezu jedem Neuwagen der Marke Hubbard bleibt noch Jahre an der Spitze.

00:40:27: der Pkw-Sparte Stuttgart ist inzwischen das Zentrum der deutschen Automobilindustrie.

00:40:40: Hundertvierzichtausend Arbeitsplätze allein bei Daimler-Benz, in der Region – das höchste Durchschnittseinkommen der Republik, ganze Stadtteile die vom Zulieferergeschäft leben!

00:40:51: Ein Mercedes-Sterne auf dem Turm des Hauptbahnhofs thront über den ganzen Stadt und es seit Jahrzehnten das erste was Reisende am Bahnhof sehen.

00:41:00: Der Stern steht für das Beste was das Land bauen kann.

00:41:04: Doch der Vorstandsvorsitzende Jürgen Schremp will mehr als das Beste.

00:41:10: Er will beweisen, dass das Biste auch das Größte sein kann und er hat schon einen Plan – eine nächste Fusion die nicht mehr nur einen deutschen Mischkonzern sondern den größten Autokonzern der Welt schaffen soll!

00:41:28: In der nächsten Folge fliegt Jürgenschremp nach Amerika um eine Fusion in die Wege zu leiten, die als Zusammenschluss untergleichen verkauft wird.

00:41:37: Doch ein einziger Satz in einem britischen Wirtschaftsmagazin geäußert wird Jahre später Milliarden kosten!

00:41:51: Das war Folge drei von vier – von Imperium Die Mercedes-Benz Story Von Studio J. Wenn ihr mehr über die Jahre zwischen Reuters Technologiekonzern und dem Echtester erfahren wollt empfehlen wir euch das Buch Schein und Wirklichkeit Erinnerungen von Edzard Reuter.

00:42:09: Wenn euch die Technik hinter dem liebevoll Baby-Bands genannten Mercedes-Hundertneunzig interessiert, dem empfehlen wir.

00:42:16: Mercedes-Benz W-Zwanzig I – The Complete Story von James Taylor eine der detailliertesten englischsprachigen Studien zu einem einzelnen Mercedes-Modell überhaupt.

00:42:27: Ein Hinweis zu den Dialogen, die du gehört hast Wir wissen natürlich nicht genau was gesprochen wurde.

00:42:33: Alle Dialoge basieren nach bestem Wissen auf unseren Recherchen.

00:42:38: Ich bin Marc Benpoch

00:42:39: Und ich bin Aline

00:42:53: Staskowiak.

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